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Mit Kommentar aus der Redaktion : Immer mehr Stellen für Verwaltung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Kreis Pinneberg hat 38 Stellen in Teil- und Vollzeit geplant.

Elmshorn | Rund 1000 Quadratmeter Fläche möchte die Kreisverwaltung in den oberen Geschossen des neuen Straßenverkehrsamts mieten. Die Politiker im Finanz- und Hauptausschuss waren allerdings noch nicht bereit, die Daumen zu heben. Sie gaben der Kreisverwaltung einen Fragenkatalog mit, in dem es vor allem um den enormen Stellenzuwachs geht.

Die Verwaltung rechnet mit insgesamt 38 benötigten Arbeitsplätzen, die sowohl mit Teil- als auch mit Vollzeitkräften besetzt werden. Zusammen mit den Flächen für Verkehrswege, Toiletten, Technikräume, Archive, Besprechungsräume, Flure, Wartezonen und Teeküchen würden die rund 1000 Quadratmeter Fläche benötigt, die in dem neuen Verkehrsamt derzeit noch frei sind.

Ausführlich geht die Verwaltung in ihren Antworten auf den Grund für den zusätzlichen Platzbedarf ein. „Die prognostizierten Personalbedarfe entstehen dort, wo wir mit extremen Fallzahlenzuwächsen konfrontiert sind (Unterhaltsvorschuss- und Bundesvormundschaftsgesetz). Das ist zum einen in den Aufgabenbereichen der Unterstützungsleistungen für Kinder- und Jugendliche, wie zum Beispiel Wirtschaftliche Jugendhilfe und Kindertagesstätten der Fall, aber auch in den Aufgabenbereichen, die mit der Regulierung des Zusammenlebens betraut sind, wie in der Ausländerbehörde.“

Hier sei es zeitgleich zu den Fallzahlensteigerungen auch zu Änderungen in der Aufgabenwahrnehmung beziehungsweise einem Zuwachs an Aufgaben gekommen, der nicht mehr aufzufangen sei. Exemplarisch nennt die Verwaltung den Bereich der Rückführung im Aufgabengebiet der Ausländerbehörde.

Auch für die Bereiche Gesundheit und Soziales gebe es Personalmehrbedarf aufgrund steigender Fallzahlen. „Zudem verändert der Gesetzgeber seine Regelungskultur. So werden immer mehr Beratungsansprüche (Betreuungsstelle) in die Regelungen aufgenommen, sowie „pro Kopf“-Quoten (Beispiel Amtsvormundschaften) gesetzlich festgelegt. Neue Schutzbereiche werden erschlossen (Prostituiertenschutzgesetz) und müssen entsprechend verwaltet werden.“ Derzeit gibt es in der Kreisverwaltung 680 Stellen. 2011 waren es 100 weniger.

Wenn die Politik zustimmt, will die Kreisverwaltung die Flächen von 2018 an mieten. Der Mietvertrag soll, wie der für das Kreishaus, bis 2036 laufen. Zu den rund 120.000 Euro, die monatlich an Kaltmiete für das Kreishaus fällig sind, käme dann noch einmal ein niedriger fünfstelliger Betrag für die zusätzlichen Räume im Straßenverkehrsamt hinzu.

 

Kommentar: Bürokratieabbau geht anders
von Bernd Amsberg

Das Prostituiertenschutzgesetz ist mit Sicherheit gut gemeint. Das Unterhaltsvorschussgesetz sowieso. Dennoch machen diese Beispiele mehr als deutlich: Der Gesetzgeber hat immer neue Ideen. Und für deren Umsetzung wird immer neues Personal benötigt. 100 zusätzliche Stellen in nur sechs Jahren allein in der Pinneberger Kreisverwaltung. Das ist schon ohne den Personalbedarf aufgrund der Flüchtlingskrise kaum vorstellbar. Aber es ist Realität. Immer wieder fordern Politiker Bürokratieabbau. Das ist, wie neue Gesetze, sicher gut gemeint. Doch im Praxistest erweist es sich – leider – viel zu oft nur als Geschwätz.

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erstellt am 14.Jul.2017 | 14:00 Uhr

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