Weisser Ring im Kreis Pinneberg : Immer mehr Menschen suchen Hilfe

Opfer von Gewaltverbrechen bekommen rund um die Uhr Hilfe vom Weissen Ring unter der kostenfreien Rufnummer 11 60 06.
Opfer von Gewaltverbrechen bekommen rund um die Uhr Hilfe vom Weissen Ring unter der kostenfreien Rufnummer 11 60 06.

In den ersten zehn Monaten 2013 hat die Opferhilfeorganisation schon 20 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr bearbeitet.

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05. November 2013, 06:00 Uhr

In diesem Jahr haben bis einschließlich vergangener Woche 159 Menschen bei der Außenstelle der Opferhilfeorganisation Weisser Ring im Kreis Pinneberg um Hilfe gebeten. Das sind bereits jetzt 20 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr. Doch Außenstellenleiter Dietrich Anders sieht diese Entwicklung durchaus positiv: „Natürlich ist es nicht erfreulich, dass so viele Menschen Opfer von Verbrechen werden. Doch die Kriminalstatistik zeigt, dass sich deren Anzahl kaum ändert“, erläuterte Anders im Gespräch mit dieser Zeitung. Vielmehr habe der Weisse Ring in den vergangenen Monaten und Jahren an Bekanntheit gewonnen und werde jetzt häufiger von Opfern von Verbrechen als helfende Anlaufstelle wahrgenommen, so Anders.

Als der 76-Jährige im Jahr 2007 sein ehrenamtliches Engagement beim Weissen Ring aufnahm, wandten sich 28 Personen an die Opferhilfeorganisation. In den Folgejahren stieg die Zahl kontinuierlich. „Ich denke, das haben wir hauptsächlich der guten Zusammenarbeit mit den Medien und der Polizei zu verdanken“, sagte Anders. Die Polizeibeamten seien inzwischen geschult darin, die Notfall-Telefonnummer des Weissen Rings weiterzugeben, wenn sie mit Betroffenen sprechen würden. Zudem habe es in den vergangenen Monaten eine Serie in den Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) gegeben, in dem auch diese Zeitung erscheint. Darin erzählten vier Menschen, die sich beim Weissen Ring Hilfe geholt hatten, von der Tat, die ihnen angetan wurde, und von ihren Erfahrungen mit dem Weissen Ring.

In diesem Jahr suchten bislang 121 Frauen und 38 Männer Hilfe bei der Organisation. 15 von ihnen waren sogar jünger als 14 Jahre alt, 136 bereits volljährig. Zirka ein Viertel von ihnen wurde Opfer von Körperverletzung, aber auch Sexualdelikte waren in 28 Fällen der Grund, wegen dessen sich Menschen an den Weissen Ring wandten. 15 Menschen suchten Hilfe, weil sie gestalkt wurden. Ihnen hilft der Weisse Ring als „Drehscheibe“ und vermittelt sie großteils weiter, damit sie Unterstützung bei ihren psychischen und finanziellen Problemen erfahren. „Wir machen keine Therapie, sondern erleichtern den Zugang dazu“, stellte Anders klar.

Zwar sei die Organisation jetzt schon bekannt, doch er wisse, dass es immer noch Menschen gebe, die diese nicht kennen würden und nicht wüssten, wo sie Hilfe finden würden.

Um das zu ändern, ist der Weisse Ring in der vergangenen Woche eine Kooperation mit den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) eingegangen. 102 Busse fahren jetzt mit einem Hinweisaufkleber auf der Heckscheibe. Er zeigt die gebührenfreie und bundesweit geltende Notfallrufnummer: 11 60 06.

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