Kreis Pinneberg : Immer mehr Eltern klagen über Stress

Immer mehr Eltern würden immer früher Verantwortung abgeben – und beispielsweise Tagesmütter engagieren.
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Immer mehr Eltern würden immer früher Verantwortung abgeben – und beispielsweise Tagesmütter engagieren.

Der Druck wird größer. Die Kreiselternvertretung sieht auch ökonomische Gründe für den Anstieg.

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18. Januar 2015, 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Immer mehr Eltern setzen sich bei der Erziehung ihrer Kinder selbst gehörig unter Druck. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Meinungsforschungsinstitut „Forsa“ im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“ durchgeführt hat. Danach empfanden etwa 60 Prozent der rund 1000 erwachsenen Umfrage-Teilnehmer, dass die Erwartungen an die Eltern-Rolle heute höher seien als noch vor 15 Jahren. Drei Viertel der befragten Frauen gaben an, dass sie mit sich als Mutter häufig oder gelegentlich unzufrieden sind. Bei den Männer äußerten sich analog dazu immerhin zwei Drittel entsprechend.

Für Andreas Paul, Vorsitzender der Kreiselternvertretung, hat der zunehmende Druck vor allem ökonomische Gründe. „Wer drei Kinder hat, bezahlt in Wedel schon allein 800 Euro für Betreuung, sofern beide Elternteile berufstätig sind. Dazu ist für fünf Personen eine Wohnung unter 1000 Euro nicht zu haben. Unter 3000 Euro Haushaltseinkommen stehen Familien deshalb unter dem Druck, von Armut bedroht zu sein. Das ist purer Stress“, sagt er. Allerdings gebe es tatsächlich Eltern, die dies noch zusätzlich befeuerten. „Ich erlebe immer wieder Eltern, die sich schon bei ihren Drei- bis Sechsjährigen Gedanken über die spätere Karriere machen.“

Auch Ulrike Wohlfahrt, Leiterin der Familienbildung Wedel, die pro Jahr etwa 5000 Familien berät, teilt den Befund der Studie. „Manche Eltern sehen ihre Kinder als eine Art Projekt“, sagt sie. Allerdings würden die Extreme auf beiden Seiten zunehmen – denn immer mehr Eltern würden auch schon immer früher Verantwortung abgeben – und beispielsweise Tagesmütter engagieren. „Wichtig ist, möglichst viel Freizeit mit den Kindern zu verbringen: im Schwimmbad, in der Turnhalle, im Wald“, so Wohlfahrt.

Die Zielgruppe selbst sieht der Studie zufolge die Situation im Übrigen gar nicht so dramatisch. Etwa 90 Prozent der 700 befragten Sechs- bis Zwölfjährigen halten ihre Eltern für die besten der Welt, 91 Prozent fühlen sich bei ihnen „immer sehr sicher und wohl“.

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