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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 01:21 Uhr

Urlaub von Facebook : Im Zug der Zombies

vom

Ein Leben ohne soziales Netzwerk: Kira Oster verzichtet bewusst auf Facebook - und sieht ihre Mitmenschen plötzlich in einem anderen Licht.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 16:25 Uhr

Mit leerem Blick starren sie auf den Bildschirm ihrer Smartphones. Verkrampft halten sie die kleinen Geräte in den Händen. Selbst das junge Paar mir gegenüber hält, statt sich gegenseitig die Hände, jeweils ein Smartphone. Ich sitze in der S-Bahn zwischen Pinneberg und Hamburg und meine Mitfahrer kommen mir vor wie Zombies.

Sind wir von Facebook fremdgesteuert? Süchtig? Oder einfach nur gelangweilt? Meiner eigenen Erfahrung nach bietet die Plattform ein gewisses Suchtpotential. Ich suche nach Studien zu dem Thema und werde fündig. Ein Forscherteam der Universität Chicago testete, inwiefern Facebook schon zu den Alltagsgewohnheiten gehört. Mit erschreckendem Ergebnis: Facebook mache demnach süchtiger als Alkohol und Nikotin.

Eine Studie von Wirtschaftsinformatikern der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt Universität Berlin Anfang des Jahres stellte Neidgefühle vieler Nutzer fest. Die 600 Teilnehmer wurden zu ihren Gefühlen während und nach der Nutzung befragt. Über ein Drittel der Teilnehmer sprach nach der Nutzung von negativen Gefühlen und Missgunst. Diese entstünden oft in dem  sozialen Netzwerk. Denn dadurch, dass der Nutzer permanent mit positiven Nachrichten und Beiträgen konfrontiert sei, fühle er sich selbst schlecht. So führen die vermeintlich erfolgreichen „Freunde“ zu einem sozialen Vergleich. Um den Neid zu kompensieren präsentiert sich der Nutzer stärker, und löst damit wiederum Neid bei anderen Nutzern aus – die unendliche Spirale.

Eine ältere, gebrechliche Dame steigt während der Bahnfahrt ein. Ein junges Mädchen blickt von ihrem Handy auf und bietet der Dame freundlich ihren Platz an.  Ein Glück, sie scheint doch kein Zombie zu sein. Es sei denn, sie postet ihre gute Tat gleich bei Facebook.

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