„Im Moment ist es relativ ruhig“

In die Flüchtlingseinrichtung in der Feldstraße kehrte im Oktober vergangenen Jahres Leben ein.
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In die Flüchtlingseinrichtung in der Feldstraße kehrte im Oktober vergangenen Jahres Leben ein.

Flüchtlingsunterkünfte: Stadt hat zehn Wohnungen gekündigt / Ungewissheit bei der Planung wegen Familiennachzug

shz.de von
27. Juli 2018, 16:02 Uhr

Der große Druck ist raus. Während die Stadt Wedel vor drei Jahren noch händeringend nach Unterkünften suchte, um die Neuankömmlinge auf dem Höhepunkt des Flüchtlingsstroms schnell und adäquat unterzubringen, werden jetzt Mitverträge wieder aufgelöst. „Wir haben derzeit noch zirka 70  Wohnungen angemietet, konnten aber schon etwa zehn Mietverträge kündigen“, sagte Martina Reimer, Leiterin des Fachdienstes Soziales der Stadt Wedel, auf Anfrage unserer Zeitung. Allerdings bleibt die Ungewissheit, ob die Wohnungen auch zukünftig ausreichen werden.

„Im Moment ist es relativ ruhig, wir haben 2016 noch 140 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. 2017 nur noch 25   Personen und in 2018 waren es bisher 34 Personen“, erläutert Reimer die aktuellen Zuweisungszahlen. „Insgesamt ist die Anzahl der neu ankommenden Flüchtlinge also stark zurückgegangen.“ Unklar ist aber, wie sich die Zahlen im Rahmen des Familiennachzugs entwickeln werden. „Die Familiennachzüge sind in dem großen Ausmaß wie angenommen auch noch nicht eingetreten“, erläuterte die Fachamtsleiterin. 2017 kamen 53 Personen als Familiennachzug nach Wedel. 2018 waren es bisher 13 Personen. Wie sich der Familiennachzug entwickelt, sei völlig ungewiss. „Wir haben im Kreis Pinneberg rund 1000 Personen mit subsidiärem Schutz. Das wäre die Personengruppe, die den Familiennachzug nach neuem Recht beantragen könnte. Darunter sind aber 330 Kinder und Jugendliche unter 16  Jahren, die vermutlich schon mit ihrer Familie hier sind. Bleiben also noch 650  Personen, wovon aber einige schon mit der Familie gekommen sind“, rechnete Reimer vor. Wie viele Personen nur in Bezug auf den Familiennachzug der subsidiär Schutzberechtigten dann pro Monat auf den Kreis entfallen könnten, sei noch völlig unklar.

„Es sind ja bundesweit nur 1000 Personen geplant. Dazu wird es noch ein Bundesgesetz geben. Aber wahrscheinlich auch erst zum August laut dem für die Ausländerbehörde zuständigem Ministerium“, beschreibt Reimer, warum eine Einschätzung derzeit so schwer fällt. Alle anderen Familiennachzüge würden wie gewohnt weiterlaufen. „Wie sich das zahlentechnisch auswirken wird, da ja nur von gewissen Einreisekontingenten auszugehen ist, wird zum August entschieden.“ Derzeit gäbe es noch Kapazitäten, um auch den Familiennachzug entsprechend unterzubringen. „Die sind aber begrenzt“, sagt Reimer. „Wir können aber auch derzeit nicht neu anmieten, ohne zu wissen, mit wie vielen Personen wir überhaupt rechnen müssen.“ Zudem sei nicht klar, wie groß Wohnungen sein müssen. „Eine sehr unbefriedigende Situation. Bislang konnten wir aber jedem, der zu uns kam, ein Obdach bieten“, so die Fachamtsleiterin.

„Derzeit werden einige Plätze im ehemaligen Vereinsheim des Wedeler TSV anderweitig genutzt. Unter anderem ist dort eine Wohngruppe untergebracht“, sagte Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos). Bis 2020 hat die Stadt das Gebäude angemietet, um entsprechende Wohnplätze anbieten zu können, aber auch, um dem angeschlagenen Verein, dem die Insolvenz drohte, finanziell unter die Arme zu greifen. Doch wie es mit dem Gebäude in der Bekstraße weitergeht, sei bisher offen. „Wir stehen im regelmäßigen Kontakt mit dem Verein. Es gibt noch keine festen zukünftigen Planungen“, sagte Reimer.

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