Zu wenig Personal : Im Kreis Pinneberg fehlen die Schwimmmeister

Hat alles im Blick: Finn Rune Voß bei der Arbeit im Freibad Elmshorn. Der 20-Jährige hat soeben seine Ausbildung als Fachkraft für Bäderbetriebe erfolgreich abgeschlossen.
Hat alles im Blick: Finn Rune Voß bei der Arbeit im Freibad Elmshorn. Der 20-Jährige hat soeben seine Ausbildung als Fachkraft für Bäderbetriebe erfolgreich abgeschlossen.

Ferienzeit und hohe Temperaturen ziehen tausende Gäste ins kühle Nass. Doch die Situation in den Freibädern ist angespannt.

shz.de von
24. Juli 2018, 10:45 Uhr

Kreis Pinneberg | Ein Sommer, wie die Menschen in der Region Pinneberg ihn lange nicht mehr hatten: Blauer Himmel, Sonne satt und Temperaturen um die 30 Grad Celsius locken sie in die Freibäder im Kreis Pinneberg. „Dieser Sommer ist wirklich schon außergewöhnlich, denn wir haben schon 60.000 Besucher in dieser Saison zu Gast gehabt. Und die Ferien haben gerade erst begonnen“, sagt Petra Dinkler, die bereits seit den 1980er Jahren in Elmshorn wacht. Und sie fügt hinzu: „Alle sprechen uns mit Bademeister an, dabei ist die korrekte Berufsbezeichnung Fachkraft für Bäderbetriebe.“

Fachangestellte für Bäderbetriebe sorgen dafür, dass sich Badegäste wohlfühlen. Dazu gehört, dass sie Fitnessprogramme und Schwimmunterricht anbieten, den Badebetrieb überwachen, Anlagen warten, das Bad sauber halten und Verwaltungsaufgaben übernehmen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird mit bis zu 1000 Euro vergütet.

Dinkler steht gemeinsam mit Finn Rune Voß, der soeben erfolgreich seine Ausbildung abgeschlossen hat, am Beckenrand und schaut auf das Treiben im Wasser. Insgesamt haben in Schleswig-Holstein nur 26 Azubis die dreijährige Ausbildung absolviert und auch die Abschlussprüfung bestanden. Auf sie warten sehr viele freie Stellen. Denn der Markt ist leergefegt. Oftmals geht es gar nicht mehr ohne den zusätzlichen Einsatz von Rettungsschwimmern der DLRG. Aber auch wenn es Gastpersonal und ehrenamtliche Retter gibt, sieht die Personalsituation in anderen Bädern dennoch deutlich schlechter aus: Überall – nicht nur im Kreis Pinneberg – fehlt es an Fach- und Aufsichtspersonal.

Verkürzte Öffnungszeiten als Folge der prekären Personalsituation

Bei einigen Schwimmbädern müssen daher Öffnungszeiten gekürzt oder der Betrieb zumindest vorübergehend eingeschränkt werden, beispielsweise im Freibad der Stadt Quickborn. Seit Juni wird dort auf verkürzte Öffnungszeiten gesetzt, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. Es würden Fachkräfte gesucht, doch der Ansturm auf die freien Stellen bleibe aus. Pinneberg kommt hingegen ganz gut zurecht. „Wir haben Glück im Unglück. Denn wir bekommen Unterstützung aus Itzehoe“, heißt es auf Anfrage von shz.de. Dies sei aber nur möglich, da die Sanierung des Itzehoer Freibades nicht rechtzeitig fertig wurde.

In Barmstedt ist die Lage wiederum wesentlich dramatischer: „Der Fachkräftemangel ist mit ein Grund, warum wir das ehemalige Freibad im Jahre 2016 in eine unbewachte Badestelle umgewandelt haben“, erklärt Fred Freyermuth, Leiter der Barmstedter Stadtwerke. Auf die Frage nach möglichen Initiativ-Bewerbungen antwortet er: „Nein, schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Das ist bedauerlich und nicht immer nachvollziehbar, denn das Berufsbild hat sich deutlich verändert und ist inzwischen sehr abwechslungsreich und interessant.“

Eltern sollten im Schwimmbad und am Badesee mehr auf ihre Kinder achten, um Badeunfälle zu verhindern. Das fordert der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister, Peter Harzheim. „Immer mehr Eltern schauen auf ihr Smartphone und nicht mehr nach links oder rechts und schon gar nicht nach ihren Kindern. Es ist traurig, dass die Eltern sich heute so nachlässig benehmen“, sagt er. Es sei auch bedenklich, dass immer weniger Kinder richtig schwimmen könnten, sagt Harzheim. Knapp die Hälfte der Fünftklässler könne nicht sicher oder gar nicht schwimmen; das deckt sich mit Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

In der Badebucht Wedel wird noch ausgebildet; im Jahr 2017 gab es aber keine Bewerber. „Wir spüren die Knappheit, haben bisher aber noch keine Maßnahmen ergreifen müssen“, sagt Badeleiter Karsten Niß.

Etwas Positives zieht der Fachkräftemangel dennoch nach sich: „Inzwischen werden die Fachkräfte ihrer Leistung entsprechend bezahlt, was jahrzehntelang nicht der Fall war“, sagt Irene Hesselink von den Stadtwerken Barmstedt.

Die Badestellen im Kreis Pinneberg im Überblick:

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