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Pinneberger Tageblatt

22. August 2017 | 22:57 Uhr

Im Fokus: Deutsch als Zweitsprache

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Berufliche Schule in Elmshorn stockt Lehrerstellen und Unterrichtsstunden für Flüchtlinge auf. Unterstützt wird sie von Schülern: 70 von ihnen helfen bei der Integration.

Sechs neue Klassen hat die Berufliche Schule des Kreises Pinneberg in Elmshorn seit Januar geschaffen, um Flüchtlinge zu beschulen. Eine siebte Daz-Klasse – Deutsch als Zweitsprache – soll nach den Osterferien dazukommen. „Das wird die erste Klasse in unserer Außenstelle in Thiensen“, sagt Peter Heit, Abteilungsleiter Berufsvorbereitung. Aktuell würden 90 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zwischen 16 und 18 Jahren die Schule in Elmshorn besuchen. Von anfangs zwölf Wochenstunden seien die Daz-Stunden nun pro Schüler auf 16 bis 18 gesteigert worden.

Fünf neue Teilzeitstellen wurden geschaffen und derzeit suchen Heit und Schulleiterin Margarete Weber weiteres Personal, um die Vorgabe von 20 Daz-Stunden pro Woche zu erfüllen. „Nicht nur wir und Hamburg suchen, sondern auch viele private Bildungsträger und Einrichtungen“, sagt Weber. Beide setzten aber auch auf Unterstützung aus den eigenen Reihen. „Viele Kollegen sind an dem Bereich Daz sehr interessiert und die Bereitschaft zu helfen ist groß“, sagt Heit. Auch von Seiten des Bildungsministeriums gebe es entsprechende Weiterbildungen. „Denn ohne Deutsch geht es nicht“, weiß Heit.

Etwa 80 Prozent der Jugendlichen, die in die Daz-Klassen aufgenommen werden, verfügen laut Heit nur über rudimentäre Deutsch und wenige Englischkenntnisse. „Wenn ich sage: ‚80 Prozent können kein Deutsch‘, muss ich auch sagen, dass 90 bis 95 Prozent hoch motiviert sind, es zu lernen. Ich kann auch noch ein, zwei Prozentpunkte dazugeben.“ Für Heit seien Berufsschulen ideal, um die Sprache zu vermitteln: „Im fachpraktischen Unterricht kann die Sprache sehr gut eingebaut werden.“ Mit der Fertigstellung der neuen Werkräume würden sich die Möglichkeiten dort erweitern. „Von einer Vorbereitung auf eine Ausbildung sind wir aber weit weg. Wir können keinem Arbeitgeber einen Schüler mit Sprachkenntnissen des Niveaus A  1 oder A  2 anbieten. Das wäre für alle Seiten frustrierend“, sagt Heit.

Auch die Schüler helfen beim Sprachtraining und der Integration mit. Eigentlich wollte die Schülervertretung die Flüchtlinge bei den ersten Schritten in der Schule und vor allem in der Pause begleiten. „Das hat sich ganz schnell anders entwickelt als geplant“, sagt Nisa Türkognu. Aus der Pausenbegleitung wurde ein Nachmittagsprogramm: Einmal pro Woche wird nach dem Unterricht Deutsch gelernt, gespielt oder einfach nur miteinander gesprochen. Mehr als 70 Schüler engagieren sich für die etwa 30 Flüchtlinge. Die Teilnahme ist für beide Seiten freiwillig. „Sie haben acht Stunden Schule hinter sich und wollen trotzdem weiter lernen. Das ist sehr beeindruckend“, sagt die Berufsschülerin. Die Kommunikation erfolge auf Deutsch oder Türkisch. „Wir haben sonst einige Schüler, die übersetzen“, sagt Türkognu.

Während die Flüchtlinge Deutsch lernen, lernen die ehrenamtlichen Helfer etwas über die Kultur der Herkunftsländer und erfahren manchmal auch, wie die Flucht verlief. Das habe auch Türkognus Blick auf die Schule verändert. „Ich bin sehr froh in einem Staat wie Deutschland zu leben, wo es sicher ist. Manchmal bin ich von der Schule genervt, aber mittlerweile sage ich mir: ‚Nisa, sei mal dankbar, dass du zur Schule gehen darfst.‘“

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