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Pinneberger Tageblatt

24. August 2017 | 03:41 Uhr

Im Dienst der Bürger, weils Spaß macht

vom

Kreis Pinneberg | Sind Straßen oder Wege kaputt - sie werden eingeschaltet. Sind Abwasserleitungen oder Gräben verstopft - sie werden angerufen. Bei jeder größeren Feierlichkeit wird erwartet, dass sie eine kurze Rede halten. Und manchmal klagen ihnen die Bürger sogar bei privaten Problemen ihr Leid. Bürgermeister einer kleinen Gemeinde zu sein, bedeutet ständig großer Einsatz und häufig noch größere Einschränkungen im Privatleben. Ein Gehalt gibt es nicht. Der Job ist ehrenamtlich. Gezahlt wird lediglich eine Aufwandsentschädigung. Dennoch machen etliche von ihnen den Job bereits seit vielen Jahren.

Seit sagenhaften 47 Jahren ist der mittlerweile 80-jährige Udo Tesch Bürgermeister von Heidgraben. Während seiner Amtszeit kamen die Kanzler Kiesinger, Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder und Merkel und gingen, bis auf Merkel. Und als er erstmals zum Bürgermeister gewählt wurde, war Thorsten Rockel noch gar nicht geboren. Mittlerweile ist Rockel auch schon seit zehn Jahren Bürgermeister von Seestermühe.

Warum machen Tesch und seine Kollegen das, warum opfern sie jahrelang ihre Freizeit, um den Bürgern ihrer Gemeinden zu dienen? Die Antwort ist simpel: "Weil es Freude macht, mit Menschen umzugehen, ihnen zu helfen", sagt Tesch. Und wenn dann Dinge im Dorf geschaffen würden, mache das viel Spaß. Unvergessen ist für ihn die Errichtung des Heidgrabener Sportlerheims. "Total in Selbsthilfe, eine tolle Zeit." Wichtig: "Die Familie muss mitziehen, sonst geht das nicht." Denn die Bürger "teilen einem schon Freud und Leid mit".

Seit 27 Jahren ist Walter Rißler Bürgermeister von Holm. Zudem ist er Vorsteher des Amtes Moorrege. Ehrenamtlich, versteht sich. Und er macht weiter. "Man muss sich für Kommunalpolitik sowie sein Dorf interessieren und ein gutes Team haben, denn man macht das ja nicht allein", sagt er. Er sagt aber auch: "Wenn man sich ärgert und nicht mehr richtig schlafen kann oder zu Hause nörgelig wird, dann muss man sofort aufhören." Doch das ist bei ihm nicht der Fall. Mehr noch: "Es hat stets Spaß gemacht und es macht immer noch Spaß, mit anderen zusammen etwas für das Dorf zu tun", sagt Rißler.

25 Dienstjahre hat Willi Hachmann hinter sich. Quasi nebenbei ist er auch noch Vorsteher des Amtes Rantzau. "Man kennt sich aus in der Materie, dann passt das schon", sagt er. Aber auch der Zusammenhalt innerhalb einer kleinen Gemeinde sowie die gute Gemeinschaft in der Gemeindevertretung seien ein Grund für sein Engagement. "Wenn man sieht, dass alles in normalen Spuren verläuft, hat man auch Freude daran", so Hachmann. Auch mit seinen Bürgermeister-Kollegen versteht er sich bestens. Dennoch habe er "schon darüber nachgedacht", ob er weitere fünf Jahre den Posten übernehmen solle. Dann hat er es doch wieder getan. "Wenn ich es nicht machen würde, würde mir irgendwie was fehlen," gesteht er.

Immerhin seit zehn Jahren dabei ist Seestermühes Bürgermeister Thorsten Rockel. "Man muss schon ein bisschen verrückt sein", meint er. Dennoch verhehlt auch Rockel nicht, dass ihm die Arbeit viel Spaß macht. Meistens jedenfalls. Der Einsatz gemeinsam mit anderen für das Dorf sei eine gute Sache. Auch die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden mit dem Ziel, mit dem Amt Elmshorn-Land weiterhin eine gute und kostengünstige Amtsverwaltung zu haben, sei ein Ansporn für ihn. "Das passt schon alles", sagt Rockel, der auch Amtsvorsteher ist.

"Das ist fast schon ein Fulltime-Job, wenn man es vernünftig machen will", weiß Hans-Barthold Schinckel, Bürgermeister von Klein Nordende. Der ist auch schon seit zehn Jahren im Amt. Die Probleme der Bürger seien vielfältig: "Das geht von der schiefen Gehwegplatte bis zur Hecke, die irgendwo reinwächst." Hinzu kommen etliche Sitzungen und Besprechungen. Eigentlich könnte Schinckel seinen Ruhestand genießen. Macht er aber nicht. "Ich bin hier geboren. Ich bin der Gemeinde sehr verbunden und es macht einfach Spaß, es ist ne tolle Sache. Und die Zusammenarbeit mit den Vereinen und Verbänden klappt auch bestens", sagt er. Und deshalb hat er sich erneut zur Wahl gestellt. Wie all die anderen langjährigen Bürgermeister auch.

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erstellt am 10.Aug.2013 | 03:14 Uhr

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