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Kulturkreis Halstenbek : Im blauen Kleid rund um die Welt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kein freier Platz mehr bei Lesung „Das große Los“ von „Wer wird Millionär“-Gewinnerin Meike Winnemuth.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2013 | 00:37 Uhr

Ein Jahr lang trug sie jeden Tag ein blaues Kleid. Von ihren Erlebnissen berichtete sie auf www.daskleineblaue.de. Auch bei der Vorstellung ihres Buchs „Das große Los“ erschien sie in der Arche Noah in blauer Garderobe. Kein freier Platz war bei der Veranstaltung des Halstenbeker Kulturkreises zu finden. „Wir haben hier keine Münchner Verhältnisse“, sagte Sybille Rädisch, Referentin beim Kulturkreis. Dennoch bezeichnete sie den Zuspruch als sensationell. Zwei Stunden entführte Meike Winnemuth abenteuerfreudige Bürger auf eine Reise durch Syndney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London und Kopenhagen.

Der Hintergrund: Die Journalistin wollte finanziell unabhängiger sein und beteiligte sich an Günther Jauchs Show „Wer wird Millionär“. Der Erfolg blieb nicht aus: Zu ihrer Verblüffung gewann sie eine halbe Million Euro und begab sich getreu ihrem Plan auf Weltreise, wohnte jeden Monat in einer anderen Stadt und berichtete davon in ihrem Blog. „Der Gewinn verpflichtet, zurückzugeben“, so Winnemuth. Im Buch geht es vor allem um Aha-Erlebnisse, Kulturschocks, das Glück des Zufalls und Überraschungen.

Mit Witz und Schnoddrigkeit berichtet sie von Begegnungen mit interessanten Menschen. So schmierte ihr der Bassist der „Pogues“ ein Honigbrötchen. Bei einer Ausstellung in Honolulu wurde die Autorin mit den Vogels konfrontiert. Das nur von einem bescheidenen Gehalt lebende Paar bewies ein sicheres Auge für Kunst: In ihrer Zweizimmerwohnung sammelten sie 5000 Bilder international bekannter Künstler wie Roy Lichtenstein. Später vermachten sie jedem der 50 Bundesstaaten 50 Werke.

Die Halstenbeker Personalsachbearbeiterin Annika Lange (41) war nur eine von 200 000 Leserinnen, die ihren Blog „Vor mir die Welt“ begeistert verfolgte. „Ich finde es klasse, dass sie hier ist“, freute sich Lange. Ursprünglich habe sie im SZ-Magazin von der Reise erfahren. Das Buch sei durch die Hände ihrer gesamten Familie gegangen. Kritisch äußerte sich von den Zuhörern lediglich Ingenieur Hans Planeth. Seine Kritik: Winnemuth nutze ihre Freiheiten letztlich doch, um Geld zu verdienen.
Wer das Werk liest und über entsprechende finanziellen Ressourcen verfügt, ist nach der Lektüre versucht, Winnemuths Beispiel zu folgen. „Die Expedition führte mich zu den Fundamenten meiner Existenz“, so die Autorin. „Ist mir meine 200 Quadratmeter Wohnung so viel wert, dass ich dafür so intensiv arbeite und viel Freizeit verliere?“ Nein, entschied sie und tauschte die Luxuswohnung gegen ein 40-Quadratmeter-Areal ein, auch um sich „die Leichtigkeit des Reisens zu bewahren“. Ihre Garderobe reduzierte sie auf wenige Stücke, „ausschließlich blaues Zeug“.

Wo sie sich am wohlsten fühlte? „In San Francisco, wo sich die Welt mit Stadtteilen wie China-Town und Little Italy versammelt.“ Doch auch London mit seinen humorigen Bürgern erhielt von der Autorin ein „sehr gut“. Nach der Lesung waren alle der mit Fotos versehenen und in Briefform geschriebenen Bücher verkauft.

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