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Ines Strehlau im Sommerinterview : Ihr ist es wichtig, etwas für den Wald zu tun

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In der vierten Folge der fünfteiligen Reihe spricht die Halstenbekerin Ines Strehlau (Grüne) über ihren Alltag als Landtagsabgeordnete.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 09:00 Uhr

Halstenbek | Vor drei Monaten hat Schleswig-Holstein gewählt. An der Spitze des Landes steht nun Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der gemeinsam mit Grünen und FDP eine Koalition einging. Fünf Landtagsmitglieder aus dem Kreis Pinneberg gehören jetzt einer an der Regierung beteiligten Partei an – zum Teil weiter wie Erika von Kalben und Ines Strehlau (beide Grüne) oder wieder wie Barbara Ostmeier und Peter Lehnert (beide CDU). Ganz neu dabei ist Annabell Krämer (FDP). In unserer Interview-Serie sprechen wir mit ihnen über ihre politische Motivation, ihren zum Teil neuen Alltag und die bevorstehenden Aufgaben.

Ines Strehlau, am 20. Oktober 1959 in Bad Segeberg geboren, ist verheiratet und Mutter dreier Kinder. Die Halstenbekerin ist studierte Lehrerin und arbeitete bis zu ihrem erstmaligen Einzug in den Landtag Schleswig-Holsteins im Jahr 2009 an der Klaus-Groth-Schule in Tornesch. Bereits zehn Jahre zuvor trat Strehlau den Grünen bei. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Bildungsausschusses des Landtags und Gemeinderatsmitglied in Halstenbek.

Frau Strehlau, Sie gehören dem Landtag von Schleswig-Holstein seit 2009 an; es ist Ihre dritte Amtszeit. Was bereitet Ihnen an Ihrer Tätigkeit als Volksvertreterin Freude? Was würden Sie lieber aus Ihrem Aufgabenbereich streichen?
Ines Strehlau: Es ist spannend, mit ganz vielen Menschen in unterschiedlichen Institutionen und Situationen ins Gespräch zu kommen und ihre Anregungen und Kritik mit nach Kiel zu nehmen. Als Mitglied einer Regierungsfraktion ist es natürlich auch interessant, konkret mit gestalten und entscheiden zu können. Gut verzichten könnte ich auf die tägliche Flut an E-Mails. Und ich gebe zu, in den Plenarsitzungen ist es ab und an sehr langatmig. Wir haben die Themen ja schon in der Fraktion und teilweise auch in den Ausschüssen beraten. Die Argumente sind uns also nicht neu. Andererseits möchte ich diesen manches Mal doch intensiven verbalen Schlagabtausch auch nicht missen. In den Ausschüssen, um das beste Ergebnis zu ringen, ist hingegen fast immer interessant und häufig auch mit den anderen Fraktionen sehr kollegial.

 

Sie sind in der aktuellen Legislaturperiode stellvertretende Vorsitzende des Bildungsausschusses. Kennzeichnen Sie kurz die Kernaufgaben dieses Gremiums.
Der Bildungsausschuss ist – Überraschung – zuständig für Bildung, naturgemäß eins meiner Lieblingsthemen als gelernte Lehrerin. Hinter diesem großen Begriff stecken alle allgemeinbildenden Schulen, die Förderzentren, die berufliche Bildung, die Lehreraus- und die Lehrerfortbildung sowie die Weiterbildung, die Hochschulen und die Kultur. In den Ausschuss werden alle Gesetzentwürfe überwiesen. Der Ausschuss hört dann die Experten dazu an, nimmt ihre Anregungen und Bedenken auf, wenn sie überzeugend sind, und ändert gegebenenfalls den Gesetzentwurf. Es jedem recht zu machen, gelingt selten. Meist sind sich die Experten auch nicht einig. Außerdem können die Fraktionen die Ministerin in den Ausschuss „zitieren“. Sie muss dann zu dem angemeldeten Thema dem Ausschuss Rede und Antwort stehen.

Was steht derzeit an? Stichwort: Rückkehr zu G9?
Wir Grüne sind mit der Aussage in den Wahlkampf gegangen, dass wir keine neue Schulstrukturdebatte wollen. Inzwischen läuft G8 an den meisten Gymnasien gut. Wir wollten, dass sich die Schulen in Ruhe um Inhalte kümmern können, um jeden Schüler und jede Schülerin individuell zu fördern und zu fordern. So war auch der Wunsch von Eltern- und Schülervertretungen an den Gymnasien und vielen Lehrkräften in der vergangenen Wahlperiode. Aber der Wunsch, vor allem der Eltern, nach einer Rückkehr zu G9 ist groß. Das müssen wir als Politik zu Kenntnis nehmen und darauf reagieren. Deshalb haben wir der Rückkehr zu G9 im Koalitionsvertrag zugestimmt. Der Gesetzentwurf dazu wird im September in den Landtag kommen und wohl Ende des Jahres verabschiedet. Eltern und Schulen wollen schnellstmöglich Planungssicherheit haben. Anfang 2018 beschließen dann die Schulkonferenzen, wenn sie bei ihrem G8- oder GY-Modell bleiben wollen. Die Umstellung zu G9 wird zum Schuljahr 2019/2020 mit den dann fünften und sechsten Klassen beginnen.

 

Sie sind Lehrerin. Welche besonderen Fähigkeiten bringen Sie für Ihre Landtagsarbeit mit?
Es hat mir viel Spaß gemacht, Jugendliche ein Stück des Weges ins Leben begleiten zu dürfen und ihnen Kompetenzen und Wissen zu vermitteln. Als Lehrerin habe ich gelernt, zuzuhören und auf die vielen Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen einzugehen. Das hilft mir bei der Arbeit in meiner Partei und mit den Landtagskollegen genauso, völlig unabhängig davon, ob sie aus Regierungs- oder Oppositionsfraktionen kommen.

Und wie sieht ein typischer Tag in Kiel aus?
Viel Kaffee, Tee und unendliche Gespräche. Aber im Ernst: Es gibt kaum gleichförmige Tage, da immer wieder neue Themen und Gespräche anstehen. An einem Ausschusstag beispielsweise beginnt der Arbeitstag morgens mit dem Fraktions-Arbeitskreis, anschließend tagt der gemeinsame Arbeitskreis der Regierungsfraktionen und am Nachmittag folgt die öffentliche Sitzung des Fachausschusses. Abends gibt es dann oft noch Infogespräche mit Fachleuten. Dazwischen laufen viele informelle Gespräche, mal im Büro, mal auf dem Flur, mal beim Mittagessen. In den Sitzungswochen bleibe ich je nach Bedarf und abendlichen Veranstaltungen über Nacht in Kiel. Auch um dort den Schreibtisch aufzuräumen, denn Post bekommen wir reichlich.

Was war das bislang spannendste Thema, dem Sie sich widmen durften?
Die Erziehung meiner Kinder. Aber das wollen Sie vermutlich gar nicht wissen. Politisch am spannendsten war für mich, das Konzept für ein Schleswig-Holsteinisches Institut für berufliche Bildung zu entwickeln und Mehrheiten zu organisieren, damit es im Landtag beschlossen und im Koalitionsvertrag verankert wurde. Bislang sind die Kompetenzen für die berufliche Ausbildung und den wichtigen Übergang von Schule in Beruf in Kiel verteilt auf mehrere Ministerien – nicht sehr effektiv. Ich freue mich, dass wir auch in der neuen Regierung weiter an meiner Initiative arbeiten, diese unterschiedlichen Aufgaben in einem eigenen Institut zu bündeln.

Als Abgeordnete haben Sie zwei Arbeitsplätze: Kiel und Halstenbek. Wie halten sie den Draht in den Wahlkreis?
Ich lebe hier und versuche so oft wie möglich Termine zu unterschiedlichen Themen im Wahlkreis zu machen und Einladungen zu Veranstaltungen wahrzunehmen. Die ehrenamtliche Arbeit in der Gemeindevertretung gibt mir die Chance, hautnah mitzuerleben, was unsere Entscheidungen im Landtag für die Kommunen tatsächlich bedeuten und wo sie der Schuh drückt. Das ist wichtig für meine Funktion als kommunalpolitische Sprecherin in Kiel.

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Wahlkreis aus?
Jeder Tag beginnt mit der Lektüre der Tageszeitungen. Dann bespreche ich mich direkt oder telefonisch mit meinen beiden Regionalmitarbeitern, die eine wichtige Unterstützung sind. Da für mich in dieser Wahlperiode das Thema Bildung ein Schwerpunkt ist, steht der Besuch einer Schule häufig auf dem Programm. Nachmittags arbeite ich Unterlagen für die Landtagsarbeit und Anfragen von Bürgern auf. Oft folgen abends Sitzungen in der Gemeinde, in Parteigremien oder bei Vereinen und Verbänden, zu denen ich eingeladen werde.

Sie sind zwar Abgeordnete für alle Schleswig-Holsteiner. Aber Sie kommen eben auch aus dem Kreis Pinneberg. Welche regionalen Interessen werden Sie in Kiel besonders vertreten?
Die Zusammenarbeit mit Hamburg ist für den Kreis Pinneberg ein wichtiges Thema, das ich von Anfang an beharrlich betreut habe. Der vor etwa einem halben Jahr gestartete gemeinsame Ausschuss mit Hamburg ist mir eine Herzensangelegenheit. Die freie Schulwahl von Familien auch über die Landesgrenze hinaus haben wir in der vorigen Regierungszeit mit SPD und SSW deutlich vereinfacht. Dieses Thema werden wir mit der neuen Regierung weiter voranbringen. Ich bin ein Fan des Nordstaates. Die Verflechtungen zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg sind so eng, dass es über kurz oder lang zu einem Zusammenschluss kommen wird. Außerdem ist es mir wichtig, im waldärmsten Bundesland etwas für mehr Wald zu tun. Deshalb bringe ich zu jedem Besuch, den ich mache, eine kleine Rotbuche mit, die später von meinen Gastgebern eingepflanzt wird. Bisher sind so immerhin schon mehr als 450 Bäumchen im Land verteilt worden.

Sie sind auch Mitglied der Gemeindevertretung in Halstenbek. Das Arbeitspensum muss groß sein. Wie lassen sich beide Mandate vereinbaren?
Mir ist diese Erdung in der Kommune wichtig, darauf habe ich vorhin bereits hingewiesen. Sicherlich ist es nicht immer leicht, die Termine unter einen Hut zu bringen. Aber auch andere Menschen schaffen es, ihren Beruf und das kommunalpolitische Ehrenamt zu verbinden. Außerdem habe ich in Halstenbek eine tolle Fraktion, die mich bei Sitzungen vertritt, wenn ich mal einen anderen Termin habe.

Angenommen, Sie hätten einen Wunsch frei. Wie lautete der?
Dass die Menschen endlich zur Vernunft kommen und aufhören, gegeneinander Krieg zu führen.

Mit wem würden Sie gern – vielleicht auch nur für einen Tag – tauschen?
Ich möchte mit niemandem tauschen. Ich habe eine tolle Familie. Meine Arbeit macht mir Freude. Was will ich mehr?

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