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Die Reportage : Ihr Auftrag ist die Sauberkeit des Kreises

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ortsbesuch bei der Hausmülleinsammlungsgesellschaft (Hameg): Zwischen dem Restmüll findet sich auch versehentlich Weggeworfenes – und sogar Tiere.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2014 | 14:05 Uhr

Tornesch | Oberflächlich betrachtet scheinen sie recht wertlos zu sein. Die rund 60.000 Tonnen Rest- und 30.000 Tonnen Biomüll, derer sich im Laufe eines Jahres rund 70.000 Kreis-Pinneberger Privathaushalte entledigen. Dass dem jedoch mitnichten so ist, weiß nicht nur Manfred Alexander (61). Seit 36 Jahren ist der Abfall anderer das tägliche Brot des Berufskraftfahrers in Diensten der Hausmülleinsammlungsgesellschaft (Hameg), die zum Abfallwirtschaftszentrum Tornesch (AWZ) gehört. Zwei Jahre hat Alexander noch bis zu seiner Rente vor sich. Und man könnte meinen, dass der dienstälteste Seitenladerfahrer der Hameg – im wahrsten Sinne des Wortes – schon genug Müll in seinem Berufsleben erlebt hat.

Doch auch heute erschien Alexander pflichtbewusst in aller Herrgottsfrühe auf dem Betriebshof am Hasenkamp, um gemeinsam mit gleich mehreren Dutzend Kollegen in dem orangen Wagen in das gesamte Kreisgebiet auszuschwärmen.

„Um fünf Uhr morgens kommen die ersten Mitarbeiter. Bis 6.30 Uhr bereiten sie dann die Fahrzeuge vor und nehmen an Besprechungen teil, in denen es meist um die Vorstellung des aktuellen Einsatzplans geht“, sagt Hameg-Geschäftsführer Herbert Schultze. „Insgesamt stehen uns 27 Seitenlader und 21 Pressmüllfahrzeuge zur Verfügung. Eine gute Organisation im Bereich der Logistik ist nicht nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten wichtig“, verrät Schultze. Ein Müllfahrzeug biete allein schon Platz für etwa 24 Kubikmeter Restmüll. Gepresst kämen so am Ende einer Tour schon mal um die elf Tonnen Abfall in einem Wagen zusammen.

Ob ausgediente Plastiktüten, Windeln, abgebrochene Pfannenstiele, alte Musik-CDs, Zigaretten-Kippen oder benutzte Küchentücher: „Unter Restmüll fällt eben jener Abfall, der nicht wiederverwertbar ist. Er geht mit uns genauso auf seine letzte Reise, wie illegale Zigaretten, Drogen oder gefälschte Markenartikel, die hier hin und wieder von staatlichen Stellen zur Vernichtung angeliefert werden“, sagt Schultze, und schaut hinüber zur unübersehbaren Müllverbrennungsanlage der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung GmbH (Gab), deren Schornsteine rund um die Uhr qualmen. Relativ geruchsneutral und durch gesetzlich vorgeschriebene Filteranlagen.

Wer die fußballfeldgroße Mega-Halle am Rande der Anlage betritt, könnte meinen, in einem Sciencefiction-Film gelandet zu sein. Meterhohe Müllberge türmen sich in fadem Licht und staubiger Luft. Umgeben von noch höheren Betonmauern. Hinzu kommen die wie Ungetüme wirkenden Bagger, Kräne und Greifarme, welche routiniert und zielstrebig den zuvor von Mülltransportern abgelassenen Abfall verteilen und ihn schließlich seinem Ende ein Stück näher bringen. Denn von den gewaltigen Kippluken am Rande der Halle, die Steil in einen metertiefen Abgrund führen, gibt es nun kein Zurück mehr. Das „Fegefeuer“ wartet schon. „Was hier rein rutscht, hat es fast geschafft. Schiebekräne mixen den Abfall jetzt noch einmal durch, damit eine homogene Masse entsteht, die besser brennt“, sagt Schultze, während Maschinenführer Arno Sylla weiter Nachschub anhäuft. Kubikmeterweise fällt die schmutzige Masse schließlich in die mehr als 800 Grad heißen Brennöfen, wo nimmersatte Flammen dem Müll in rund 20 Minuten den Garaus bereiten. „Übrig bleibt nur eine Schlacke, die zum Beispiel für den Straßen- und Wegebau verwendet wird“, weiß der Hameg-Chef. Und zeigt zum nahegelegenen Recyclinghof der Gab.

„Dort, wo Bürger mit dem Auto vorfahren und ausgediente Kühlschränke oder PC-Monitore abgeben können, landet der Recyclingmüll. Und dahinter gleich der Gelbe Sack“, verweist Schultze auch auf die steilen Förderbänder, die die Verpackungen mit dem „Grünen Punkt“ sortieren.

Nicht immer landen hier Dinge, die entsorgt werden sollen. „Natürlich kommt es öfters vor, dass Menschen bei uns anrufen, die versehentlich etwas in den Abfall gegeben haben und nun nachfragen, ob es eine Chance auf Rettung gibt. Das ist aber so gut wie ausgeschlossen. Denn was weg ist, ist grundsätzlich weg. Wo wollen Sie hier suchen?“, fragt der Chef von mehr als 80 Mitarbeitern. Trotzdem weiß Schultze von einer Ausnahme zu berichten, als einem Lehrer die bestens versteckte Klassenkasse im Rahmen einer Aufräumaktion abhanden gekommen war. „Da waren über 1000 D-Mark drin. Und mit Glück und großem Aufwand konnte hier tatsächlich für ein Happy-End gesorgt werden. Die Kasse wurde in einem Müllbehälter wieder gefunden“, erzählt Schultze, den auch tierische Geschichten nicht kalt lassen.

„Außer einer Katze aus Wedel, die offenbar mal auf ein Müllfahrzeug aufsprang und so zu uns gelangte, hatten wir hier auch schon mal einen Hahn, der völlig verdreckt aus einer Biotonne sprang. Der stolzierte hier einige Wochen über das gesamte Gelände. Auch wenn wir den Eindruck hatten, dass es Schewardnardse, wie wir ihn nannten, bei uns gefiel, konnten wir ihn am Ende an einen Bauernhof vermitteln“, erinnert er sich.„Schönen Feierabend“, tönt es über den Platz – Stefan Heydorn und Torsten Rink sind zwei der letzten Müllfahrer des Tages, die am späten Nachmittag mit ihren schweren Gefährten auf den Betriebshof zurückkehren. Danach verschwinden sie zur wohlverdienten Dusche im Umkleideraum im Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes. Bereits am nächsten Morgen sind sie mit ihren Kollegen wieder für die Sauberkeit im Kreisgebiet verantwortlich. Wenn sich das Müllkarussell von neuem dreht.

Im Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) Tornesch mit seinem Recyclinghof werden jährlich mehr als 150.000 Tonnen Abfall behandelt, getrennt, sortiert, verwertet oder der weiteren umweltgerechten Entsorgung zugeführt. Wochentags und sonnabends werden Anlieferungen von Kleingewerbe- oder Privatkunden angenommen. Dazu gehören Sondermüll (zum Beispiel) Batterien, Farben, Lacke, Rest-Flüssigkeiten) oder Bauschutt, Elektro-Schrott, Grün-, Garten- oder Papierabfälle, Kunststoffe, Altmetalle und vieles mehr. Gleichzeitig können Kunden wertvolle Neuprodukte kaufen, beispielsweise hochwirksamen Kompost – aus eigenem „Anbau“.
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