zur Navigation springen

Podiumsdiskussion : IG Metall fordert stärkere Renten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Gewerkschaft debattiert mit den Bundestagskandidaten des Kreises über Altersarmut und die Folgen.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2017 | 15:00 Uhr

Elmshorn | Es ist eines der großen Themen unserer Zeit: Immer mehr Deutsche sind wegen geringer Renten von Altersarmut bedroht. Insbesondere die Gewerkschaften machen sich für eine stabile Rente stark. So auch die IG Metall, die jüngst unter dem Motto „Für eine Rente, die zum Leben reicht“ nach Elmshorn eingeladen hatte. Etwa 70 Zuhörer folgten dem Ruf. Der Podiumsdiskussion stellten sich die Bundestagskandidaten Cornelia Möhring (Linke), Bernd Möbius (Grüne), Ernst Dieter Rossmann (SPD) und Michael von Abercron (CDU).

Wie Armut definiert wird, ist unterschiedlich. Häufig ist die Armutsgrenze jedoch festgelegt als Hälfte des mittleren Einkommens. Dies wären in Deutschland etwa 750 Euro.

Bevor die Politikerriege zu Wort kam, stellte IG-Metall-Vorstand Christoph Ehlscheid das Rentenkonzept seiner Gewerkschaft vor. „Wir wollen eine gestärkte gesetzliche Rente“, sagte der Metaller. Die Rentenentwicklung müsse wieder an die Lohnentwicklung angekoppelt werden. Ziel sei die Wiederanhebung des Rentenniveaus auf jenes des Jahres 2000. Momentan sehe die gesetzliche Rente „auf den ersten Blick gut aus“. Doch das sei nur ein „Zwischenhoch“, ab 2020 würden die „schwierigen Zeiten kommen“. Das Rentenniveau werde dann deutlich sinken, was insbesondere für Menschen mit Brüchen in ihrer Arbeits-Vita zum ernsten Problem werde.

Von Abercron betonte, dass auch die CDU sehe, „dass wir in eine schwierige Lage hineinlaufen“. Er schlug vor, die Betriebsrente sowie die private Altersvorsorge attraktiver zu gestalten. „Wir brauchen mehrere Säulen, um die Rente sicher zu machen“, zeigte sich der Christdemokrat überzeugt. Das alte Modell der reinen gesetzlichen Rente funktioniere nicht mehr. Gleichzeitig forderte von Abercron Selbstverantwortung seitens der Arbeitnehmer mit Blick auf die eigene Rentengestaltung ein. Wobei er zugab, selbst auch für sich zu spät das Thema angepackt zu haben.

Rossmann sagte, dass das späte Renteneinstiegsalter wohl nicht mehr rückgängig zu machen sei. Dafür forderte er, dass es ab 45 Arbeitsjahren generell keinerlei finanzielle Abschläge geben dürfe. Die SPD sei für eine Solidarrente. Prinzipiell dürfe es nicht sein, dass arme Menschen, obwohl sie arbeiteten, arm blieben. Die Lebensleistung dieser Menschen müsse auch finanziell anerkannt werden.

Möhring von der Links-Partei nannte Zahlen: Etwa 2,8 Millionen deutsche Rentner würden schon heute nach EU-Kriterien in Armut leben. Auch sie sprach sich dafür aus, die gesetzliche Rente zu stärken und „zurück auf ein Sicherungsniveau von 53 Prozent zu kommen“. Möbius von den Grünen wäre schon froh, wenn man 46 Prozent dauerhaft halten könnte, sagte er. Gleichzeitig forderte er, dass alle in die Rentenkasse einzahlen müssten. Und nach 30 Arbeitsjahren sollte es eine Garantierente in Höhe von 900 Euro geben. Kai Trulsson von der IG Metall Unterelbe forderte alle Parteien auf, sich einzugestehen, dass die aktuelle Rentenentwicklung verkehrt sei. Als Vorbild brachte er das Nachbarland Österreich ins Spiel, wo deutlich stärker als in Deutschland auf die gesetzliche Rente gesetzt werde.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen