„Ich wollte Musik machen“

Sabine Meyer ist mit fünf Jahren mit der Musik Kontakt gekommen.
Sabine Meyer ist mit fünf Jahren mit der Musik Kontakt gekommen.

SHMF: Porträtkünstlerin Sabine Meyer im Interview

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07. August 2018, 16:00 Uhr

Die „Zusammenstellung von Klarinette, Bratsche und Klavier werde sich höchst romantisch ausnehmen“, äußerte sich Robert Schumann in Bezug auf seine „Märchenerzählungen“ op. 132. Dass die Kombination dieser drei Instrumente eine wunderbare Klangwirkung entfaltet, wusste bereits Mozart, der mit seinem „Kegelstatt-Trio“ den Prototyp in dieser Besetzung schuf. Schumann kannte und schätzte das Trio und ließ sich wohl auch von ihm inspirieren. Beim Konzert in der Kirche Rellingen am Mittwoch, 8. August, im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) kann man nun gleich beide Werke hören, und das in der Besetzung mit Sabine Meyer, Nils Mönkemeyer und William Youn. Dem Motto „Märchenphantasien“, wie Schumann sein op. 132 auch gelegentlich nannte, folgen Meyer und Mönkemeyer dann auch noch in ihren solistischen Beiträgen. Andreas Guballa hat mit der Klarinettistin Meyer gesprochen, die in diesem Jahr Porträtkünstlerin des Festivals ist.

Frage:Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Porträtkünstlerin des SHMF geworden sind?
Meyer: Das war ganz unspektakulär. Mein Mann und ich saßen wie so oft mit dem Intendanten Christian Kuhnt und seiner Frau in Lübeck beim Abendessen und Herr Kuhnt fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, Porträtkünstlerin des Festivals zu werden. Ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut. Das ist schon etwas besonderes.

Was hat Sie daran gereizt?
Ich bin ein großer Fan von Schleswig-Holstein. Mir sind fast alle Orte vertraut, an denen ich spielen werde und ich freue mich auf die besondere Atmosphäre, die dort herrscht. Außerdem kann ich so zum einen die Vielseitigkeit der Klarinette zeigen und zum anderen viele unterschiedliche und vielschichtige Projekte mit ganz besonderen Kollegen spielen. Das ist eigentlich ein Querschnitt meines Lebens.

Waren Sie es vielleicht auch leid, dass sich Klassik-Veranstalter bei der Auswahl von Solowerken fast jedes zweite Mal nach wie vor für Mozarts Klarinettenkonzert entscheiden und Sie beim SHMF ganz andere Freiheiten haben?
Mozarts Klarinettenkonzert kann man eigentlich gar nicht oft genug spielen. Jedes Mal, wenn ich auf die Bühne komme, habe ich das Gefühl, ich spiele es zum ersten Mal. Daher kann ich nachvollziehen, dass es immer wieder angefragt wird, weil es einfach ein tolles Stück ist, das sich nie abspielt. Allerdings bin ich auch jemand, der schon immer mal wieder den Veranstaltern sagt: Hört mal, es gibt auch noch andere Stücke als das Mozart-Konzert. Und diese Vorschläge werden dann auch durchaus angenommen. Wir haben natürlich nicht ein so großes Repertoire wie die Geige oder das Klavier. Aber das, was wir an Stücken haben, ist einfach von unglaublicher Qualität und Intensität – egal ob in der Kammermusik oder bei Orchesterkonzerten.
Sie haben mit fünf Jahren begonnen, Geige und Klavier zu spielen, mit acht kam dann die Klarinette hinzu. Was schätzen Sie an der Klarinette?
Ich habe alle drei Instrumente viele Jahre lang parallel gespielt. Wir hatten ein Musikgeschäft zuhause und da konnte man alles ausprobieren. Aber es wurde schnell klar, dass es ein Blasinstrument werden würde – damit kann man wie beim Singen die Töne wunderbar formen und modellieren. Das ist sehr sinnlich. Anders als beim Klavier: wenn dessen Ton mal da ist, kann man nichts mehr verändern. Die Klarinette hat von allen Blasinstrumenten das größte Klangspektrum und eine ungeheure dynamische Bandbreite – vom absolut Leisen bis zum Fortissimo kann die Klarinette mit einer großen Leichtigkeit spielen.

Liegt das Klarinettenspiel vielleicht auch in den Genen? Immerhin war Ihr Großvater ebenso Klarinettist wie Ihr Vater, und auch Ihr fünf Jahre älterer Bruder Wolfgang spielt dieses Instrument. Bleibt einem bei solch einer Ahnenreihe überhaupt eine Wahl?
Ich habe nie überlegt: Was werde ich mal in meinem Leben machen? Es war für mich immer klar: Ich wollte Musik machen. Natürlich hätte ich auch weiterhin Geige oder Klavier spielen können. Aber ich hatte mit der Klarinette am meisten Spaß zu üben. Und als sich relativ bald die ersten Erfolge einstellten, stand mit elf Jahren für mich fest, dass ich Klarinettistin werden wollte.

Am 8. August kommen Sie mit ihren beiden jungen Kollegen Nils Mönkemeyer (Viola) und William Youn (Klavier) nach Rellingen. Was schätzen Sie an den beiden?
Wir haben in den letzten Jahren viele schöne Konzerte zusammen gespielt und auch eine CD produziert. Außerdem verstehen wir uns auch menschlich sehr. Es ist aber auch ein Vergnügen mit den beiden auf der Bühne zu stehen. Dort entsteht immer eine große Spontanität und Spielfreude, die sich nie abnutzt, sondern wir werfen uns die Bälle gegenseitig zu. Nils erzeugt eine beeindruckende Palette an Ausdruckskraft, ergreifend, melancholisch, aber auch mit Temperament. William ist mit seiner differenzierten, einschmeichelnden Anschlagtechnik ein echter Poet.

Worauf darf das Publikum sich freuen?
Für das Publikum wird es ein sehr interessanter Abend, denn wann hört man schon mal Schumanns Märchenerzählungen, Märchenbilder und Fantasiestücke an einem Abend? Verbunden mit einer Hommage an Robert Schumann des noch lebenden, ungarischen Komponisten György Kurtág. Zum Schluss wird das Publikum noch mit Mozart versöhnt.

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