zur Navigation springen

Das Sonntagsgespräch : „Ich habe lange gekämpft, um das Aus zu verhindern“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Käthe Bledau, Vorsitzende Hausfrauen-Bund Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 18:36 Uhr

Pinneberg | Den Ortsverband Pinneberg des „DHB -Netzwerk Haushalt, Berufsverband der Haushaltsführenden“ gibt es nicht mehr. Im Sonntagsgespräch erklärt die letzte Vorsitzende  Käthe Bledau, warum sich der frühere Hausfrauen-Bund Pinneberg aufgelöst hat.

Warum wird der Ortsverband aufgelöst?
Das Problem ist, dass wir keinen neuen Vorsitzenden gefunden haben. Ich habe das Amt 16 Jahre ausgeübt, bin aber inzwischen 86 Jahre alt und kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitermachen. Da es keinen Nachfolger gibt, muss die Ortsgruppe leider aufgelöst werden.

Was hat Ihnen die Arbeit für den Hausfrauen-Bund bedeutet?
Es ist wichtig, noch eine Aufgabe zu haben, wenn man in Rente geht. Das gibt einen das Gefühl, gebraucht zu werden und hält geistig fit. Schön war zudem, dass ich für meinen Einsatz ganz viel zurückbekommen habe. Die leuchtenden Augen und das Dankeschön der einzelnen Mitglieder haben mir sehr viel bedeutet. Die Arbeit für den Hausfrauen-Bund war für mich eine Erfüllung. Deswegen machte es mir nichts aus, mein Privatleben nach dem Verein auszurichten. Ich genieße es einfach, anderen zu helfen und für sie da zu sein. Deswegen habe ich früher auch lange hauptamtlich in der Krebsnachsorge gearbeitet.

Geht Ihnen die Auflösung persönlich nahe?
Auf jeden Fall. Ich habe sehr lange gekämpft, um das Aus zu verhindern. Wir haben schon seit mehreren Jahren erfolglos nach einem Nachfolger für mich gesucht. Irgendwann muss man aber auch mal loslassen. Immerhin wird die Gruppe trotz der Auflösung dank der Unterstützung des VfL Pinneberg wohl weiter bestehen. Die Mitglieder können sich in Zukunft in den Räumen des VfL treffen. Es soll alles weiterlaufen wie bisher. Nur nicht mehr unter dem Dach des Haushalts-Bundes. Auch Gruppen wie den Klön- und Kartenklub wird es weiter geben.

Wieso ist es so wichtig, dass die Gruppe existiert?
Wer ganz alleine zu Hause sitzt, erfährt nichts. Die Treffen der Ortsgruppe haben dazu beigetragen, dass die Mitglieder nicht vereinsamen. Solange Menschen berufstätig sind, haben sie viele Kontakte. Das ist im Ruhestand nicht immer der Fall. Deshalb ist es wichtig, dass die Gruppe nicht einfach auseinanderbricht.

Werden Sie bei den künftigen Treffen dabei sein?
Ich weiß es noch nicht. Ich bin seit zwei Jahren gesundheitlich stark angeschlagen. Wenn es mir wieder besser geht, werde ich aber sicherlich mal zu einem Treffen hingehen.

Wie sah denn die Arbeit des DHB in den vergangenen Jahren aus?
Wir haben uns immer an jedem ersten Donnerstag eines Monats im Pinneberger Hotel Cap Polonio getroffen. Modenschauen, Weihnachtsfeiern, Vorträge – für Abwechslung war reichlich gesorgt. Dazu bestand bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeit zum gemütlichen Klönschnack. Außerdem haben wir regelmäßig Ausfahrten unternommen. Museen, Planetarium und Rathaus in Hamburg, der Michel – wir haben einiges gesehen. Alleine unternimmt man solche Ausflüge nicht unbedingt. Das macht man nur, wenn man zu einer Gruppe gehört.

Gibt es Ereignisse oder Momente, die Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?
Jedes Treffen und jede Ausfahrt waren etwas Besonderes. Wenn sich die einzelnen Mitglieder für einen schönen Tag bedankt haben, war ich glücklich.

Ist Pinneberg ein Einzelfall? Oder stehen auch andere Ortsverbände vor dem Aus?
Es geht leider vielen Ortsverbänden in Schleswig-Holstein so wie uns. Es scheitert in den meisten Fällen daran, dass kaum jemand mehr im Vorstand arbeiten will. Das kann ich nicht nachvollziehen. Was wollen die Menschen denn machen, wenn sie in Rente gehen? Im Sessel sitzen und auf den Tod warten?

Käthe Bledau (86) war 16 Jahre Vorsitzende des Ortsverbands Pinneberg des „DHB -Netzwerk Haushalt, Berufsverband der Haushaltsführenden“. Vorher hatte sich die examinierte Krankenschwester bereits im Vorstand des Beamtenbunds engagiert. Die gebürtige Hamburgerin wohnt seit 1958 in Pinneberg, ist verheiratet, hat zwei Kinder, zwei Enkel und zwei Urenkel.
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen