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Hypo Real Estate hat Anleger zu spät informiert

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2014 | 18:15 Uhr

Brisante Kritik zum Prozessauftakt: Die Hypo Real Estate (HRE) hat nach der bisherigen Einschätzung des Oberlandesgerichts München ihre Anleger zu spät über die Folgen der Finanzkrise für die Bank informiert. In einem Hinweis sagte der Vorsitzende Richter Guido Kotschy gestern, die Bank habe in einer Pressemitteilung im August 2007 betont, keine negativen Auswirkungen durch die Krise zu befürchten. Dies hätte korrigiert werden müssen, nachdem der Bank der Ernst der Lage klar geworden sei.

Die Pflichtmitteilung vom 15. Januar 2008 sei dafür wohl zu spät gekommen. Das Gericht verhandelt seit gestern in einem Musterprozess über Schadenersatz-Forderungen ehemaliger Aktionäre der nach der Rettung durch den Bund verstaatlichten Bank. Genauere Informationen erhofft sich Kotschy aus der Vernehmung des damaligen HRE-Chefs Georg Funke am Donnerstag. Ehemalige Aktionäre der verstaatlichten Immobilienbank werfen dem Unternehmen vor, viel zu spät auf die Belastungen durch die Finanzkrise hingewiesen zu haben. Die Flut der Klagen wurde in einem Musterprozess vor dem OLG München gebündelt, um zentrale Fragen der Beweisaufnahme für alle Verfahren klären zu können. Wann eine Entscheidung verkündet wird, ist offen.

Das Gericht sieht durchaus Anhaltspunkte dafür, dass zumindest nicht alle Presse- und Pflichtmitteilungen in Ordnung gewesen sein könnten, wie der Vorsitzende Richter Guido Kotschy sagte. Bisher gebe es allerdings nur vorläufige Einschätzungen. Sollte die verstaatlichte Bank Schadenersatz zahlen müssen, dürfte dass am Ende auch den Steuerzahler belasten, denn die HRE gehört noch immer dem Bund. Wie genau mögliche Belastungen aussehen könnten, ist aber noch offen.

Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt sieht ihre Position gestärkt. Dass der Rechtsstreit mit einem Urteil in dem Musterprozess beendet ist, glaubt die Anwältin allerdings nicht. Sie rechne damit, dass je nach Ausgang die unterlegene Partei vor den Bundesgerichtshof ziehen werde. „Das ist hier dann nicht zu Ende, das braucht keiner glauben“ sagte Bergdoltgestern. Auch Kläger-Anwalt Andreas Tilp sagte: „Das lief gut heute.“

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