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Büffeln trotz ungewisser Zukunft : Hussein träumt von einem Medizinstudium

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der 18-jährige Hussein Mezher ist aus dem Irak geflohen und träumt von einem Medizinstudium. Ob er bleiben darf, steht nicht fest.

Halstenbek | „Jeden Tag lerne ich fleißig Deutsch, und viermal pro Woche besuche ich den Sprachkursus im Wolfgang-Borchert-Gymnasium. Meine Familie in Bagdad ist traurig, aber ich bin hier wieder etwas glücklich. Danke Deutschland, danke Halstenbek, danke Miriam.“ Mit diesen Worten hat sich Hussein Mezher für die herzliche Aufnahme in Halstenbek bedankt – insbesondere bei Koordinatorin Miriam Utz sowie der Katholischen Kirche in Halstenbek. Von ihnen hat der 18-Jährige, der aus dem Irak geflohen ist, die umfangreichen Unterrichtsmaterialien, mithilfe derer er nun seinen Traum verwirklichen möchte.

Die Reise des jungen Irakers begann – wie für so viele andere Flüchtlinge – auf einem kleinen Schlauchboot. Weitere Stationen nach seiner entbehrungsreichen Flucht über das Meer waren Österreich, Berlin und Kellinghusen. Seit dem 17. November 2015 lebt Hussein Mezher in Halstenbek.

Der junge Iraker möchte einmal Arzt werden. Er träumt von einem Medizinstudium. Er bringt ausgezeichnete Noten mit. Sein Vater fotografierte erst kürzlich Husseins exzellentes Abiturzeugnis ab und schickte es seinem Sohn aufs Handy. Husseins Eltern und sein sechs Jahre alter Bruder leben in einer kleinen Stadt, etwa 40 Kilometer von Bagdad entfernt. „Meine Familie hat schon einen IS-Anschlag überlebt“, sagt der 18-Jährige. Terrorattacken und Bombenanschläge gehörten dort zum gefährlichen Alltag. „Meine Familie traut sich nicht mehr, das Haus zu verlassen“, sagt Hussein.

Noch vor einigen Wochen sei das anders gewesen und der kleine Bruder täglich zur Schule gebracht worden. Das Thema Schule habe im Leben der Familie Mezher einen bedeutenden Stellenwert, sagt Hussein. Sein Wunsch, Medizin zu studieren, ist auf ein besonderes Erlebnis zurückzuführen. „Als Junge habe ich mit meinem Vater ein Krankenhaus im Irak besucht“, erinnert er sich. Das Erlebte sei grauenhaft gewesen. Er habe schwer kranke, auch blutende Menschen gesehen, die infolge eines Mangels an Ärzten nicht auf eine schnelle Operation hätten hoffen dürfen. „Ich habe mir geschworen, ich möchte lernen, lernen, lernen, um einmal Arzt zu werden“, sagt er. Hussein wolle einen Beitrag leisten, ihnen ein solches Schicksal zu ersparen. Er hofft nun, in Deutschland Medizin studieren zu dürfen, denn es sei „das beste Land – für Medizin und Wissenschaft.“

Hussein hat mit seinen 18 Jahren traumatische Erfahrungen hinter sich. Er erinnert sich an die Zeit auf dem „kleinen Plastikboot“: „Es waren so viele Menschen an Bord. Wir jungen Männer sind bei Wellengang häufig vom Boot gegangen, schwammen mit unseren Schwimmwesten im Meer, die Frauen und Kinder blieben im Boot.“ Sie hätten alle „so viel Angst“ gehabt.

Telefonate in die Heimat

Die Tage des Irakers sind ausgefüllt. „Früher habe ich Basketball gespielt, doch dafür habe ich jetzt keine Zeit mehr“, so der 18-Jährige. Die Abende nutzt er für Handy-Gespräche mit seiner Familie im Irak. Während der Woche besucht er von montags bis donnerstags einen Deutschkursus. Auf den Freitag freut er sich besonders. Dann geht es zum Kegeln mit Paten und und Freunden. „Ich weiß auch, was ein Pudel ist“, freut sich Hussein. Passiere solch ein Fehlwurf, gebe es „großes Gelächter“.

Hussein ist von Deutschland und speziell von Halstenbek begeistert. „Hier gibt es so viele hilfsbereite Menschen“, sagt der 18-Jährige. Für ihn unvergessen bleibt ein Ausflug – gemeinsam mit anderen Flüchtlingen – zu einem Konzert in der Hamburger Laeiszhalle. Der junge Iraker hofft nun, dass es eine Zukunft für ihn in Deutschland gibt. Die Entscheidung, ob er bleiben darf, fällt am 28. April.

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erstellt am 10.Feb.2016 | 17:00 Uhr

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