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Protestaktion in Rellingen : Hundebesitzer sind auf der Zinne

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Aussage von Rellingens Bürgervorsteher Henry Behrmann (CDU) sorgt für Unmut bei Tierhaltern.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Rellingen | Nach 23 Jahren wurde in Rellingen die Hundesteuer um 66 Prozent erhöht. Diese politische Entscheidung – eine Initiative der örtlichen CDU – betrifft etwa 850 Vierbeiner. Doch jetzt lassen die stolzen Hundeliebhaber ihrem Frust freien Lauf.

Der ganze Ärger begann beispielsweise bei Hundebesitzerin Elfie Kotschian mit einem Telefonat. Sie hatte nach eigenen Angaben einfach die Nase voll: Keine Hundewiese im Raum Rellingen weit und breit. Keine öffentlich erhältlichen Plastiktüten für die Fäkalien der Tiere. „Stattdessen bezahlen wir Hundesteuer, ohne dass hier etwas passiert“, beschwert sich Kotschian.

Mit ihrem Anliegen wandte sie sich an Rellingens Bürgervorsteher Henry Behrmann (CDU). Doch der CDU-Politiker, erst seit November 2014 als Nachfolger von Deiter Schröder im Amt, habe sich im Gespräch wenig verständnisvoll gezeigt. Entfachte im Gegensatz sogar noch den Zorn Kotschians und weiterer Rellinger Hundebesitzer. „Am Telefon entgegnete er mir, dass die Hundesteuer erhöht wird, damit es in Rellingen weniger Hunde gibt“, berichtet Kotschian entrüstet.

Sie informierte weitere Rellinger Hundebesitzer, die sich mindestens ebenso empört zeigten. „Wir sind sehr enttäuscht von den hundefeindlichen Äußerungen von Herrn Behrmann als Vertreter der CDU“, so Hundebesitzer Norbert Schomann. Wie Kotschian hat er nichts gegen eine Hundesteuer einzuwenden. „Es soll jedoch dann auch etwas für die Hunde getan werden und nicht stattdessen wieder für die Hunde gefährliche Plastik-Ostereier aufgehängt werden“, fordert Angelika Möller.

Problem: Hundesteuer ist nicht zweckgebunden

Das Problem für Frauchen und Herrchen: Die Hundesteuer ist nicht zweckgebunden. „Wir verstehen nicht, was mit dem Geld passiert“, so Kotschian. Je weniger Hunde es in Rellingen gebe, umso weniger Steuern könnten eingenommen werden. Mit dem Hund seien mehrere Berufszweige eng verknüpft, darunter Hundetrainer, Tierpensionsbetreiber sowie Tierärzte. „Für viele von uns leistet der Hund auch den optimalen Einbruchsschutz“, ergänzt Norbert Schomann. Größtes Manko für die Hundebesitzer: Es gibt keine Hundewiesen in Rellingen, sondern nur weit entfernt entsprechende Angebote – wie beispielsweise in Lurup und Norderstedt. „Viele Rentner haben kein Auto, um zu den außerhalb liegenden Hundewiesen zu fahren“, klagt Kotschian. Bald könnten sich viele Senioren keinen Hund mehr leisten.

Das Tier hat für zahlreiche Hundebesitzer eine ganz besondere Bedeutung. „Ich würde nicht mehr leben, wenn ich meinen Hund nicht hätte“, so Renate Löffler. Der Vierbeiner habe bei ihr therapeutische Wirkung gehabt. „Ich muss mich nun um ihn kümmern, sonst geht es ihm schlecht“, erläutert Löffler.

Und was sagt Behrmann als „Angeklagter“? Im Gespräch mit dieser Zeitung gibt er zu, dass „er ein wenig gereizt war“. Er betonte gestern in gleichem Atemzug, dass die Einnahmen in den allgemeinen Haushalt fließen würden. Behrmann bremste gleichzeitig die Hoffnung, dass es in Rellingen in naher Zukunft eine Auslaufwiese für Hunde geben werde. Den Hundebesitzerprotest könne er generell aber nicht verstehen: „Rellingen ist in der Höhe der Hundesteuer noch human. Wir vergleichen uns immer mit den Nachbarkommunen. Und da stehen wir gut da.“

Seit dem 1. Januar 2015 ist die neue Hundesteuer in Rellingen in Kraft. Für den ersten Hund zahlen Besitzer 50 Euro (bislang 30 Euro); zweiter Hund: 85/bislang 42  Euro; für jeden weiteren Hund: 110/bislang 54 Euro; sogenannte gefährliche Hunde: erster Hund: 500 Euro/bislang 396 Euro, zweiter Hund: 800 Euro/bislang 660 Euro.
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