Hamburg : HSV: Mit Druck, aber nicht ohne Spaß

„Die Situation hat dafür gesorgt, dass wir als Team zusammengerückt sind“: HSV-Torhüter René Adler hat zu alter Stärke zurückgefunden.
„Die Situation hat dafür gesorgt, dass wir als Team zusammengerückt sind“: HSV-Torhüter René Adler hat zu alter Stärke zurückgefunden.

Keeper René Adler kann dem Abstiegskampf auch Positives abgewinnen. Kacar: „Wir müssen uns bei ihm bedanken.“

shz.de von
12. Mai 2015, 13:15 Uhr

Hamburg | Manchmal bedarf es nur weniger Worte, um die Dinge auf den Punkt zu bringen. „Abstiegskampf ist sch...“. Punkt. Aus. Trainer Bruno Labbadia machte nach dem Remis seiner Bundesliga-Fußballer vom HSV gegen den SC Freiburg (1:1) keinen Hehl daraus, was er von der aktuellen Situation des Bundesliga-Dino hält.

Die Hamburger (Rang 14, 32 Punkte) bangen weiterhin um den Klassenerhalt, stehen vor einem weiteren Abstiegsendspiel am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr) bei Labbadias ehemaligen Arbeitgeber VfB Stuttgart, für den er von 2010 bis 2013 tätig war. Druck ohne Ende also.

Umso erstaunter schaute der 49-jährige Coach drein, als er am Freitagabend zu später Stunde in den Presseräumen der Imtech-Arena mit einem Zitat seines Torhüters René Adler konfrontiert wurde. Der hatte den TV-Journalisten unmittelbar nach den 90 Zitterminuten im Volkspark in die Mikrofone diktiert, dass ihm der Abstiegskampf derzeit sogar „Spaß mache“. Spaß am Abstiegskampf? War Adler so kurz nach dem Abpfiff noch von seinen starken Paraden und dem späten, umjubelten Ausgleichstor Gojko Kacars euphorisiert? Auch gegenüber den Print-Journalisten wiederholte der Keeper Minuten später: „Ich habe derzeit auch Spaß.“ Mit etwas Abstand fügte er allerdings erklärend hinzu: „Klar ist die Situation, in der wir stecken, schwer. Aber ich finde, sie hat auch dafür gesorgt, dass wir als Team zusammengerückt sind. Das merkt man bei jeder Trainingseinheit. Und das wiederum kann auch Spaß machen.“ Und überhaupt, so der ehemalige Nationaltorhüter weiter, sei es gerade in schwierigen Situationen auch mal richtig, den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen. „Wenn man sich zu sehr verkrampft, ist das auch nicht gut, obgleich wir natürlich alle fokussiert sind auf das große Ziel Klassenerhalt.“

Dass Adler auf dem Platz Spaß hatte, zeigte er gegen Freiburg ein ums andere Mal. „Nicht ich durch mein spätes Tor, sondern René hat uns den Punkt beschert. Wir müssen uns bei ihm bedanken“, sagte Mitspieler Kacar später selbstlos. „René ist vermutlich einer der wenigen im Team, der im Abstiegskampf Spaß empfindet“, schmunzelte sein Trainer Labbadia gegen Ende der Pressekonferenz – da huschte sogar seinem zuvor so vergrämten, weil mit dem späten Ausgleich hadernden Freiburger Pendant Christian Streich auf dem Nebensitz ein kleines Lächeln übers Gesicht. Der SC-Coach kennt sich nur zu gut mit dem Tabellenkeller aus. Labbadia indes hofft, dass sich die positive Grundeinstellung seines zuletzt so starken Schlussmannes vor dem Endspiel am Neckar möglichst auf den Rest seiner Mannschaft überträgt.

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