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Kreis Pinneberg : Hospize klagen über knappe Kassen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Höhere Tagessätze für Patienten von den Krankenkassen gefordert. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) informiert sich in Elmshorn.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Die stationären Hospize in Schleswig-Holstein befinden sich in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Gesetzlich müssen stationäre Hospize eigentlich nur zehn Prozent ihrer Kosten durch Spenden finanzieren, um Gründungen aus rein wirtschaftlichen Gründen zu verhindern. In allen Einrichtungen in Schleswig-Holstein liegt dieser Anteil ganz real jedoch mittlerweile deutlich darüber – so auch im Kreis Pinneberg.

Durchschnittlich müsse jedes Hospiz 22 Prozent seiner Kosten durch Spenden finanzieren statt der gesetzlich vorgeschriebenen zehn Prozent, erläutert Janet Dahlmann, Leiterin des Johannis-Hospizes in Elmshorn. Das sei das Ergebnis der Arbeitsgruppe aller Hospizleitungen im Land, die seit eineinhalb Jahren Statistiken erheben, um erstmals gemeinsam mit den Kranken- und Pflegekassen über eine Neuregelung der Finanzierungsgrundlagen und eine auskömmliche Vergütung zu verhandeln.

„Der tägliche Bedarfssatz der Krankenkassen reicht nicht aus, um zu finanzieren, was wir leisten“, bestätigt Dahlmann. Und sie leisten so einiges: Für die zwölf Plätze im Hospiz in Elmshorn habe es laut der Leiterin seit Beginn des Jahres bereits 40 Anfragen gegeben. „14 Menschen konnten wir aufnehmen. Alle anderen stehen auf der Warteliste“, so Dahlmann. Extrem hochqualifiziertes Personal, viele Fortbildungen und erhöhter Reinigungsaufwand sowie Verpflegung müssten bezahlt werden.

„Veraltetes System“ in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein sei derzeit noch das einzige Bundesland, dass nach „einem veralteten System“ die Tagessätze der Hospizgäste nach Pflegestufen berechne. 246 Euro gibt es für einen Gast mit der Pflegestufe I pro Tag, 257 Euro für die Pflegestufe II und 269 Euro für die Pflegestufe III. Doch Dahlmann verdeutlicht: „Hospizpflege kann man nicht in drei Stufen unterteilen.“ Allein der Bedarf an Gesprächen mit dem Gast, mit dem Angehörigen halte sich nicht an eine Pflegestufe. Unterschiedlich sei auch die Situation jedes Hospizes: „Wir sind an einen Konzern gebunden, andere werden durch Fördervereine getragen oder private Anbieter“, sagt Dahlmann. So würden allein für das Personal ganz unterschiedliche Tarife gelten. Abhängig von der Größe der Räumlichkeiten sei auch der Aufwand für die Reinigung. Hinzu käme, dass es schwer sei, Personal zu finden. „Es wäre wünschenswert, eine Sonderprämie zahlen zu können, da die Arbeit in einem Hospiz für eine Pflegekraft besonders schwer ist“, verdeutlicht sie.

„Ich wäre mit 300 Euro pauschal zufrieden, mit 320 Euro glücklich“, sagt die Leiterin des Elmshorner Hospizes über gewünschte Tagessätze, um die Kosten für ihr Hospiz zu decken. „Wenn die Finanzierung nicht ausreichend gesichert ist, müssen Menschen auf viele Dinge verzichten, die die Lebensqualität erhalten oder steigern, die die letzte Zeit so schön wie möglich machen. Für Extras, die es ausmachen, ist dann kein Geld mehr da – wie Blumen im Zimmer, eine abgedunkelte Nachtlampe für die Rundgänge des Personals, nicht nur Joghurt zum Nachtisch sondern selbst gemachten Schokopudding.“

Kürzlich haben Vertreter aller sechs Hospize in Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) bei deren Besuch im Johannis-Hospiz in Elmshorn ihre Sorgen und Nöte vorgetragen. Seitens des Verbands der Ersatzkassen heißt es: „Die Verhandlungen laufen bereits.“ Das bestätigte Sven Peetz, Referatsleider für den Bereich Pflege auf Anfrage. In der Vergangenheit hätten Hospize allerdings kaum Verhandlungen eingefordert, so Peetz. Ziel aller Beteiligten sei es nun, gemeinsam einheitliche Parameter zur Kostenberechnung aufzustellen. Ob dabei mehr Geld für die Hospize herausspringt, ist jedoch noch völlig unklar. Bis Ende März soll es laut Peetz eine Lösung geben.

Das Johannis-Hospiz bietet zwölf Gästen helle und modern eingerichtete Einzelzimmer.  Durchschnittlich blieben die Gäste im Jahr 2014 für 23 Tage, im Jahr 2013 für 21 Tage und im Jahr 2012 für 16 Tage. Im Raum der Stille finden regelmäßig Andachten statt. Ein Wohnzimmer kann für intensive Gespräche genutzt werden. Neben den eigenen Sanitärbereichen in den Gästezimmern steht ein großes Pflegebad zur Verfügung.Die große  Küche ist Treffpunkt  für gemeinsames Essen und Plaudern. Nach Absprache können Angehörige im Zimmer des Gastes oder einem Angehörigenzimmer übernachten. Derzeit sind dort 22 hauptamtliche und 25 ehrenamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Das Hospiz ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Regio-Kliniken. Träger des Hospizes ist außer den Regio-Kliniken auch der Johanniter Orden.
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