Übungsleiter der DLRG : Horst Gundlach geht mit 80 Jahren in Rente

65 Jahre lang gab Horst Gundlach in der DLRG Pinneberg Vollgas. Mit 80 möchte er kürzer treten.

65 Jahre lang gab Horst Gundlach in der DLRG Pinneberg Vollgas. Mit 80 möchte er kürzer treten.

Der Pinneberger ist Gründungsmitglied und hat sich vor 65 Jahre lang bei der DLRG angemeldet.

shz.de von
06. März 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | „Geht ihr schon mal ins Wasser, ich komme gleich nach“, sagt Horst Gundlach. Es ist der letzte Abend, an dem er das Seniorenschwimmen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Pinneberg leitet. „Ich habe immer gesagt, dass ich kürzer trete, wenn ich die 80 voll mache. Das ist im Dezember der Fall. Mit 79 kann man noch Trainer sein, aber mit 80?“, Gundlach schüttelt lachend den Kopf. „Wer nimmt denn einen so alten Knacker noch ernst?“

„Mein Jubiliäumsjahr“ hat Gundlach das Jahr 2018 für sich selbst getauft. Im März feiert er 20 Jahre Ehrenmitgliedschaft in der DLRG Pinneberg, im Juli ist er 65 Jahre Mitglied der Lebensretter, er gehörte zu den Gründungsmitgliedern in der Kreisstadt, und im Dezember steht der 80. Geburtstag an. „Und vor 50 Jahren bin ich in das Haus gezogen, in dem ich wohne“, macht Gundlach die Liste voll.

Ein Schwimmschein nach dem nächsten

Am 1. Juli 1953 trat Gundlach in die DLRG ein. Wollte er unbedingt Leben retten? Sich ehrenamtlich engagieren? Nein, der Grund war viel profaner. „Es gab damals nicht so eine große Auswahl an Sportarten, die von den Vereinen angeboten wurden. Bei der DLRG kostete das Schwimmen kein Geld“, erinnert sich Gundlach und wieder ist dieses mitreißende Lachen in seinem Gesicht. Doch kam er nicht nur zum Planschen, sondern machte einen Schwimmschein nach dem nächsten. 1962 erwarb er den DLRG-Lehrschein. „Von da an durfte ich alle Prüfungen abnehmen.“ Gundlach gab Schwimmkurse und nahm Prüfungen ab. 1965 wurde er in den Vorstand des Ortsvereins gewählt, dem er 31 Jahre als Kassenwart und Geschäftsführer angehörte. „Die Geschäftsstelle war bis zur Fertigstellung des neuen Vereinsheim Im Hafen quasi in meinem Haus“, berichtet Gundlach, der mit seiner Seniorengruppe beim Bauvorhaben mit anpackte und selbst als Bauleiter vor Ort war – wie schon bei der Errichtung des DLRG-Schulungszentrums im Pinneberger Freibad.

Verdienstzeichen in Bronze, Silber und Gold, die Plakette „Für besondere Verdienste um den Sport“ der Stadt Pinneberg und Auszeichnungen vom DLRG-Landesverband erhielt Gundlach. „Alles schön, aber eine Sache gibt es, die ich nie vergessen werde“, sagt er. Seit 1963 gab es Straßensammlungen und ab 1979 die „Gläserne Spardose“. Als im Jahr 2002  der Euro eingeführt wurde, fand Gundlach immer wieder Fremdwährungen in den Dosen – und alte Markstücke. „Die habe ich alle im Keller gesammelt – immer in Türmen zu zehn Münzen.“ Fuhr jemand vom DLRG oder aus dem Freundeskreis in ein Land, aus dem Gundlach Münzen hatte, drückte er diesem die Sammlung in die Hand, um die gebührenfrei vor Ort zu tauschen. „So hatten wir am Ende mehr als 10000 Euro auf dem Konto“, sagt Gundlach mit diebischer Freude.

Etwa 3000 Kindern Schwimmen beigebracht

Außer Münzen sammelte Gundlach noch etwas in seinem Keller: Fotos. „Wenn die Kinder bei mir das Seepferdchen gemacht haben, habe ich sie immer gebeten, mir ein Foto zu senden, wenn sie zum Beispiel im Urlaub im Wasser waren“, so der pensionierte Bundesbahnbeamte. Wie viele Fotos es sind, weiß Gundlach nicht: Auch nicht, wie viele Kinder er geschult hat. „Ich vermute, dass es so etwa 3000 waren.“ Dabei stand für ihn – wie auch beim Erwachsenenschwimmen – immer fest: Er ist mittendrin. „Ich war nie ein Trainer, der am Beckenrand stand und Anweisungen gegeben hat.“

Nun will es Gundlach ruhiger angehen lassen. „Ich komme natürlich weiterhin zum Schwimmen und mache mit, aber nur noch als Teilnehmer.“ Eine kurze Pause. Dann öffnet Gundlach für sich persönlich die Hintertür: „Wenn natürlich mal ein Trainer ausfällt, könnte ich vielleicht einspringen. Ein, zwei Mal. Oder so.“

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