Honig frisch vom Friedhof

Lebensraum für Bienen: Hobbyimker Alfred Schade (links) und Friedhofsverwalter Arne Meyer-Ebeling haben Bienenstöcke auf dem Rellinger Friedhof angelegt – ergänzt wird das Projekt nun von Schautafeln.
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Lebensraum für Bienen: Hobbyimker Alfred Schade (links) und Friedhofsverwalter Arne Meyer-Ebeling haben Bienenstöcke auf dem Rellinger Friedhof angelegt – ergänzt wird das Projekt nun von Schautafeln.

Ein Bienenschaukasten und Infotafeln stehen an der Ruhestätte in Rellingen / Veranstaltungen und Workshops für Kinder geplant

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12. Juli 2018, 16:00 Uhr

Die Welt befindet sich mitten in einem großen Artensterben – darauf weisen Forscher immer wieder hin. Ganz stark betroffen sind die Kleinsten: die Insekten. Der Problematik ist man sich auch in Rellingen bewusst. Hier wird den bedrohten Bienen geholfen. Und zwar an einem eher ungewöhnlichen Ort – auf dem Friedhof. Dort ist seit 2017 im hinteren Teil eine Oase mit Blumenwiese und sieben großen Bienenstöcken entstanden – jetzt folgten Infotafeln und ein Bienenschaukasten am Glockenturm mitten auf dem Friedhof. „Wir möchten Menschen für das Thema sensibilisieren“, sagt Friedhofsverwalter Arne Meyer-Ebeling. Und mit Vorurteilen aufräumen: „Bienen sind friedlich, die sind halt bei der Arbeit“, sagt er. Mit dem Schaukasten kann er gleich zwei Dinge bewirken: Die Bienen bekommen ein neues Zuhause und Nahrung, und der Friedhof wird zum Erlebnisraum. „Es ist auch eine Ablenkung vom Thema Tod. Das Erleben und Wahrnehmen tritt kurzzeitig in den Vordergrund“, sagt er.

Einer der vier Imker, die Bienen auf dem Friedhof untergebracht haben, ist Alfred Schade. Mit ihm zusammen wurde der Schaukasten in Betrieb genommen. Er öffnet die Tür – dahinter sind die Waben mit Eiern und dem Honigvorrat zu sehen. Und Bienen über Bienen. „Wir haben mit einer Brutwabe angefangen“, sagt er. Jetzt tummeln sich ein paar tausend der Insekten gut geschützt hinter Glas. Ein kleines Loch ist der Ein- und Ausgang. Schade kann die weiblichen Arbeiterbienen, die männlichen Drohnen und die Königin zeigen. Und er erklärt, was die Bienen in ihrem Schaukasten so emsig treiben: „Die Bienen haben eine Sprache. Sie können Winkel, Richtung und Entfernung zu Nahrungsquellen und Kostproben weitergeben.“ Das machen sie mit unterschiedlichen Tänzen. „Die kann man sehr gut nachtanzen“, sagt Schade. Zum Beispiel mit Kindern: Er und Meyer-Ebeling möchten demnächst Bienenveranstaltungen auf dem Friedhof anbieten – spätestens ab 2019. Und sie möchten einen weiteren Bienenstock in einer Künstler-Skulptur aufstellen. „Das ist auch was fürs Auge der Besucher“, sagt Meyer-Ebeling.

Neben dem Schaukasten stehen die Tafeln. Sie informieren über Bienenprodukte wie Honig, Gelée royale, Bienenwachskerzen oder Propolis. Und über die Arbeit der Bienen: Ohne deren Bestäubung der Pflanzen beim Pollensammeln sinken die Erträge der Landwirtschaft dramatisch ab.

Der Sammelradius der Bienen liegt laut Schade bei knapp drei Kilometern. Damit die Bienen innerhalb davon auch genug zu essen finden, bedarf es Blühpflanzen. Auf dem Friedhof wurden für die Völker Klee, Buchweizen, Malven und Sonnenblumen gesät – insgesamt 2,5 Kilogramm Saat auf 6,5 Quadratmetern. „Das ist nicht nur für unsere Honigbienen, sondern auch für Wildbienen und Hummeln“, sagt Meyer-Ebeling. Gegenüber der Blumenwiese stehen leicht erhöht zwischen Bäumen die Bienenkästen. Schade – eine Imkerpfeife im Mund – öffnet einen davon. Die Bienen machen ungestört mit ihrer Arbeit weiter, auch als Schade eine Bienenwabe herauszieht. Darin glänzt der Honig. Die kleine Kiara, die zufällig mit Mutter Raina Klehn vorbeikommt, darf probieren: Er ist mild und warm. „Im Inneren des Bienenstocks wird die Temperatur bei 36 Grad gehalten“, erläutert Schade. Sein Honigertrag ist gut. „Von einem normalen Volk können etwa 30 Kilo Honig im Jahr geerntet werden“, sagt er. „Aber das Umfeld ist sehr gut, hier werden’s 40.“ Der Honig muss geschleudert, gesiebt und nach einer Ruhephase gerührt werden – erst dann wird er abgefüllt. Auch das soll Bestandteil der geplanten Kinderveranstaltungen auf dem Rellinger Friedhof werden.

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