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Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 08:18 Uhr

S21 : Hoher Informationsbedarf

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Info-Abend: Ellerauer Bürgerinitiative „Bahnstraße“ rät betroffenen Anwohnern, Einwendungen fristgerecht einzureichen.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Bönningstedt | Es sind nur noch knapp zwei Wochen: Bis Donnerstag, 9. März, haben betroffene Bürger die Chance, Einwendungen gegen den geplanten Ausbau der S21 zu erheben. Die S-Bahn-Linie 21 soll in Zukunft die AKN auf der Strecke Eidelstedt bis Kaltenkirchen ablösen.

Dafür müssen noch verbliebene einspurige Strecken – dazu zählt der Abschnitt zwischen Quickborn und Tanneneck – zweigleisig ausgebaut werden. Die gesamte Strecke soll mit Oberleitungen elektrifiziert werden. Während eines Treffens im Bönningstedter Restaurant „Montenegro – Bei Sabina“ informierte Markus Spiering, Vorsitzender der Ellerauer Bürgerinitiative „Bahnstrasse“, die Besucher über die Vor- und Nachteile des Projektes. Gleichzeitig gab er, gemeinsam mit Anwalt Jan Mittelstein von einer Hamburger Kanzlei, Ratschläge zum Vorgehen bei einer Einwendung im Planfeststellungsverfahren.

Das Interesse der Bürger aus Bönningstedt, Hasloh und Quickborn war groß. Etwa 70 Betroffene fanden sich in dem Restaurant ein. „Es fällt mir sehr schwer, die Vorteile zu finden“, sagte Spiering. Dass eine Fahrt von Kaltenkirchen bis zum Hamburger Hauptbahnhof ohne Umsteigen möglich sein soll, sei bereits seit vielen Jahren ein Wunsch der AKN gewesen. „Es gab immer wieder neue Anläufe. Jedoch waren immer die Kosten höher als der Nutzen“, erklärte Spiering.

Doch jetzt gebe es einen neuen Anlauf, und das Verhältnis zwischen Nutzen und Kosten sei nun positiv ausgefallen. „Dabei ist zu beachten, dass ein sogenannter Nutzen-Kosten-Faktor aufgestellt wird. Alles über den Faktor eins wird als wirtschaftlich angesehen“, sagte er weiter. Dieses Projekt erreiche lediglich einen Faktor von 1,12. „Das war eine knappe Kiste. Kommt zu den Kosten noch etwas hinzu, kann das Projekt nicht realisiert werden“, so Spiering.

Momentan befinde sich das Projekt im Planfeststellungsverfahren. In dieser Zeit haben Bürger die Möglichkeit, die Pläne zu begutachten und gegebenenfalls Einwendungen bei der AKN einzureichen. Bis Donnerstag, 23. Februar, liegen die Unterlagen noch im Quickborner Rathaus aus. „Wenn Sie als Anwohner der Strecke etwas gegen das Projekt haben, ist eine Einwendung immens wichtig. Nur die, die innerhalb der Frist eine Einwendung erhoben haben, haben später auch das Recht, am weiteren Verfahren teilzunehmen“, erläuterte Spiering.

Auch Mittelstein betonte die Dringlichkeit der schnellen Einwendung: „Alles, was vorher nicht angemerkt und gesagt wurde, bringt nachher nichts mehr.“ Beide rieten außerdem dazu, die Einwendungen der Bönningstedter gebündelt abzugeben. Außerdem sei der Beistand eines Anwalts in so einem Fall von Vorteil. „Für ein mögliches späteres Verfahren haben Sie bessere Chancen“, erklärte Spiering.

Oberleitung beunruhigt

Die Bönningstedter beunruhigten vor allem die Oberleitungen sowie die Enteignung von Grundstücksteilen. In der Gemeinde sollen Masten bis zu einer Höhe von zehn Metern aufgestellt werden, teilweise auch auf Grundstücken, die neben der Trasse liegen und in Privatbesitz sind.

Die AKN sehe außer der Ersparnis des Umsteigens weitere Vorteile, berichtete Spiering. Etwa fünf Minuten kürzer solle die Fahrt von Kaltenkirchen nach Eidelstedt ausfallen. Auch höhere Taktungen in den Abendstunden und an Sonntagen sollen ermöglicht werden. Doch Spiering betonte, dass die Nachteile für die Bürger durchaus überwiegen. Durch einen zweigleisigen Ausbau seien viele Bürger gezwungen, Land oder Grundstück abzugeben. Des Weiteren führe eine Erhöhung der Taktungen im Umkehrschluss zu Lärmverstärkung. „Auch die Kosten zähle ich zur negativen Seite“, betonte Spiering. 100 Millionen Euro Baukosten und 100 Millionen Euro für neue Züge seien geplant.

Direkt von einem Treffen zu dem Projekt in Quickborn kam auch der Bönningstedt Fraktionsvorsitzende der CDU, Rolf Lammert. „Die AKN erhofft sich durch den Wechsel einen Boom in den kleineren Dörfern zu erzielen“, berichtete er. Die Kosten seien so eng kalkuliert, dass rechts und links nichts mehr gemacht werden könne. „Momentan diktieren sie uns, was gemacht wird.“

Lammert betonte, dass die Gemeinde sich strikt gegen Strommasten ausgesprochen habe. „Stattdessen befürworten wir Stromschienen“, sagte Lammert. Im Anschluss an die Veranstaltung versammelten sich zahlreiche Besucher, um mit Spiering und Mittelstein das weitere Vorgehen zu besprechen.

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