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Pinneberger Tageblatt

23. August 2017 | 18:31 Uhr

Kummerfeld : Hohe Hürden für den Ruheforst

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Areal in Kummerfeld ist ein Thema im Fachausschuss.

Kummerfeld | Umwelt- und Artenschutzberichte, diverse Stellungnahmen und eine ausführliche FFH-Prüfung: Einen dicken Stapel Papier hatten die Mitglieder des Bau-, Wege- und Umweltausschusses in Kummerfeld am Mittwochabend vor sich auf dem Tisch. In dem Pamphlet ging es um den geplanten Ruheforst der Gemeinde im Kummerfelder Gehege. Am Ende passierte das Vorhaben das Gremium ohne Gegenstimmen.

„Die Hürden sind hoch – und das zurecht“, sagte Bernd Matthiesen vom Freiraum- und Landschaftsplanungsbüro. Er stellte das Vorhaben und die Ergebnisse der Gutachten vor. 80 Hektar groß ist das gesamte Gelände, für den der Flächennutzungsplan geändert werden soll. Die erste Parzelle soll allerdings nur zwei bis drei Hektar groß sein. Derzeit handelt es sich bei dem betroffenen Areal um ein FFH-Gebiet. Dies sind spezielle europäische Schutzgebiete, die dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen. Daraus soll eine „Fläche für Wald mit Zweckbestimmung Friedhof“ werden. Den Aufstellungsbeschluss hatte die Gemeindevertretung bereits im vergangenen Jahr gefasst. Nun ging es um die Änderungsvorschläge des Flächennutzungsplans sowie die Ergebnisse der ersten Gutachten.

Matthiesen machte deutlich, dass der Forst so bleiben soll wie er ist. „Es werden keine neuen Wege gebaut und auch keine verbreitert. Das Ziel ist, Bestattungen zu ermöglichen, ohne dass sich der Wald verändert.“

Für den Boden wird sich laut Gutachten der Ruheforst sogar positiv auswirken. Statt schwerer landwirtschaftlicher Maschinen werden dann nur noch Fußgänger die Wege nutzen. „Erwähnenswerte Belastungen“ für das Grundwasser seien ebenfalls nicht zu erwarten – auch nicht durch die Asche. Im Artenschutzbericht spielen besonders Fledermäuse und einige Vögel eine Rolle. Die Prüfung ergab jedoch, dass sich keine Nachteile für Pflanzen und Tiere ergeben – so lange das Vorkommen von Totholz und alten Bäumen im Ruheforst erhalten wird. Die Umsetzung des Projekts hat laut Bericht keine negativen Folgen für die Umwelt. Da der Wald weiter für Spaziergänger genutzt werden kann, ergeben sich auch keine negativen Folgen für die Erholung der Menschen.

Eine tabellarische Auflistung der Giftstoffe, die in der Asche enthalten sein sollen, weckte das Interesse des CDU-Fraktionsvorsitzenden Andreas Supthut. Demnach seien die Überreste der Verstorbenen „Sondermüll“, mahnte er an. Matthiesen erwiderte, dies sei kein Problem. „Wir haben dort Böden, die das verkraften.“ Uwe Hanspach (SPD) kritisierte die pietätlose Bezeichnung seines CDU-Kollegen. „Dann wäre jeder Friedhof auch Sondermüll“, sagte er. Nach der Diskussion wurde das Vorhaben ohne Gegenstimmen durchgewunken. Nun wird sich im Mai die Gemeindevertretung mit dem Ruheforst auseinandersetzen. Aber auch danach wird es weitere Untersuchungen geben, sagt Matthiesen. Abgeschlossen seien die noch lange nicht.

Als Friedwald oder Ruheforst wird die letzte Ruhestätte mitten im Wald unter Bäumen bezeichnet. Urnenwälder unterliegen der Friedhofssatzung der jeweiligen Trägerkommune und damit den selben gesetzlichen Anforderungen. Bei fünf Prozent der Sterbefälle wird derzeit dieser Weg gewählt. Die Unternehmen Friedwald, der Franchise-Unternehmer Ruheforst und andere Unternehmen folgen diesem Trend. In Kummerfeld soll ein „Ruheforst“ entstehen. Der Wald gehört dem Landesforst und soll von der Osterkirchengemeinde betrieben werden.
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erstellt am 10.Apr.2015 | 15:00 Uhr

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