Hörgeschädigten Nachbarn gerettet

Zugführer Renee Chandony (links) weist den nächsten Trupp ein.Frank Josuttis informierte seinen hörgeschädigten Nachbarn.
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Zugführer Renee Chandony (links) weist den nächsten Trupp ein.
Frank Josuttis informierte seinen hörgeschädigten Nachbarn.

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26. Januar 2013, 01:14 Uhr

Elmshorn | Den vergangenen Donnerstag wird Frank Josuttis so schnell nicht vergessen. Er wohnt in dem Haus Am Erlengrund, in dem eine Wohnung im Obergeschoss in Flammen aufgegangen ist.

Es war gegen 22.45 Uhr, Josuttis saß in seiner Wohnung im Erdgeschoss, der Fernseher lief. "Plötzlich hörte ich einen Rauchmelder piepen", berichtet er. Er schreckte hoch: "Vor nicht allzu langer Zeit hat es in der Tiefgarage gebrannt." Josuttis sah aus dem Fenster nach oben - und entdeckte die Flammen. Er erinnerte sich, dass die Bewohnerin der Wohnung nicht anwesend war, da eine neue Türfüllung habe eingebaut werden sollen. "Die Tür war offen, da hat wohl jemand gezündelt", meint er.

Josuttis rannte aus seiner Wohnung. Einige Nachbarn hatten noch nichts von dem Brand in ihrem Haus bemerkt. Er klingelte und klopfte an ihre Türen. "Ein Nachbar ist hörgeschädigt, da hab ich richtig kräftig gegen die Tür gebollert", berichtet er.

Allen Nachbarn gelang die Flucht aus dem Haus. In den 60 Wohnungen des Gebäudes wohnen zwar 68 Menschen, es gibt aber nur einen Ein- und Ausgang.

Als diese vor die Tür liefen, war die Feuerwehr schon am Löschen. Kurz darauf hatte das DRK ein beheiztes Zelt aufgebaut, in dem die Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, unterkommen konnten. Sie wurden mit heißen Getränken versorgt. "Auch die Bürgermeisterin war da", so der Anwohner. Was er nicht wusste: Die meisten Elmshorner Feuerwehrleute waren unter der Uniform elegant gekleidet wie noch nie bei Einsätzen. Sie waren nämlich, wie Bürgermeisterin Brigitte Fronzek (SPD), direkt vom Eisbeinessen der Wehr gekommen. Mehr als 100 Kräfte der Feuerwehren aus Elmshorn, Klein Nordende und Uetersen kämpften gegen die Flammen. Unterstützt wurden sie von Kräften des DRK, des Technischen Hilfswerks, der Rettungskooperation Schleswig-Holstein sowie der Polizei.

Die Feuerwehrleute arbeiteten sich im Haus unter schwerem Atemschutz über die Brandwohnung in den Dachboden vor. Von den Körben der Drehleitern aus Elmshorn und Uetersen schlugen die Helfer Dachpfannen kaputt und ermöglichten so einen Abzug von Rauch und Hitze. Dabei legten sie eine Schneise zum vom Brand betroffenen hinteren Drittel des Hauses an, so dass sich das Feuer nicht über die gesamte Länge des Dachstuhls ausbreiten konnte.

Die Nachlösch- und Aufräumarbeiten zogen sich danach über mehrere Stunden hin. Kurz vor 6 Uhr am Freitag war der Einsatz beendet. Gestern waren Handwerker mit der Sicherung des stark beschädigten Dachs und der Beseitigung kaputter Dachpfannen beschäftigt.

Josuttis ist mit dem Schrecken davongekommen. In seine Wohnung darf er inzwischen wieder. Sie hat nichts abbekommen. "Es riecht allerdings stark nach Rauch", sagt er. Er hofft, dass es dabei bleibt und nicht noch Löschwasserschäden entstehen. "In der Nebenwohnung ist das Wasser schon angekommen", sagt Josuttis.

"Es hat hier schon öfter gebrannt", berichtet er. Vor einem halben Jahr habe jemand Fußmatten angezündet, ein Kinderwagen habe mal gebrannt, im Nachbarhaus habe es Feuer gegeben - und in der Tiefgarage. "Das ist alles andere als angenehm", sagt er. Am Erlengrund hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder größere Feuer gegeben, unter anderem im Januar 2007 und im November 2011. Auch damals brannten Wohnungen.

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