Hörgenuss in dicken Wintermänteln

<strong>Die vier Solisten:</strong> Katharina Leyhe (von links), Anette Gutjahr, Steffen Wolf und Keno Brandt. <foto>fko (2)</foto> <strong>Kantor Oliver Schmidt </strong>(links) dirigiert die Sinfonietta Lübeck und die Kantorei Rellingen.
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Die vier Solisten: Katharina Leyhe (von links), Anette Gutjahr, Steffen Wolf und Keno Brandt. fko (2) Kantor Oliver Schmidt (links) dirigiert die Sinfonietta Lübeck und die Kantorei Rellingen.

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02. April 2013, 01:14 Uhr

Rellingen | Geballte Stimmgewalt: Am Karfreitag präsentierten die Solisten Katharina Leyhe, Anette Gutjahr, Steffen Wolf sowie Keno Brandt gemeinsam mit der Sinfonietta Lübeck, der Rellinger Kantorei und Gästen der Crowborough Choral Society Antonin Dvoráks "Stabat Mater" in der Rellinger Kirche, eine Premiere in dem barocken Bau.

Zehn Mitglieder der "Cros", Partnerchors der Rellinger Kantorei aus East-Sussex, kamen dafür extra aus England angereist, waren doch die Rellinger zu Weihnachten für Bachs Weihnachtsoratorium bei ihnen zu Besuch gewesen. "Unsere Gäste sind seit zwei Tagen hier, wir haben vor dem Auftritt zwei Mal das Stück gemeinsam geprobt", verriet Dirigent und Kantor Oliver Schmidt.

Insgesamt spielten und sangen mehr als 100 Sänger und Musiker das Werk von 1877, dessen Vollendung Dvorák bei der Verarbeitung der Tode seiner drei Kinder half. Während überwiegend der Bläserblock gegen den Streicherblock abgesetzt war, brachte das dicht komponierte Stück im Tutti sehr schön den vollen Orchesterklang der Sinfonietta Lübeck zur Geltung, der durch den Einsatz der Orgel von Kirchenmusikdirektor Wolfgang Zilcher noch an Tiefe gewann. Die Solisten an Flöte und Oboe wussten dazu helle Akzente zu setzen.

Der Chor zeichnete sich durch sicheren Stimmeinsatz und klar erkennbare Stimmführung aus. Eindrucksvoll brachten sie bei dem trauermarschartigen Beginn Dvoráks Klangmalerei zur Geltung: Durch die monotone Tonrepetition meinte man gar, die Totenglocke klingen zu hören. Auch die Solisten glänzten im Quartett sowie bei ihren Soli. Nur Tenor Wolf schien gelegentlich etwas Schwierigkeiten zu haben, gegen das Orchester anzusingen, wohingegen Bass Brandt durch seine klangschöne Intonation hervortrat.

Das Werk, das sich ganz allmählich von Moll nach Dur wendet, vom Trauermarsch zum Triumpfgesang, der dann wieder in der Ferne verklingt, erntete dem Ensemble langen, enthusiastischen Beifall, das in der kalten Kirche trotz Heizstrahlern an der Decke in dicken Wintermänteln zum Lauschen ausharrte.

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