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Pinneberger Tageblatt

18. November 2017 | 11:33 Uhr

Pinneberg : Hitzige Debatte um Gottesbezug

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bürger und Religionsvertreter streiten in der Pinneberger Synagoge über Änderung der Landesverfassung. Initiative sammelt Unterschriften.

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2015 | 14:15 Uhr

Pinneberg | Religion ist keine Privatsache. Das jedenfalls behauptet die Volksinitiative Gottesbezug. Initiiert unter anderem von den ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm und Peter Harry Carstensen, setzt sich diese für einen Gottesbezug in der Präambel der Landesverfassung ein. Am Dienstag diskutierten Vertreter unterschiedlicher Konfessionen sowie Atheisten in der Pinneberger Synagoge am Clara-Bartram-Weg über das Thema. Dabei ging es wenig überraschend recht kontrovers zur Sache.

„Ich glaube, dass ein solcher Bezug die Gesellschaft in die Pflicht nimmt“, warb Georg Bergner, Mitglied des Initiativkreises, um Unterstützung. Mit seinem Team sammelt er aktuell Unterschriften für sein Anliegen. 20.000 sind notwendig, damit sich das Landesparlament in Kiel noch einmal mit dem Thema befassen muss. Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Abgeordneten eine Reform der Landesverfassung beschlossen, in der die Präambel explizit keinen Gottesbezug mehr enthält. Bergners Ansicht nach baue die Gesellschaft auf dem Engagement von Institutionen und Menschen auf, die die Motivation für ihre Leistung aus dem Glauben beziehen.

Unterstützung erhielt Bergner von Ilse Orth. „Für mich ist es selbstverständlich, dass wir in der Verfassung einen Bezug auf Gott haben“, sagte die Protestantin. Sie selbst lebe streng nach christlichen Grundsätzen, kenne aber auch zahlreiche nicht-gläubige Menschen, die mit einem solchen Vorhaben kein Problem hätten.

Um einen solchen handelt es sich bei Klaus Blume. Selbst konfessionslos, würde ihm „ein Symbol für einen Gottesbezug“ gefallen. Seiner Ansicht nach habe es einen Wandel gegeben. Der Gott in der Präambel werde heutzutage nicht mehr als christlicher Gott, sondern „als offenes Symbol von der Verantwortung vor Gott und den Menschen“ verstanden.

Nicht alle überzeugt

Gegner der Initiative wie Erhard Haupt, bekennender Atheist, konnte er damit nicht überzeugen. Der Pinneberger betonte, sich diskriminiert zu fühlen. „Ich kann nicht verstehen, mit welcher Berechtigung Sie die Nichtgläubigen in die Entscheidung miteinbeziehen“, kritisierte Haupt. Alleine durch seine Existenz privilegiere der Gottesbezug die Gläubigen und setze den nicht glaubenden Teil der Gesellschaft in der Wertigkeit herab.

Die bei der Diskussionsrunde ebenfalls anwesenden Vertreter anderer Religion schwankten in ihren Positionen zwischen strikter Neutralität und leichter Zustimmung. So gab Sedat Simsek, Dialogbeauftragter der türkisch-muslimischen Gemeinde an, „nichts gegen das Vorhaben der Initiative zu haben“. Allerdings soll der Bezug nicht nur als „Worthülse auf einem Stück Papier fixiert“, sondern „mit Sinn erfüllt“ werden.

Unentschieden zeigte sich Gastgeber Wolfgang Seibert als Vertreter des Judentums.„Ich bin noch völlig unentschlossen, ob der Gottesbezug in die Verfassung soll. Wichtiger sei es, den Gottesbegriff „mit Inhalt zu füllen“.

Die Mehrzahl der Landesverfassungen in Deutschland weisen, wie Schleswig-Holstein, aktuell keinen Gottesbezug in ihrer Präambel  auf. Neun Bundesländer ohne einen solchen stehen sieben mit dem Bezug auf Gott gegenüber. Namentlich sind das: Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hinzu kommt das deutsche Grundgesetz, das mit den Worten beginnt: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Wie bei den Landesverfassungen handelt sich dabei um einen Bezug „nominatio dei“ – Gott wird also lediglich genannt. Dem gegenüber stehen Verfassungen, die im Namen Gottes erlassen werden („invocatio dei“).
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