Historische Industrie in Pinneberg

bild 03 - grudrun hackenberg

Neue Tour mit Obernachtwächter Klafack

shz.de von
23. Mai 2018, 16:00 Uhr

Wieder einmal ist Peter Russ als Otto Klafack (1838-1912) in die Uniform des bekannten Pinneberger Obernachtwächters geschlüpft. Russ ist Magister der Geschichte und engagiert sich für das Stadtmuseum Pinneberg, seine historischen Stadtrundgänge zu Themen der Stadtgeschichte haben mittlerweile ihre treue Zuhörerschaft.

Dieses Mal konzentrierte sich Russ auf das Entstehen und die Entwicklung des industriellen Zeitalters in Pinneberg in den Jahren um 1864 nach dem Deutsch-Dänischen Krieg bis zum Ende des Ersten Weltkrieges.

Die Geschichte der „Fabrikstadt Pinneberg“ ist unter anderem eng verbunden mit den Namen Wupperman, einem Emaillierwerk, zu dessen Erinnerung heutzutage die Straßen Otto- und Hermanstraße, die Vornamen der Brüder Wupperman, benannt sind. Der Sägebetrieb Warncke und die Dachpappenfabrik Binné sind seit dieser Zeit in Pinneberg ansässig.

Wichtig für die Stadt waren ebenfalls die Firmen Wille, Hersteller von Ölzeug, Regen- und Lodenmode oder das Unternehmen Dibbern, das „Posamente“, Kurz- und Textilwaren, herstellte und auf dessen Grundstück am Damm, nach Schließung des Werkes, bis heute der Beig-Verlag seinen neuen Standort fand.

Bezüglich der Quellen für geschichtliche Zusammenhänge und Beispiele, aber auch für die vielen kleinen Randgeschichten, mit denen Russ seine Vorträge spickt, erklärt er: „Ich erarbeite mir dies unter anderem beim Studium von Unterlagen aus dem Stadtarchiv oder aus den Transskripten von Johannes Seifert.“ Zur Verdeutlichung bereichert er seine Vorträge durch viele zeitgeschichtliche Fotografien.

Aufschlussreiche Details gab Russ zu Umständen der damaligen politischen Ausrichtung des Großbürgertums und der Obrigkeit gegen das Proletariat oder dem Spagat zwischen immer mehr rauchenden Schloten der wachsenden Industrie Pinnebergs, obwohl die Stadt als Luftkurort mehr als 100 000 Besucher, bei gerade einmal 5 000 Einwohnern, pro Jahr verzeichnete. Gravierenden Einfluss hatte ebenfalls, dass die Stadt zeitweise außerhalb und dann wieder innerhalb der Zollgrenze zu Hamburg lag und als erste Bahnstation nach Hamburg zeitweise große Bedeutung für den Güterumschlag erlangte.

Russ weiß durch seine authentische Art das Interesse seiner Zuhörer zu wecken. Gudrun Hackenberg ist zwar mit dem Rundgang sehr zufrieden: „Toll, dass Peter Russ mit seinen Vorträgen die Erinnerung an die wechselvolle Geschichte Pinnebergs wach hält.“ Sie betont aber auch: „Gleichzeitig wird dadurch erkennbar, wie viel geschichtliche Bausubstanz in Pinneberg gedankenlos zerstört wurde. Hoffen wir, dass die jetzigen Stadtoberen mit dem letzten Rest historischer Bauten besser umgehen.“


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