Historisch, aber nicht verstaubt

Bunt und lebendig: So sieht die Künstlerin die Pinneberger Drostei.
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Bunt und lebendig: So sieht die Künstlerin die Pinneberger Drostei.

Pinnebergs Drostei wandelte sich von Herrschersitz über Amtsgebäude zum Kreiskulturzentrum / Stahlträger sichert die Statik

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03. August 2018, 16:00 Uhr

Der Wasserturm, die Drostei, die Paasch-Halle, die Christuskirche an der Bahnhofstraße und der Bahnhof selbst – wie oft geht man an diesen denkmalgeschützten Gebäuden in Pinneberg vorbei, ohne sie wahrzunehmen oder zu wissen, was hinter diesen Mauern ist? Die Künstlerin Imke Stotz (Foto) hat die denkmalgeschützten Gebäude in Aquarellfarben festgehalten. Stotz’ Tochter Helen Stotz (Foto, links) liefert als Kontrast zu den bunten Bildern jeweils streng komponierte Fotos von den Originalbauwerken in klassischem Schwarz-Weiß. Elf Pinneberger Gebäude werden im Laufe der Serie vorgestellt.

Roter Klinker, zwei Stockwerke hoch, Sprossenfenster, ein Treppenaufgang und Stuck über der Tür – seit genau 251 Jahren prägt die Pinneberger Drostei das Bild der Innenstadt, seit 1965 steht sie unter Denkmalschutz. Erbaut wurde sie in den Jahren 1765 bis 1767 im Rokoko-Stil von Hans von Ahlefeldt-Seestermühe. Der war damals Drost in Pinneberg – der Landesherr. Und als solcher wollte er sich eine Residenz errichten. Er kaufte den Vorgängerbau, ein Doppelhaus mit zwei Satteldächern, und begann mit dem Neubau. So steht es in „Die Geschichte der Landdrostei“ von Dieter Beig zu lesen.

Über den Baumeister der Drostei ist heute nichts mehr bekannt. Jedoch gehörten einst zu dem Gebäude auch eine Küche, Ställe für Pferde und Kutschen, mehrere Scheunen sowie eine Orangerie. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Im Inneren existieren noch die großen Flügeltüren, die Holzböden, die hohen Stuckdecken und die historischen Öfen in ihren Nischen. Doch im Laufe der Zeit kam so manche Veränderung: Herrschersitz, Katasteramt, Kulturzentrum – die Pinneberger Drostei hat in ihrer langen Geschichte einige Stadien durchlaufen.

Genutzt wurde sie zu Beginn als Dienstsitz und Empfangsgebäude für hohen Besuch. So war etwa der dänische König Friedrich      VI. (1768-1839), der damals in Schleswig und Holstein herrschte, in Pinneberg zu Gast. Davon berichtet der Bäckermeister Fritz Junge, festgehalten im Jahrbuch Kreis Pinneberg 1991: „Der Wein wurde in hohe dunkelgrüne Römer kredenzt, gallonirte Diener in engen sammet Kniehosen, weißen Strümpfen, Schuhe mit großen Silberspangen, servirten die einzelnen Gänge, die Tafelmusik wurde von dem in Glückstadt garnisonirenden Königen Leibregiment gestellt.“

Nach der Annexion durch Preußen wurde aus dem Pinneberger Drost in den 1860er Jahren ein Landrat – bis 1920 war die Drostei dessen Sitz. Dann schlug die Modernisierung zu: Eine neue Dienstvilla für den Landrat bedeutete Leerstand in der Drostei, wo 1929 kurzerhand das Katasteramt untergebracht wurde – mit einem kurzen Gastaufenthalt der SA-Standarte von 1933 bis 1938. Zur Zeit des Katasteramtes, die bis in die 1980er Jahre dauerte, wurde eine umfangreiche Umgestaltung der Drostei vorgenommen. Es wurden neue Wände gezogen, Türen und Fenster zugemauert. Überall standen Schreibtische mit Schreibmaschinen und riesige Kartentische.

Erst nach dem Wegzug des Amtes ging die Drostei an den Kreis Pinneberg im Jahr 1984. Und der richtete das heutige Kreiskulturzentrum ein. In einem Mammutprojekt wurde das Haus in sieben Jahren aufwendig restauriert, um es annähernd in den originalen Zustand zu versetzen. Dafür musste unter anderem eine riesige Stahlträgerkonstruktion durch das gesamte Gebäude gezogen werden, denn durch die baulichen Veränderungen und feuchtes Mauerwerk war die Tragkraft beeinträchtigt. Die Konstruktion sichert bis heute die Statik der Drostei. Stefanie Fricke, Künstlerische Leiterin, sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die Sanierung ist qualitativ gut gemacht. Irgendwie haben sie es auch geschafft, moderne Technik ins Gebäude zu kriegen: Brandmeldeanlagen, Steckdosen, eine Zentralheizung.“

Heute veranstaltet die Drostei vier Ausstellungen pro Jahr, dazu kommen Lesungen, Konzerte und auch kulturelle Bildung für Kinder mit dem Programm „Junge Drostei“. Auch die Pinneberger Schreibschmiede und der traditionelle Nikolausmarkt sind dort zuhause. Fricke verriet, dass noch immer ein Sitzungszimmer für den Kreispräsidenten in der Drostei vorhanden ist. Burkhard E. Tiemann (CDU), der im Juni von Helmut Ahrens (CDU) in seinem Amt abgelöst wurde, hatte es etwa einmal im Monat benutzt. „Hierher werden offizielle Gäste und Delegationen eingeladen. Weil es hier schöner ist als in der Elmshorner Kreisverwaltung.“ Auch wenn heute kein Wein mehr von Dienern in Samthosen und Silberspangen gereicht wird.


Am Mittwoch, 8. August, steht das Pinneberger Bahnhofsgebäude im Mittelpunkt der Serie.

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