zur Navigation springen

Schenefeld : Hinz&Kunz-Verkäufer darf wieder vor Aldi-Markt stehen

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Nach Kundenprotesten nimmt das Unternehmen das „Hausverbot“ für den beliebten Verkäufer zurück.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2013 | 00:37 Uhr

Aufregung um einen Hinz&Kunzt-Verkäufer vor dem Aldi-Markt an der Friedrich-Ebert-Allee: Das Unternehmen untersagte Jan B. am Donnerstag auf dem Gelände des Marktes das Straßenmagazin zu verkaufen, weil sich Kunden beschwert hatten. Doch noch gestern revidierte Aldi Nord diese Entscheidung. „Er darf wieder vor unserem Markt stehen“, sagte Aldi-Vertreter Ingo Bremkamp. Er habe sich den Fall noch einmal angesehen. „Es hat in jüngster Zeit vermehrt Beschwerden gegeben. Das Unternehmen muss das Wohl der Kunden im Auge behalten. Aber das Maß ist noch nicht überschritten“, betonte Bremkamp.

Widerlich. Beschämend. Eine bodenlose Frechheit: Vor dem Aldi-Markt herrschte gestern Mittag Aufruhr. Wut und Entsetzen brachen sich Bahn. „In diesem Laden kaufe ich ich nicht mehr ein“, sagt die Schenefelderin Ingrid Warnke. Umstehende Kunden schließen sich dem Kauf-Boykott an.

Aldis-Hausverbot für den Obdachlosen Jan B. – seit mehr als drei Jahren verkauft er das Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt vor dem Discounter – hatte den Aufruhr ausgelöst. Nach Informationen unserer Zeitung fühlten sich einige Aldi-Kunden durch die Anwesenheit des Hinz&Kunzt-Verkäufers belästigt.

Jan B. schüttelt den Kopf. „Ich habe niemanden belästigt. Ich helfe doch, wo ich kann.“ Er versteht die Welt nicht mehr. Doch die Solidaritäts-Welle, die er an diesem Morgen erfährt, tut ihm gut. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht von seinem „Rauswurf“ auf dem Parkplatz vor dem Discounter. Kunden suchen ihn vergeblich vor dem Markt, finden ihn schräg gegenüber bei Rewe. Eine Unterschriften-Liste geht rum.

Der „Engel“ vom Aldi-Markt
 

Schenefelder sprechen ihm Mut zu. Viele kennen und schätzen ihn seit Jahren. „Er ist immer höflich, niemals aufdringlich“, sagt Karin Wedstedt. „Er hilft alten und behinderten Menschen. Er trägt die Einkaufstüten. Er verteilt Chips für den Einkaufswagen. Er passt auf Hunde auf“, sagt Giesela Beierl. Je mehr Aldi-Kunden sich äußern, desto klarer wird das Bild von ihm. Vom „Aldi-Engel“ spricht ein Ellerbeker. „Das Unternehmen müsste ihm für seine Arbeit Geld bezahlen.“ Immer wieder kocht die Wut über die Aldi-Entscheidung hoch.

Jan B. hat im Umfeld des Aldi-Marktes längst eine soziale Heimat gefunden. Jeden Tag ist er vor Ort. „Ich fege den Bürgersteig. Im Winter schippe ich Schnee“, sagt der gebürtige Schlesier, der seit 1976 in Deutschland lebt. Hinz&Kunzt hat ihm den Standort an der Friedrich-Ebert-Allee zugewiesen. „Es gab noch nie Beschwerden über Jan“, betont Frank Belchhaus, Vertriebsleiter beim Hamburger Straßenmagazin. Er habe schon häufiger erlebt, dass Markt- oder Bezirksleiter über das Ziel hinaus schießen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen