Depressionen, Angststörungen und Panikattacken : Hilfe für psychisch Kranke im Kreis Pinneberg: Laufen, wenn die Seele schmerzt

Die beiden Helfer Dr. Diana Filler (links) und Wiebke Jung vor der psychiatrischen Ambulanz der Regio-Klinik in Pinneberg
Die beiden Helfer Dr. Diana Filler (links) und Wiebke Jung vor der psychiatrischen Ambulanz der Regio-Klinik in Pinneberg

Es gibt viele Gründe für Depressionen. Oft hilft Sport, um Angstattacken und Gefühls-Chaos zu überwinden. Danach richtet sich ein Angebot der Regio-Kliniken.

shz.de von
18. Juli 2018, 14:30 Uhr

Pinneberg | Einmal in der Woche trifft sich die Laufgruppe von Krankenschwester Wiebke Jung. Das Motto der Sportbegeisterten ist allerdings ein spezielleres als bei so manch anderer Sportgruppe: Sie laufen gegen Depressionen. Im Fokus steht das gemeinsame Gruppenerlebnis, ganz ohne Leistungsdruck.

Wer das Gefühl hat, dass er an einer seelischen Krankheit wie  Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken leidet , sollte sich nicht ins Private zurückziehen und versuchen, die Erkrankung auszusitzen. Heute gibt es vielfältige Hilfen: Medikamenten in Kombination mit ambulanten Psycho- oder Verhaltenstherapien versprechen Hilfe. Die psychiatrische Institutsambulanz des Regio-Klinikums hat ihren Sitz am Fahltskamp 70 in Pinneberg. Die Rufnummer, auch für die Laufgruppe:  (04101) 21 79 821

„Als aktive Läuferin kenne ich die positive Wirkung des Joggens. Und mit dem Fahlt haben wir ja einen schönen Wald in der direkten Umgebung. Beides brachte mich auf die Idee, eine Laufgruppe ins Leben zu rufen“, sagt Jung. Sie arbeitet seit mittlerweile über zwanzig Jahren in der Regio-Klinik in Pinneberg und betreut Patienten als leitende Krankenschwester in der psychiatrischen Institutsambulanz. 

Das Laufprojekt gibt es seit diesem Jahr und vor kurzem startete der zweite Durchlauf, denn das Interesse ist groß und die Nachfrage wächst stetig.

Für sich selbst aktiv werden

„Sport und speziell das Laufen steigert die Selbstwirksamkeit. Das ist sehr wichtig bei depressiven und ängstlichen Patienten. Dadurch, dass sie für sich selbst aktiv werden und sich infolgedessen besser fühlen, erfahren die Betroffenen, dass sie selbst etwas verändern und ihr Leben positiv beeinflussen können“, so Dr. Diana Filler, Oberärztin der psychischen Ambulanz in Pinneberg. Regelmäßiger Ausdauersport könne die Seele wieder ins Gleichgewicht bringen. Studien belegen, dass das kontinuierliche Training explizit Menschen hilft, die unter Depressionen und Angstzuständen leiden. Das gab den Anstoß zur Idee.

„Unsere Patienten werden mit steigendem Lauf-Erfolg stolz auf sich und steigern das Vertrauen ins eigene Können. Bestenfalls gewinnen sie einen engen Kontakt zum eigenen Körper, was in schweren depressiven und ängstlichen Episoden oft verloren geht. Sportlicher Erfolg macht stolz und selbstbewusst“, so Dr. Filler.

Kein Druck in den Laufgruppen

Häufig kämen Interessenten mit Ängsten und Zweifeln zu ihr, denn die Überwindung zur sportlichen Betätigung und dann speziell in einer Gruppe sei groß. „Wir haben keinen Druck in den Laufgruppen. Wir orientieren uns an dem Level der Anfänger und steigern uns langsam und vor allem gemeinsam. Ich habe eine Lauftrainer-Lizenz, deshalb kann ich die Teilnehmer nicht nur in psychischer, sondern auch in sportlicher Hinsicht professionell betreuen“, sagt Jung.

Interessenten müssten keine Patienten der Regio-Klinik sein, denn die Gruppe sei offen für alle. Aktuell gibt es eine Warteliste. Eine weitere Laufgruppe sei bereits  in Planung. Filler: „Wir haben Patienten aus der vorigen Laufgruppe, denen es nach ihrer Teilnahme am Projekt deutlich besser geht. Sie laufen mittlerweile sogar alleine und unabhängig von der Gruppe.“

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