Hilfe beim Start ins neue Leben

Geschäftsführer Ludger Fischer hat sich auf die Arbeit mit Flüchtlingen spezialisiert.
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Geschäftsführer Ludger Fischer hat sich auf die Arbeit mit Flüchtlingen spezialisiert.

Diakonieverein Migration unterstützt bereits seit 1970 Einwanderer in Pinneberg / Integrationskurse und Beratung in der Bahnhofstraße

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26. Juni 2014, 16:00 Uhr

Globalisierung ist eines der großen Schlagworte der vergangenen Jahrzehnte. Nicht nur Informationen und Waren bewegen sich immer schneller, sondern auch Menschen. Arbeitsmigration in der europäischen Union wird einfacher und gleichzeitig sind weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Migration ist globale Politik. Einerseits. In den Büroräumen des Diakonievereins Migration, vor dem Schreibtisch von Geschäftsführer Ludger Fischer oder seinen Kollegen, geht es auf einmal wieder um Individuen. Um Menschen, die in Deutschland ein neues Zuhause finden wollen, manche auf Zeit, manche für immer. Menschen, von denen jeder seine ganz persönliche Geschichte und oft ganz persönliche Probleme hat.

Fischer und sein Team wollen helfen. Bei Schwierigkeiten mit den Behörden, mit den Schulen oder dem Arbeitgeber. Aber auch bei der Integration. „Wir bieten daher Kurse an, die nicht einfach nur Sprachkenntnisse vermitteln sollen“, betont der Geschäftsführer des Vereins. „Wir nehmen immer Bezug auf Alltagssituationen in Deutschland.“ Außerdem besuchen die Gruppen Institutionen der Bundesrepublik, so beispielsweise Behörden und Parlamente, wie den Land- oder Bundestag. „Jugendliche absolvieren in ihren Integrationskursen zusätzlich ein Sprachpraktikum in einem Betrieb“, erzählt Fischer. In Sachen Deutschkenntnisse strebt die Diakonie ein Sprachniveau nach dem europäischen Standard B1 an.

Neben dem vielfältigen Angebot an Integrationskursen kann jeder Einwanderer die Beratung des Vereins in Anspruch nehmen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Flüchtlingen, die Pinneberg vom Land zugewiesen werden. „Viele dieser Menschen haben auf ihrem Weg nach Deutschland Gewalterfahrungen gemacht, sind traumatisiert“, betont Fischer. Wer aus seiner Heimat vertrieben wurde, habe oft einen besonders großen Beratungsbedarf. Auch weil die rechtliche Situation von Flüchtlingen und Asylbewerbern in Deutschland oft schwer zu durchschauen ist. Fischer macht deutlich: „Auch für uns Fachleute ist es oft nicht sofort ersichtlich, welchen Status eine Person hat und welche rechtlichen Folgen sich daraus ableiten.“ Der Diakonieverein schafft Klarheit, informiert über Ansprüche.

In der Bahnhofstraße kümmert man sich aber nicht nur um Menschen, die vor Krieg und Gewalt nach Deutschland geflohen sind. Auch Arbeitsmigranten oder nachgezogene Familienmitglieder lernen hier Deutsch oder erhalten Beratung. „Wir helfen auch Frauen, eine Kinderbetreuung zu organisieren“, so Fischer. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer helfen Kindern mit Migrationshintergrund an Pinnebergs Schulen bei den Hausaufgaben.

Wenn täglich Menschen aus aller Welt vor der Tür stehen, sind Sprachkenntnisse hilfreich. „Die Hälfte unserer fest angestellten Kräfte hat selbst einen Migrationshintergrund“, sagt der Geschäftsführer. Türkisch, Arabisch und Russisch werden in der Bahnhofstraße gesprochen. Ansonsten greift der Verein auf ein Netzwerk von Dolmetschern zurück. Bei allen Schwierigkeiten: Fischer freut sich über die veränderte Kultur in Deutschland: „Die Bereitschaft, Flüchtlinge bei uns aufzunehmen, ist eine ganz andere als noch in den 190er Jahren.“

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