zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 16:26 Uhr

Hilfe beim Start ins Familienglück

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit zehn Jahren gibt es in Pinneberg das Projekt „Wellcome“ / Ehrenamtliche Unterstützung für Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2013 | 16:34 Uhr

„Jedes Kind rüttelt seine Familie erstmal ordentlich durch“, sagt Andrea Sörensen. Die Koordinatorin des Projekts „Wellcome“ muss es wissen. Denn wenn Eltern der Nachwuchs über den Kopf wächst, wenn gerade keine Großeltern da sind, die das Kind einen Abend übernehmen können, oder wenn Geschwister eifersüchtig werden – dann sind Sörensen und ihre 35 ehrenamtlichen Helferinnen da. Das Angebot gilt für das erste Lebensjahr des Kindes.

„Wir sind für jeden da, auch wenn wir vielleicht nicht bei jedem Problem helfen können“, betont die Koordinatorin. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. Sörensen telefoniert mit Eltern, die Unterstützung mit dem Nachwuchs brauchen. Dann vermittelt sie der Familie eine persönliche Helferin, die so gut unter die Arme greift, wie es geht. „Wir machen alles, was auch Freunde oder nette Nachbarn übernehmen würden“, sagt Sörensen. Die Helfer kümmern sich um Geschwisterkinder, passen auf das schlafende Kind auf oder teilen einfach persönliche Erfahrungen.

Die meisten Helferinnen haben selbst schon Kinder großgezogen. Das ganze erste Lebensjahr des Kindes können die Eltern mit Hilfe rechnen. „Am Ende dieses Jahres kommt es dann oft noch einmal zu Problemen“, sagt Sörensen: „Die Kinder zahnen oder bekommen häufig ihre ersten Infekte.“

Für den Service berechnet „Wellcome“ eine einmalige Vermittlungsgebühr von zehn Euro und weitere fünf Euro pro Stunde. Die Koordinatorin macht aber klar: „Wenn Eltern sich das nicht leisten können, finden wir immer einen Weg.“

Träger des Projekts ist die Evangelische Familienbildungsstätte. Entstanden ist „Wellcome“ 2002 in Hamburg. Mittlerweile gibt es in Deutschland 250 Standorte. In Pinneberg hilft „Wellcome“ nun seit zehn Jahren Eltern und Kindern.

Sörensen betreut die Anlaufstelle seit sieben Jahren. Die Nachfrage ist da. 2013 leisteten die Ehrenamtlichen fast 600 Betreuungsstunden in der Kreisstadt ab. Mittlerweile sind die „Wellcome“-Mitarbeiter auch im ganzen Kreis gut vernetzt. Denn: Die Ehrenamtlichen können zwar oft auf reichlich Lebenserfahrung zurückblicken und werden auch regelmäßig fortgebildet. Doch es gibt auch Fälle, bei denen weitervermittelt wird. An Kinderärzte, Hebammen oder das Jugendamt.

Sörensens Problem: Eigentlich bräuchte sie noch mehr Ehrenamtliche. „Viele meiner Helfer sind berufstätig oder müssen aus persönlichen Gründen zurückstecken“. Wer sich bei „Wellcome“ engagieren möchte, der wird nicht nur regelmäßig fortgebildet. Das Team legt auch viel Wert auf gemeinsame Aktivitäten, wie Kinobesuche, Wanderungen oder einfach nur gemeinsames Kaffeetrinken. „Das ist auch ein bisschen eine Entschädigung dafür, dass wir nichts zahlen können“, so Sörensen.

Der ständige gegenseitige Austausch verbessere auch die Qualität der Arbeit. Sie ist stolz darauf, dass ihre Mitarbeiterinnen aus allen Altersstufen kommen und ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen vorweisen können. Die Älteste ist 75 Jahre alt, die Jüngste hat gerade ihr Abitur gemacht. Sörensen: „Sie wartet auf einen Studienplatz in Medizin und überbrückt so die Wartezeit.“ Das Jubiläum feierten die Frauen mit einem gemeinsamen Brunch in der Lodge Weidenhof.

Sörensens Bilanz nach zehn Jahren „Wellcome“ ist positiv. „Eine Familie gründen ist immer ein Abenteuer – unvorhersehbar und unkalkulierbar.“ Umso größer sei die Befriedigung für alle Helfenden, den frischgebackenen Eltern beim Start in dieses große Abenteuer zu helfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen