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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 18:17 Uhr

Kreis Pinneberg : Hier regieren die Frauen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Deutlich über dem Landesdurchschnitt und eine echte Besonderheit: Weit über die Hälfte der hauptamtlichen Rathauschefs im Kreis Pinneberg sind weiblich.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Im Kreis Pinneberg regieren die Frauen. Von insgesamt elf hauptamtlichen Bürgermeisterposten sind derzeit sieben mit Frauen besetzt. Das entspricht einer Quote von 63,6 Prozent. Und auch wenn Brigitte Fronzek (SPD) am 1. Januar 2014 nach 18 Jahren Amtszeit als Elmshorner Bürgermeisterin ihren Stuhl für einen Mann – Volker Hatje (parteilos) – frei machen wird, bleibt es dabei: Im Kreis Pinneberg gibt es mehr Bürgermeisterinnen als Bürgermeister.

Damit stellt der Kreis eine Besonderheit in Schleswig-Holstein dar. Denn der Frauenanteil der hauptamtlichen Bürgermeister in Deutschlands nördlichstem Bundesland beträgt lediglich 13,7 Prozent. In sechs der elf Landkreise – darunter Pinnebergs Nachbarkreise Segeberg und Steinburg – gibt es keine einzige hauptamtliche Bürgermeisterin.

Fronzek war 1996 die erste Frau im Kreis Pinneberg, die in das Amt der Bürgermeisterin gewählt wurde. Zehn Jahre lang war sie die einzige Frau, dann folgte Christiane Küchenhof (SPD) in Schenefeld. „Die Entwicklung bei den hauptamtlichen Bürgermeisterinnen ist sehr positiv“, sagte Fronzek im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie sei überzeugt, dass das Geschlecht bei Bürgermeisterwahlen inzwischen nicht mehr entscheidend sei. In anderen Bereichen sei dieser Wandel noch nicht vollzogen. „Ich sehe schon jetzt, dass viele Menschen, insbesondere aus der Wirtschaft, sich freuen, mit meinem Nachfolger Hatje wieder einen männlichen Ansprechpartner zu haben“, sagte Fronzek.

Auch Rellingens Bürgermeisterin Anja Radtke (parteilos) und die gerade erst gewählte Bürgermeisterin von Barmstedt, Heike Döpke (parteilos) sind überzeugt, dass die Frage des passenden Bürgermeisters keine Frage des Geschlechts sei. „Es geht darum, die Stadt vertreten zu können“, erläuterte Radtke ihre Aufgabe.

Geteilte Meinungen zum Thema Frauenquote

Zu einer gesetzlich festgelegten Frauenquote haben die Bürgermeisterinnen des Kreises eine geteilte Meinung. Radtke sagte: „Frauen, die ein Standing in ihrer Branche haben, brauchen eine solche Quote nicht. In anderen Bereichen, in denen Frauen für die gleiche Tätigkeit schlechter bezahlt werden, ist sie allerdings nötig.“

Ähnlich sehen das auch Küchenhof, Döpke und Fronzek. Um den Frauenanteil in der Wirtschaft zu erhöhen, halten sie es für nötig, eine Frauenquote einzuführen. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass es ohne nicht gehe. „Zumindest solange, bis ein Status quo erreicht ist, brauchen wir eine Frauenquote“, so Küchenhof.

Die Bürgermeisterinnen des Kreises Pinneberg sind untereinander übrigens gut vernetzt und tauschen sich regelmäßig aus. „Allerdings basieren diese Treffen nicht auf unserem Geschlecht, sondern darauf, dass wir ähnliche Themen und geographische Nähe haben“, erläutert Radtke den Grund für den regelmäßigen Austausch mit ihren Kolleginnen.

Welche Aufgaben haben die hauptamtlichen Bürgermeister?

Hauptamtliche Bürgermeister sind Bürgermeister, die unter anderem die Vorbereitung und Ausführung der Beschlüsse der Gemeindevertretung, in dringenden Fällen Eilentscheidungen sowie die gesetzliche Vertretung der Gemeinde übernehmen. Außerdem ist er Verwaltungschef, zusätzlich ein Organ der Gemeinde und vertritt diese bei öffentlichen Anlässen.

Ab welcher Größe der Gemeinde ist ein Bürgermeister hauptamtlich tätig?

Vor allem größere und mittelgroße Gemeinden ab 4000 Einwohner haben hauptamtliche Bürgermeister. Im Kreis Pinneberg sind dies Barmstedt, Elmshorn, Halstenbek, Pinneberg, Quickborn, Rellingen, Schenefeld, Tornesch, Uetersen und Wedel. Helgoland hat einen Sonderstatus und ebenfalls einen hauptamtlichen Bürgermeister.

Der hauptamtliche Bürgermeister wird basierend auf der Größe des Ortes, in dem er als Vermittler zwischen Verwaltung und Bürger tätig ist, nach der Besoldungsordnung des Bundes bezahlt und ist quasi ein Beamter auf Zeit.

Wie werden hauptamtliche Bürgermeister gewählt?

Die Volksvertreter werden direkt gewählt, stimmberechtigt sind Einwohner des Ortes, auch aus anderen Ländern der Europäischen Union, ab 16 Jahren. Die Amtszeit beträgt zwischen sechs und höchstens acht Jahren, je nach Gemeinde. Um die Wahl für sich zu entscheiden, muss der Kandidat mindestens die Hälfte der abgegebenen Stimmen – also eine absolute Mehrheit – erhalten. Sollte das keinem Kandidaten gelingen, findet spätestens 28 Tage später eine Stichwahl statt. Wer dann die meisten gültigen Stimmen erhält, ist neuer Bürgermeister.

 

 


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