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Pinneberger Tageblatt

21. November 2017 | 16:55 Uhr

Tiertafel : Hier hat der Tierschutz ein Zuhause

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein neues Vereinsheim entsteht zwischen Hafen und Bahngleisen. Schon 54 Einsätze seit Anfang des Jahres.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Pinneberg | Es hat mächtig gegossen. Schlammige Angelegenheit. Hier, zwischen Hafen und Bahngleisen. Für Maria Köhler und Peter Dorendorf kein Problem. Sie tragen ihre Arbeitsklamotten. Wir haben einen Ortstermin vereinbart. Dort, wo Pinnebergs Tierschutzverein sein neues Zuhause baut. Köhler ist dessen Vorsitzende, Dorendorf ihr Pressewart. Seit Monaten opfern die Beiden ihre Freizeit, um aus einem Gewerbegrundstück einen Ort zu machen, an dem sich Tierliebhaber und deren Vierbeiner wohl fühlen. Das Haus wächst. Langsam. Aber sicher.

Wobei Haus sicher ein wenig übertrieben ist. Zwei gebrauchte Container sind es, die der Verein für 6000 Euro erworben hat. Jeweils zwölf Meter lang. Dorendorf, eigentlich Sanitärfachmann und Klempner, hat ein hölzernes Dachgerüst gezimmert. Die Bleche müssen noch drauf. „Wir warten darauf, dass genug Helfer Zeit haben“, sagt der Mann, der auch als Tierschutzbeauftragter in Pinneberg unterwegs ist. Später soll auf dem von der Stadt gepachteten Grundstück noch ein Blockhaus aufgebaut werden. Die Pforte fehlt noch. Die Auffahrt wird befestigt. Die dafür benötigten Steine liegen schon bereit. Eine Spende. Darauf sind Pinnebergs Tierschützer angewiesen.

Dorendorf war es, der im Sommer 2012 eine so genannte Tiertafel aus der Taufe hob. Eine von dreien in ganz Schleswig-Holstein. Die einzige im Kreis Pinneberg. Seitdem kommen alle zwei Wochen bis zu 40 sozial benachteiligte Menschen gegen eine geringe Spende an Futter für ihre Gefährten. Wer nachweisen kann, dass er von Hartz IV lebt, muss gar nichts zahlen. Dorendorf achtet penibel darauf, dass dieses Angebot nicht missbraucht wird: „Wir registrieren Nutzer und Tiere“, sagt er. Wer glaubt, sich wegen des Angebots weitere Vierbeiner anschaffen zu können, schaut in die Röhre.

Rund fünf Tonnen Futter lagern derzeit auf dem Grundstück am Hafen. Für Hunde, Katzen, Nagetiere und Vögel. Vorwiegend Spenden von Fachhandlungen aus Prisdorf, Wedel und Halstenbek. Doch nicht nur Futter halten die Pinneberger Tierschützer für ihre Klienten bereit. Der zweite Container ist prall gefüllt mit Hundekörben, Katzenklos und Kratzbäumen. Ein Flohmarkt sorgt regelmäßig dafür, dass die Kasse des Vereins nicht komplett geplündert wird. Die Tiertafel – das Hauptprojekt der Pinneberger Tierschützer. Aber nicht das einzige.

Dorendorf reißt übers Jahr kräftig Kilometer ab, um gepeinigten und misshandelten Kreaturen zu helfen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von Januar bis Mitte April waren er und seine Mitstreiter bereits 54 Mal unterwegs. 16 dieser Termine hatten mit Katzen zu tun, zwölfmal ging es um Hunde, bei acht Einsätzen um Pferde. Zudem wurden in den dreieinhalb Monaten 421 Beratungsgespräche geführt. Dorendorf wünscht sich, dass mehr Anrufer auch auf den Beantworter sprechen. „Unser Telefon kann nicht immer besetzt sein, es ist gut, wenn die Koordinatoren der Einsätze schon einen Überblick über die Problemlage haben.“

Vor allem Pferde bereiten den Tierschützern Sorgen. „Viele Halter lassen es am nötigen Wissen fehlen“, sagt Dorendorf – und schaut etwas verzagt. Mangelhafte Hufpflege, der Verzicht auf regelmäßige Kontrollen des Veterinärs, zu wenig Platz für die Tiere – immer wieder gibt es Ärger. „Es gibt Besitzer, die behandeln ihr Pferd wie ein Motorrad.“

214 Mitglieder hat der Pinneberger Tierschutzverein derzeit. Es dürften gern mehr sein, daraus machen Köhler und Dorendorf kein Geheimnis. Die Vorstandsarbeit haben sie in ruhiges Fahrwasser gelenkt. Vor einigen Jahren stand der Verein nach Querelen kurz vorm Aus. Die Zeiten sind vorbei. „Wir hoffen künftig auf noch mehr Betrieb bei uns am Hafen, auf noch mehr Menschen, die zu uns kommen“, sagt Köhler. Damit das gelingt, wollen Pinnebergs Tierschützer regelmäßig Infoabende und Schulungen anbieten. Um erste Hilfe am Tier wird es gehen. Um gesunde Ernährung für die vierbeinigen und gefiederten Gefährten. Denn ein Ziel steht für Köhler und Dorendorf über allem: Sie arbeiten dran, dass in Zukunft nicht mehr so viele Tiere auf ihre Hilfe angewiesen sind.

Pinnebergs Tierschützer planen für Mittwoch, 21. Mai, ihre Jahreshauptversammlung. Ort des Geschehens wird die Sportsbar des VfL Pinneberg, Fahltskamp 53, sein. Los geht es um 18 Uhr. Der Vorstand berichtet über die Arbeit des abgelaufenen Jahres. Zudem wird auf das kommende Jahr geblickt.
Die Pinneberger Tiertafel öffnet am zweiten und letzten Sonnabend eines Monats auf dem Vereinsgrundstück, Am Hafen 52, ihre Pforten. Die Mitarbeiter sind ab 9 Uhr vor Ort. Bis 12 Uhr werden Futter und Utensilien ausgegeben. Die Tafel ist dringend auf Spenden angewiesen. Ansprechpartner ist Peter Dorendorf. Er ist unter der Rufnummer 0176-57090441 zu erreichen. Ein Spendenkonto hat der Tierschutzverein bei der Sparkasse Südholstein eingerichtet. Die IBAN lautet DE 922305103000115202021, die BIC NOLADE21SHO.
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