Hier gibt es Hilfe zur Selbsthilfe

Helfen auf dem Weg zur Selbsthilfe: Katinka Gabriel (links) und Kerstin Kreuzhage.
1 von 2
Helfen auf dem Weg zur Selbsthilfe: Katinka Gabriel (links) und Kerstin Kreuzhage.

Zentrale Kontaktstelle vermittelt Selbsthilfegruppen

shz.de von
12. Juni 2014, 16:00 Uhr

Es gibt kaum eine menschliche Sorge, der Kerstin Kreuzhage und Katinka Gabriel noch nicht begegnet sind. Denn sie beraten Menschen, die mit ihren Problemen allein nicht fertig werden, denen eine Gemeinschaft aber weiterhelfen könnte. Die beiden sind so etwas wie die Lotsen in der Zentralen Kontaktstelle für Selbsthilfe im Kreis Pinneberg. Manchmal auch „Geburtshelfer“, wenn es eine benötigte Gruppe noch nicht gibt.

Selbsthilfegruppen wollen und können keine fachmännische Therapie ersetzen, heben die Beraterinnen hervor. Was sie aber unschätzbar wertvoll mache, sei ihre geballte „Betroffenenkompetenz“. Erfahrungen und Informationen werden ausgetauscht und helfen den Einzelnen, richtige Entscheidungen zu treffen. Das Erlebnis der Gemeinschaft durchbreche außerdem die Isolation, in die Menschen sich vor allem dann oft flüchten, wenn sie ihre Situation als beschämend empfinden.


Psychische Leiden immer häufiger


Als häufigste Probleme registrieren Kreuzhage und Gabriel chronische und Suchtkrankheiten, daneben immer öfter psychische Erkrankungen wie Depressionen, Ängste oder Burn-Out-Symptome. Betroffen sind immer auch die Familien der Erkrankten, wissen die beiden Beraterinnen. Für diesen Personenkreis gibt es deshalb ebenfalls Gruppenangebote. Noch ziemlich neu ist eine Gruppe für Angehörige von Krebskranken. In einer anderen tauschen sich die Partner von Schlaganfallopfern aus.

Wenn Menschen eine Selbsthilfegruppe suchen, gibt es für das kleine Team der Beratungsstelle drei Möglichkeiten: Entweder es gibt schon die passende Gruppe und den Suchenden ist mit den Kontaktdaten schon geholfen, oder aber es gibt noch nichts Passendes, dann versuchen Kreuzhage und Gabriel, Betroffene für eine Neugründung zusammenzubringen. Und schließlich, wenn es für eine neue Gruppe hier nicht genügend Menschen gibt, dann knüpfen die beiden Lotsinnen Kontakte zu Gruppen in erreichbarer Nähe, zum Beispiel in Hamburg.


Unterstützung bei Neugründungen


Neugründungen brauchen ihre besondere Aufmerksamkeit. Ein Raum für die Treffen muss gefunden werden und eine Struktur für den Ablauf der Zusammenkünfte muss her. Sonst verfehlen Gruppen auch schon mal ihren Zweck und degenerieren zu Kaffeeklatsch-Zirkeln, haben die beiden Gruppen-Expertinnen von Zeit zu Zeit erlebt. Um dem entgegenzuwirken, bietet die Kontaktstelle Workshops und andere Fortbildungsmaßnahmen an. Außerdem helfen sie bei der Beschaffung von Fördermitteln.

Seit einiger Zeit bemühen sich Kreuzhage und Gabriel auch verstärkt um Kontakte zu Mitbürgern mit ausländischen Wurzeln, denn, so ihr Eindruck, Menschen aus anderen Kulturen müssen oft große Hemmungen überwinden, ehe sie sich für eine Selbsthilfegruppe öffnen können.

Vor allem bei türkischen Gruppen hat die Kontaktstelle aber längst offene Ohren gefunden. „Zu denen haben wir einen guten Draht“, stellen die beiden Beraterinnen erleichtert fest. Um die Suche nach einer passenden Gruppe zu erleichtern, gibt die Kontaktstelle gern einen „Selbsthilfe-Wegweiser“ heraus, eine immerhin 35 Seiten starke Broschüre voller Namen und Adressen.


zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen