Kurzbesuch in Rellingen : Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier versprüht Optimismus

„Wir in Hessen sind pragmatisch an den Unterrichtsausfall herangegangen. Jede Schule hat eine Lehrer-Abdeckung von 105 Prozent und muss sich selbst strukturieren. Und es gibt keine ideologischen Experimente auf Kosten der Schüler“, sagt Volker Bouffier.
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„Wir in Hessen sind pragmatisch an den Unterrichtsausfall herangegangen. Jede Schule hat eine Lehrer-Abdeckung von 105 Prozent und muss sich selbst strukturieren. Und es gibt keine ideologischen Experimente auf Kosten der Schüler“, sagt Volker Bouffier.

Der Ministerpräsident Volker Bouffier trifft Parteifreunde und Anhänger in Rellingen. Warnung vor einfachen Botschaften.

shz.de von
31. März 2017, 16:04 Uhr

Rellingen | Auf dem Weg nach Hamburg hat der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) einen Zwischenstopp in Rellingen eingelegt. Vor 50 Zuhörern kommentierte er die Bundes- und internationale Politik und lief dabei trotz einer Grippe zur Höchstform auf. Er bemühte nicht einen einzigen Notizzettel, sprach über eine Stunde lang frei und ging auf das Publikum ein.

Bouffier machte darauf aufmerksam, dass sich heutzutage jeder einem ständigen Wandel stellen müsse. „Wer wusste denn vor einem Jahr, dass Trump kommt, der Brexit ausgerufen wird und die Türkei den Weg in eine Diktatur geht? Kein Dorf wird von all diesen Veränderungen unberührt bleiben. Jetzt ist die Frage, wie richten wir uns ein?“ Die einen würden sich überfordert, die anderen abgehängt fühlen, und der Wunsch, einfache Antworten zu bekommen, sei groß. Aber deshalb müsse man nicht auf einfache Botschaften und übersteigerten Nationalismus hereinfallen. „Es gibt wieder diese gefährliche Nachfrage nach großen starken Männern. Ich warte nur darauf, dass Erdogan mit nacktem Oberkörper neben Putin reitet.“

Bouffier plädierte für mehr Optimismus: „Noch nie ging es uns so gut. Das ist auch das Ergebnis von Politik. Ich möchte antreten gegen das Geschwätz, das alle verunsichert.“ Der redegewandte Hessen-Chef ging auch auf Themen ein, die CDU-Landtagsabgeordneter Peter Lehnert in seiner Einstiegsrede angerissen hatte: So sei die Einbruchskriminalität in Rellingen dramatisch angestiegen. Die Gewaltbereitschaft nehme zu, und in Schleswig-Holstein sollten Kinder endlich keinen Unterrichtsausfall mehr hinnehmen müssen. Außerdem müssten Schüler mehr Zeit zum Lernen bekommen. Lehnert will G9 flächendeckend wieder einführen.

Bouffier: „Wir in Hessen sind pragmatisch an den Unterrichtsausfall herangegangen. Jede Schule hat eine Lehrer-Abdeckung von 105 Prozent und muss sich selbst strukturieren. Und es gibt keine ideologischen Experimente auf Kosten der Schüler.“ Ob G8 oder G9 entscheide jede hessische Schule selbst. Auch zu den Wohnungseinbrüchen hat Bouffier eine klare Haltung. Er plädiert für elektronische Überwachung: „In der Regel handelt es sich um organisierte Kriminalität. Wenn die Polizei Telefonate nicht abhören darf, kommt sie nicht weiter.“ Auch Videoüberwachung in Angsträumen sei sinnvoll, sagte der Ministerpräsident nur wenige Stunden vor entsprechenden Beschlüssen der Regierungskoalition. Es werde generell zu viel über die Täter und zu wenig über die Opfer gesprochen. „Die Opfer haben immer lebenslang.“

Und dann noch ein Seitenhieb auf die schleswig-holsteinische Landesregierung in Sachen Abschiebestopp: „Die tun so, als seien sie moralisch erhabener, weil sie als einziges Land den Drei-Monats-Abschiebestopp eingeführt haben. Aber sie nähren bei den Betroffenen Hoffnungen, die letztendlich nicht erfüllt werden können.“ Am Ende wurde es dann noch einmal launig: Als Peter Lehnert mit dem Eingeständnis überraschte, er sei in Darmstadt zur Welt gekommen, gab ihm Bouffier als „Landsmann“ noch eine Hessenparole mit auf den Weg: „Wir haben keinen Zugang zum Meer und keinen Zugang zu den Alpen. Aber an uns kommt keiner vorbei.“

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