Schenefeld/Elmshorn : Hermann-Weyl-Platz für XFEL

Hermann Weyl war gebürtiger Elmshorner.
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Hermann Weyl war gebürtiger Elmshorner.

Die Querelen um die Namensfindung haben ein Ende: XFEL bekommt eine neue Adresse. Die Forschungseinrichtung von Weltrang, in der ab 2016 internationale Wissenschaftler arbeiten werden, liegt bald am Hermann-Weyl-Platz. Weyl (1885-1955) ist gebürtiger Elmshorner. Er galt als herausragender Physiker und Mathematiker, verließ 1933 die Universität Göttingen, auch weil seine Frau Jüdin war.

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07. Juni 2014, 10:00 Uhr

Eine neue Anschrift für das XFEL-Forschungszentrum: Klingt einfach, wurde aber kompliziert. Als sich im Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstagabend abzeichnete, dass eine Entscheidung zum zweiten Mal vertagt werden könnte, nahm Grünen-Fraktionschef Mathias Schmitz seine Kollegen ins Gebet. „Wir bewegen uns messerscharf an der Grenze, aus der Namensfindung eine Posse zu machen. Vielleicht kommen wir damit in die heute-Show.“

Nein, heute-Show-Außenreporter Lutz van der Horst muss nicht nach Schenefeld reisen, um die Tücken in einer Kleinstadt bundesweit einem grinsenden Millionenpublikum zu präsentieren. XFEL bekommt eine neue Adresse. Die Forschungseinrichtung von Weltrang, in der ab 2016 internationale Wissenschaftler arbeiten werden, liegt bald am Hermann-Weyl-Platz. Der Vorschlag der SPD wurde auch von der CDU und der OfS unterstützt. Weyl ist gebürtiger Elmshorner. Er galt als herausragender Physiker und Mathematiker (siehe Extrakasten).

SPD-Fraktionschef Nils Wieruch wies auf den lokalen Bezug Weyls hin. Seine Forschungsarbeiten seien beeindruckend. „Aber insbesondere sein politisches Gespür und konsequente Haltung vor und während der Zeit des deutschen Nationalsozialismus heben ihn in meinen Augen noch einmal besonders hervor.“

Bisher liegt das XFEL-Gelände an der Holzkoppel. Überlegungen, der Straße einen komplett neuen Namen zu geben, sorgten für mächtig Unruhe (wir berichteten). Holzkoppel bleibt Holzkoppel: Nur der hintere Bereich, wo keine Wohnhäuser mehr stehen und keine Gewerbebetriebe angesiedelt sind, wird umbenannt. Die Grünen hatten sich für den Namen „Rosalind-Franklin-Platz“ stark gemacht, eine herausragende Wissenschaftlerin, die als Kristallographin auch einen inhaltlichen Bezug zur Forschungseinrichtung gehabt hätte. „Es wäre eine Auszeichnung für die Stadt Schenefeld gewesen, diese Frau mit einem Platz zu ehren“, sagte Grünen-Ratsherr Herbert van Gerpen.

Auch die BfB beteiligte sich an der munteren Namensfindung. Fraktionschef Manfred Pfitzner wollte den neu zu schaffenden Platz nach dem Lokalpolitiker Cord Ellerbrock benennen. „Er hatte sich jahrzehntelang zum Wohl der Stadt engagiert“, lautete seine Begründung. Der CDU-Abgeordnete hatte 39 Jahre aktiv in der Politik mitgearbeitet. Ellerbrock ist im November 2012 im Alter von 84 Jahren gestorben.

Franklin, Weyl, Ellerbrock – oder doch einfach Holzkoppel? Dafür plädierte OfS-Mann Andreas Wilken. XFEL-Pressesprecher Bernd Ebeling saß im Publikum und verfolgte die Diskussion. Nein, man werde keine schlaflosen Nächte haben, wenn es bei der Holzkoppel bleibe. „Aber wir sind verwöhnt. Unser Standort liegt jetzt am Albert-Einstein-Ring.“ Minuten später bekam Ebeling den Hermann-Weyl-Platz überreicht. Die „Frauen“ gingen bei diesem Namenslotto am Ende leer aus. Es bleibt dabei: In Schenefeld gibt es keine Straße und keinen Platz, der nach einer Frau benannt ist. Aber das „Geschlechter-Argument“ spielte überhaupt keine Rolle.

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