Erst trinken, dann Nest bauen : Helgoland will auf Plastik-Strohhalme verzichten

Stroh statt Plastikmüll: Dirk Hader vom Dünenrestaurant und Meeresbiologin Rebecca Störmer freuen sich über das Projekt  „Nesterhalme“, das Plastik-Trinkhalme durch Halme aus Stroh ersetzen soll.

Stroh statt Plastikmüll: Dirk Hader vom Dünenrestaurant und Meeresbiologin Rebecca Störmer freuen sich über das Projekt  „Nesterhalme“, das Plastik-Trinkhalme durch Halme aus Stroh ersetzen soll.

Die Nordseeinsel hat dem Plastikmüll den Kampf angesagt und will Plastik-Trinkhalme durch Halme aus echtem Stroh ersetzen.

shz.de von
15. August 2018, 10:00 Uhr

Helgoland | 37 Kilogramm Plastikmüll produziert jeder Deutsche im Jahr. Ein Viertel der Meeresverschmutzung ist auf Plastikmüll zurückzuführen. Nicht erst seit den alarmierenden Zahlen zur Meeresverschmutzung beschäftigt man sich auf Helgoland mit den Themen Müllvermeidung und umweltfreundliches Handeln.

Die Welt steht vor einer Plastikmüll-Krise. Nur etwa neun Prozent der neun Milliarden Tonnen Plastik, die bislang weltweit hergestellt werden, werden wiederverwertet, wie die Vereinten Nationen (UN) in ihrem neusten Bericht vom Juni feststellten. Besonders Einweg-Plastik ist aus ökologischer Sicht fatal: so seien jedes Jahr bis zu 5 Billionen Plastiktüten im Umlauf, heißt es im UN-Bericht.

Denn Umwelt- und Meeresschutz ist für eine Hochseeinsel, weit draußen in der Nordsee eine besonders wichtige Aufgabe. „Wir sind auf Schritt und Tritt von Tieren umgeben, die Helgoland als Stützpunkt in der Weite der Hochsee benötigen“, erklärt Helgolands Tourismusdirektor Lars Johannson. Andererseits suchten Urlauber auf der Insel Ruhe und Erholung. Alles was die Touristen bräuchten, müsse mit großem Aufwand auf die Insel  – und der Müll hinterher auch wieder aufs Festland gebracht werden, so Johannson weiter.

Um sowohl ökologisch als auch ökonomisch so sparsam wie möglich mit den Ressourcen umzugehen, will die Helogländer Politik in Kürze das Gesamtkonzept „Helgoland wird nachhaltig“ vorstellen.

Biologische Alternative

Als erstes geht es den bunten Trinkhalmen an den Kragen. Sie sollen durch ihren ursprünglichen Namensgeber, den „Stroh“-halm ersetzt werden.  Die Kurverwaltung und das Bielefelder Unternehmen Kampmann International haben die Initiative ergriffen und bieten mit biologischen Strohhalmen eine Alternative an, um Kunststoff-Trinkhalme umweltfreundlich zu ersetzen. Und nicht nur das: Möwen, Strandläufer und andere Vögel freuen sich sogar, falls die rundum natürlichen Strohhalme tatsächlich einmal vom Wind erfasst werden. Mit ihnen können sie als sinnvolle Zweitnutzung ungefährdet ihre Nester bauen. So wird aus dem Strohhalm der „Nesterhalm“. Alle Gastronomen auf der Insel sollen sich an der Initiative beteiligen. Der ‚Nesterhalme’ Kick-Off beginnt auf der Düne im Dünenrestaurant, dem sensibelsten Bereich Helgolands.

Pilotprojekt auf Helgoland

„Selbst der Aufdruck ist aus Lebensmittelfarbe und vollkommen biologisch abbaubar“, freut sich Ideengeber und Produzent der „Nesterhalme“ Jürgen Kampmann. Er hofft, dass das Pilotprojekt auf Helgoland künftig möglichst bundesweit viele Nachahmer findet. „Hier gibt es noch viel Optimierungsbedarf“, weiß der Bielefelder Geschäftsführer.

Seit einigen Jahren arbeiten Helgoländer daran, das Thema „Umweltschutz“ zu leben. Pionierin auf diesem Gebiet ist die Meeresbiologin Rebecca Störmer von sustainable me., die mit ihrem erfolgreichen Projekt ‚De Green Anna’ vor einigen Jahren den Startschuss gab. Anstelle von konventionellen Plastiktüten wurden bisher 30000 grüne Mehrwegtragetaschen, die zu 80 Prozent aus recycelten PET-Flaschen bestehen, erfolgreich in den Shops der Helgoländer Händler an die Frau und den Mann gebracht.

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