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Sommer in SH : Helgoland: Ein Urlaubsziel im Wandel der Zeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schon Heinrich Heine und Hoffmann von Fallersleben entspannten auf der Hochseeinsel. Was sich seitdem verändert hat.

von
erstellt am 16.Aug.2015 | 15:14 Uhr

Helgoland | Helgoland – Deutschlands einzige Hochseeinsel. Rund 70 Kilometer vom Festland entfernt hebt sich der rote Buntsandsteinfelsen aus der Nordsee und präsentiert eine besondere Flora und Fauna in einem milden, vom nahen Golfstrom begünstigten Hochseeklima. Dass das abgelegene Helgoland eine Oase der Ruhe ist, erkannte man früh, sodass 1826 ein Seebad gegründet wurde. Damals errichtete der Schiffszimmermann Jacob Andresen Siemens eine Badeanstalt auf der benachbarten Düne.

Der Tourismus wurde zum Wirtschaftszweig. Im ersten Sommer kamen etwa 100 Badegäste in das Seebad. Sie segelten in kleinen, offenen Booten herbei, die über zwölf Stunden unterwegs waren. „Das Ziel hat einfach gelockt“, erklärt Tourismusdirektor Klaus Furtmeier. Diese abenteuerliche Anreise ist heute kaum vorstellbar. Zum Beispiel bringt das Schiff „Funny Girl“ seine Gäste von Büsum in gut zweieinhalb Stunden auf die Insel. Von Hamburg und Wedel aus fährt der Katamaran „Halunder Jet“ auf die Hochseeinsel.

Als in der Vergangenheit auf die offenen Segelboote ab 1834 die ersten Raddampfer „Patriot“ und „Elbe“ folgten, stieg die Zahl der Badegäste rasch an, 1838 waren es bereits mehr als Tausend Dauergäste. Schnell sicherten sich die einheimischen Fischer das Privileg, die eintreffenden Gäste auszubooten.

Es kamen viele Schriftsteller und Intellektuelle auf die Insel. „Ich kann mir denken, dass der Kraftort Helgoland die kreativen Köpfe besonders inspiriert hat“, meint Furtmeier. Der Verleger Julius Campe machte hier regelmäßig Sommerurlaub, Heinrich Heine war in den Jahren 1829 und 1830 jeweils für zwei Monate auf der Insel und Hoffmann von Fallersleben dichtete während eines Ferienaufenthalts am 26. August 1841 das Lied der Deutschen, das heute als bundesdeutsche Nationalhymne dient.

Helgoland wurde immer beliebter. In der Saison 1886 zählte man bereits 8370 Badegäste. In dieser Zeit gehörte Helgoland noch zum Königreich Großbritannien. Erst mit dem „Vertrag über Kolonien und Helgoland“ von 1890 wurde Helgoland an Deutschland übergeben.

Der Aufstieg Helgolands als Ferieninsel hielt auch unter der deutschen Fahne an; im Jahre der Eingliederung 1890 wurden schon fast 13  000 Besucher gezählt. Und die Helgoländer trafen Entscheidungen, die den Tourismus förderten: 1892 wurde ein Badehaus mit Hallenschwimmbad und 1893 ein Musikpavillon in Betrieb genommen, 1897 das Nordsee-Museum eröffnet.

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die touristische Entwicklung. Da Helgoland als Marinestützpunkt diente, geriet die Insel ins Visier der Briten. Dabei bleibt ein Datum den Helgoländern für immer in Erinnerung: der 18. April 1945. Kurz vor Kriegsende verübte die britische Luftwaffe ein verheerendes Bombardement, bei dem 979 britische Flugzeuge innerhalb von 100 Minuten etwa 7000 Bomben abwarfen. 285 Menschen starben, vor allem Soldaten, Flak- und Marinehelfer. Die Inselbewohner suchten Schutz in den Luftschutzbunkern und wurden am nächsten Tag evakuiert. Zwei Jahre später, am 18. April 1947, zerstörten die Briten mit der bis heute größten nicht-nuklearen Sprengung der Geschichte die militärischen Bunkeranlagen der Insel. Um 13 Uhr zündeten sie 6700 Tonnen Sprengstoff. Ein gewaltiger Feuerstrahl und Tonnen Gesteins schossen in den Himmel. „Der Rauchpilz soll neun Kilometer in die Höhe gestiegen sein“, erzählt Furtmeier. Danach war Helgoland zunächst unbewohnbar. Erst 1952 gab man die Insel an Deutschland zurück und die Wiederbesiedelung konnte beginnen.

Schon während des Wiederaufbaus der Ortschaft besuchten Gäste die Insel. Es folgten einige Jahrzehnte mit bis zu 800.000 Besuchern. Vor allem Naturfreunde reisten an, um zum Beispiel den Basstölpel beim Brüten zu beobachten. Helgoland kommt zudem zugute, dass man hier zollfrei einkaufen kann. Denn was den Zoll betrifft, gilt die Hochseeinsel als Ausland und unterliegt damit nicht dem Steuerrecht der EU.

Seit einigen Jahren ist die Besucherzahl allerdings rückläufig und liegt mittlerweile bei nur noch 320.000 Gästen pro Jahr. „Die Zeiten der Butterfahrten sind seit Langem vorbei“, sagt Furtmeier, „heutzutage sind die Preise von zoll- und mehrwertsteuerfreien Produkten auf dem Festland nicht mehr viel höher als bei uns.“ Der Tourismusdirektor zählt auf der einen Seite zwar weniger Tagestouristen, andererseits jedoch deutlich mehr Urlauber, die länger als ein Tag bleiben. In den vergangenen zehn Jahren stieg diese Zahl um 30 Prozent.

Klar, dass Helgoland nach wie vor mit dem Image des Seebades wirbt. Die Pollenarmut auf der Insel hilft Allergikern wie Asthmatikern und die heilkräftigen Aerosole des Meeres wirken bei Atemwegserkrankungen. In der Nordsee schwimmen kann man auf Helgolands Badedüne, die rund einen Kilometer der Hauptinsel vorgelagert liegt. Ursprünglich war sie durch einen natürlichen Wall mit der Hauptinsel verbunden, doch eine Sturmflut in der Neujahrsnacht 1721 riss Insel und Düne auseinander. Durch die Trennung bleibt die Badedüne vom Tagestourismus fast unberührt und stellt ein Paradies für Urlauber dar, die Ruhe und Kontakt zur Natur suchen.

Sie mögen Helgoland? Dann wird Sie auch unsere Multimedia-Reportage über die Seenotretter der DGzRS auf dem "Roten Felsen" interessieren. Sie finden die Reportage unter helgoland.shz.de
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