Rats-Aussteiger ziehen Bilanz : Helga Kock (SPD): „Pinneberg braucht neue Kindergärten“

Helga Kock (66) gehörte der Pinneberger Ratsversammlung  19 Jahre lang an.
Helga Kock (66) gehörte der Pinneberger Ratsversammlung 19 Jahre lang an.

Die Sozialdemokration im Interview über die größten Herausforderungen für die Kreisstadt Pinneberg.

shz.de von
27. Juni 2018, 14:00 Uhr

Pinneberg | Wenn es um das Thema Geld ging, war Helga Kock jahrelang die richtige Ansprechpartnerin in der Pinneberger SPD. Nach fast zwei Jahrzehnten hat sie sich nun aus der Pinneberger Ratsversammlung verabschiedet. Im Interview spricht sie über Höhepunkte ihrer politischen Arbeit und das Verhältnis zur Verwaltung.

Frage: Was hat Ihnen an der Arbeit in der Ratsversammlung besondere Freude bereitet?

Helga Kock: Die Möglichkeit, etwas zu gestalten und eigene Ideen einzubringen. Um die durchzubringen und Mehrheiten zu finden, musste Überzeugungsarbeit geleistet werden. Nur so konnte man Partner gewinnen. Ich finde es gut, dass in der Kommunalpolitik Themen und Inhalte meistens wichtiger als Koalitionen sind.

Helga Kock (66)  gehörte der Pinneberger Ratsversammlung 19 Jahre an, engagiert sich seit 24 Jahren in der Kommunalpolitik und ist seit 1990 Mitglied der SPD. Die Finanzbuchhalterin ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter sowie zwei Enkelkinder.



Was gefiel Ihnen weniger gut?
Manche Redebeiträge, bei denen nur wiederholt wurde, was ohnehin schon gesagt war. Das bringt niemanden weiter und zieht Sitzungen unnötig in die Länge. Ich fand es auch nicht gut, dass ein CDU-Politiker erst Wahlkampf macht, gewählt wird und sich dann zurückzieht, damit eine bestimmte Person Fraktionsvorsitzender werden kann und in den Rat kommt. Das ist kein guter Stil und in meinen Augen fast schon Wahlbetrug.

Wie beurteilen Sie das Ergebnis der Kommunalwahl?
Es war für mich keine große Überraschung. Ich hatte damit gerechnet, dass die Grünen viele Stimmen dazu gewinnen. Das lag aber nicht unbedingt an deren guter Politik, sondern daran, dass Themen wie die Schulsanierung aufgebauscht und überzogen kommentiert wurden – teilweise auch mit Argumenten, die nicht unbedingt richtig waren. Das grenzte schon an Populismus.

Was waren die Höhe- und die Tiefpunkte Ihrer Zeit in der Ratsversammlung?
Ich habe mich gefreut, wenn wir für unsere Vorschläge Mehrheiten fanden. So wurde beispielsweise das Gelände der ehemaligen Eggerstedt-Kaserne so entwickelt, wie wir es uns vorgestellt haben. Geärgert habe ich mich darüber, dass Beschlüsse des Rats nicht umgesetzt wurden und unter anderem die Schulsanierung nicht voran kam, obwohl die Politik dafür Gelder bewilligt hatte.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?
Sie könnte besser sein. Es ist für die Politik alles andere als angenehm, wenn immer wieder festgestellt wird, dass von der Verwaltung etwas nicht getan wurde und erst auf Nachfrage erklärt wird, warum nichts passierte. Ein Beispiel dafür war die Umwandlung der Ernst-Paasch-Halle in ein Kulturzentrum. Bei diesem Thema entstand der Eindruck, dass es nicht darum ging, etwas zu ermöglichen, sondern vor allem darum, etwas zu verhindern.

Bleiben Sie weiter politisch aktiv?
Ein bisschen. Ich werde bürgerliches Mitglied des Finanzausschusses sein – allerdings nur als Ersatz, wenn jemand anderes aus meiner Partei ausfällt. Ansonsten ist es aus meiner Sicht an der Zeit, die Jüngeren stärker nach vorne zu bringen. Ich bin aber weiter ehrenamtlich tätig und unterstütze die Pinneberger Tafel und den Betreuungsverein Pinneberg.

Haben Ihnen als gelernte Finanzbuchhalterin die Pinneberger Haushalte Freude bereitet?
Nein, solche Kalkulationen hätte ich meinen Arbeitgebern nicht vorlegen dürfen. Mein Traum war immer, dass wir mal einen ausgeglichenen Haushalt verabschieden. Ich war auch lange optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen. Inzwischen ist die Hoffnung nicht mehr so groß.

Vor welchen Herausforderungen steht Pinneberg in den kommenden Jahren?

Wir brauchen endlich zeitnahe Jahresabschlüsse, um genau zu wissen, wo die Stadt finanziell steht. Auch die Schulsanierungen werden uns weiterhin beschäftigen. Die Schulen müssen in einem vernünftigen Zustand sein, damit die Kinder gern zur Schule gehen. Bei den Kindergärten gibt es ebenfalls einen Sanierungsstau. Wir haben außerdem zu wenig Kita-Plätze in Pinneberg. Die Stadt braucht deshalb neue Kindergärten. An deren Bau führt kein Weg vorbei. Gespannt bin ich darüber hinaus auf die Umsetzung des Sportentwicklungsplans, die einige Millionen kosten wird. Die Finanzierung dürfte für einige Diskussionen sorgen. Um zumindest alle möglichen Fördermittel abzugreifen, muss sich im Rathaus jemand nur um dieses Thema kümmern. Wenn das nur nebenbei geschieht, werden vielleicht Personalkosten gespart, aber dafür gehen viele Zuschüsse verloren.


Lesen Sie am Mittwoch, 4.  Juli, das Rückblick-Interview mit Carl-Eric Pudor (CDU) im Pinneberger Tagbelatt.

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