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Flüchtlingshilfe in Bönningstedt : Helfer planen eine Nähwerkstatt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ehrenamtliche suchen Geräte, Stoffe und weitere Freiwillige. Kulturelle Unterschiede werden langsam überwunden.

Bönningstedt | Seit gut einem Jahr sind in Bönningstedt geflüchtete Menschen aus verschiedenen Ländern untergebracht. Genauso lange gibt es einen Kreis von Freiwilligen, der den Fremden hilft, sich im Alltag zurecht zu finden. Von Anfang an stellte Pastor Christopher Fock den ehrenamtlichen Helfern die Räume der Kirchengemeinde für Besprechungen und Treffen zur Verfügung. Nun zieht er eine Bilanz der bisherigen Arbeit.

„Zurzeit sind 62 Flüchtlinge in Bönningstedt untergebracht, kommende Woche sollen weitere sieben hier ein neues Zuhause finden“, berichtete Fock. Drei weitere Personen wohnten derzeit noch außerhalb des Orts. Da das Land nach und nach die Erstaufnahmelager räume, würden weitere Menschen auf die Kommunen verteilt, obwohl inzwischen deutlich weniger Menschen in Deutschland einträfen. Die Geflüchteten kommen aus Syrien (22), Afghanistan (14), Inguschetien (9), dem Jemen (8), Armenien (4), dem Kosovo (3), Eritrea (2), dem Iran (2) und dem Irak (1). „Momentan sind 20 Kinder darunter“, sagte Fock.

„Dank einer Reihe von Sprachmittlern klappt die Verständigung inzwischen recht gut“, berichtete Fock. Die Menschen aus Inguschetien, Armenien und dem Kosovo beherrschten die russische Sprache, mit allen anderen sei die Kommunikation auf Arabisch möglich.

„Es ist auch sehr hilfreich, dass wir einen Helfer mit ägyptischen Wurzeln haben, der als Sozialpädagoge unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Hamburg betreut“, berichtete der Pastor. Dank seiner Kenntnisse der kulturellen Unterschiede hätte so manches Missverständnis ausgeräumt werden können. „Zum Beispiel die Regeln für die Begrüßung: Die Hand zu geben und sich in die Augen zu sehen, ist in einigen Kulturen völlig unüblich“, nannte Fock als Beispiel. Auch das Ausziehen der Schuhe in der Wohnung sei für viele eine Selbstverständlichkeit.

14-tägig gibt es das Café International

„Wir mussten andere Sitten und Gebräuche erst einmal kennenlernen – und sie sich an unsere gewöhnen“, sagte er. Auch Unterschiede in der Diskussionskultur konnte er ausmachen. „Wenn ich etwas angeboten habe, zum Beispiel eine Tasse Kaffee, lautete die Antwort grundsätzlich erst einmal ,Nein‘ – bis ich dann verstanden hatte, dass das dort ein Gebot der Höflichkeit ist und ich mehrfach anbieten muss, bis es angenommen wird“, so Focks Erfahrung.

Unüblich sei auch, Kritik direkt vorzubringen. „Es funktioniert dann, wenn mit einer Geschichte blumig umschrieben wird, worum es geht – etwa, dass es ein Kind in der Schule gibt, das manchmal von anderen gepiesackt wird und einen Beschützer braucht, statt zu sagen ,Du darfst andere Kinder nicht ärgern‘“, berichtete Fock. Die angebotenen Deutschkurse würden gut angenommen, auch die Weitergabe von Informationen untereinander funktioniere gut. „Alle 14 Tage veranstalten wir das Café International, zu dem zwischen 30 und 45 Besucher kommen“, sagte der Pastor. In einer Fahrradwerkstatt würden Zweiräder repariert und gepflegt, viele der Geflüchteten hätten sich auch an der Aktion „Sauberes Dorf“ beteiligt.

„Als Nächstes wollen wir eine Nähwerkstatt für Frauen einrichten“, kündigte Fock an. Dazu würden Nähmaschinen Stoffe, Garne und Frauen gesucht, die andere anleiten könnten. „Die Hilfsbereitschaft der Bönningstedter war bislang sehr, sehr hoch – ich hoffe, dass wir auch dieses Projekt umsetzten können“, sagte Fock.

Wer die Flüchtlingshelfer unterstützen möchte, könne sich mit Fock unter Telefon 0157-39290277 oder per E-Mail in Verbindung setzen unter pastor.fock@kirche-boenningstedt.de
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erstellt am 27.Apr.2016 | 16:00 Uhr

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