Serie zur neuen Ausgabe : Heimatkundliches Jahrbuch: Als Frauen die Politik im Kreis Pinneberg eroberten

Studioline2.jpg von 01. Dezember 2020, 13:15 Uhr

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Charlotte Hahn zog als eine der ersten Frauen ins Uetersener Stadtparlament ein.
Charlotte Hahn zog als eine der ersten Frauen ins Uetersener Stadtparlament ein.

In sechs Teilen stellen wir ausgewählte Stücke aus der 2021er-Ausgabe des Jahrbuchs vor. Heute: Frauen in neue Rollen.

Kreis Pinneberg | Der Heimatverband des Kreises Pinneberg veröffentlicht in seinem aktuellen Jahrbuch die Geschichte der Region in Form von 17 Beiträgen. Wir stellen einige davon vor. Im ersten Teil: „Frauen in neuen Rollen während der Weimarer Republik am Beispiel von Uetersen und Umgebung“ von Annette Schlapkohl. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik setzte in Deutschland in vielen gesellschaftlichen Bereichen ein Wandel ein. Dazu gehörte, dass Frauen ab November 1918 das aktive und passive Wahlrecht erhielten. Wie der Artikel von Annette Schlapkohl zeigt, bedeutete die formale Durchsetzung dieses Rechts allerdings noch keineswegs tatsächliche Chancengleichheit. Deutlich wird das in den harten Auseinandersetzungen, die jene Frauen führen mussten, die im Frühjahr 1919 für die Uetersener Ratsversammlung kandidieren wollten. Einspruch gegen Frauen in Uetersen Zunächst sah alles für die Frauen noch ganz gut aus: Bei der ersten Zusammenkunft zur Aufstellung einer bürgerlichen Liste in Konkurrenz zur Liste der Sozialdemokraten wurden unter insgesamt 24 Kandidaten auch drei Frauen auf den Plätzen 5, 11 und 21 aufgenommen. Weiterlesen: Frauenrechte, Wölfe, Dichter: Heimatverband stellt Jahrbuch 2021 vor Doch dabei blieb es nicht: Verschiedene Interessenverbände erhoben Einspruch und wollten ihre eigenen Kandidaten berücksichtigt wissen. Von den Innungsvorsitzenden des Handwerks hieß es, es bestehe „noch keine dringende Notwendigkeit (...) eine Frau ins Stadtparlament hineinzuwählen. Dieser Sitz sollte lieber einem Mann, vielleicht einem Handwerker überlassen werden“. Den Frauen wurde vorgeworfen, noch keine politische Erfahrung vorweisen zu können. Doch, wie Autorin Schlapkohl schreibt, wurde nicht in Erwägung gezogen, „dass dies auch für jeden Mann galt, der neu in dieses Amt kam – und das waren im Jahr 1919 nicht wenige“. Jedenfalls rutschten zwei der Frauen von den Plätzen 5 und 11 auf die Plätze 11 und 12. Die Sozialdemokraten stellten nur eine einzige Frau auf, auf Platz 19. Eigene Liste für die Kommunalwahl Kurzerhand gründeten die Uetersener Frauen eine eigene Frauenliste für die Kommunalwahl. Auf der Liste der „vereinigten Frauen“ kandidierten auf den Plätzen 1 und 2 Frauen, auf den Plätzen 3 und 4 Männer. Es schloss sich ein hitziger Wahlkampf an. Schließlich zogen über die Frauenliste Lisbeth Haas und Charlotte Hahn die ersten beiden Frauen ins Uetersener Stadtparlament ein. Über Hahn ist bekannt, dass sie von 1879 bis 1960 lebte und Kauffrau war. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1931 betrieb sie das Bekleidungsgeschäft „Hahn und Voigt“ in der heutigen Meßtorffstraße. Sie hatte drei Kinder und starb mit 81 Jahren in Uetersen. Jedes Jahr gibt der Heimatverband des Kreises Pinneberg ein Buch mit Beiträgen zur Regionalgeschichte im Kreis Pinneberg heraus. Die Autoren decken ein breites Spektrum ab, von Frauen- bis zur Sportgeschichte, vom Mittelalter bis in die Neuzeit, vom Personen- bis zum Denkmalportrait. Der 54. Band, das „Heimatkundliche Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 2021“ ist gerade erschienen – er ist im Buchhandel zum Preis von 17,80 Euro erhältlich....

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