zur Navigation springen

Bönningstedt : Heimatkundestunde im Kulturzentrum

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Lokal-Historiker berichten über weltberühmte Bönningstedter Schausteller.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Bönningstedt | Der jüngste Vortrag, den der Bönningstedter Seniorenbeirat organisierte, drehte sich inhaltlich um das Thema Heimatkunde. Norbert Murr und Joachim Czolbe referierten vor 50 Interessierten über die Geschichte der Schaustellerfamilien Schippers und van der Ville, die mit Bönningstedt eng verbunden waren.

Gegründet von Josef Schippers (1885 – 1948) und Otto Ernst Wilhelm van der Ville (zirka 1890 – 1956) existierte die Firma von 1912 bis 1967 und wurde in dieser Zeit weltberühmt. Die Eigentümer kauften 1936 eine Rundhalle in der Dorfstraße von Bönningstedt, die einst dem Zirkus Hagenbeck als Übungsmanege für den Winterbetrieb gedient hatte.

Dafür hatte es extra ein Gütergleis der AKN gegeben, von wo aus über den sogenannten Elefantenstieg mit den Dickhäutern schwere Lasten transportiert werden konnten. Bis heute halten sich Gerüchte, dass dort irgendwo ein Elefant begraben sein soll. Die Rampe, so steuerte einer der Zuhörer bei, wurde im Winter von den Kindern des Dorfs als Rodelberg genutzt. Das graue Granitpflaster sei noch immer vorhanden, wie Murr zu berichten wusste. Er hatte Teile davon freigelegt.

Josef Schippers war mit 16 Jahren schon 2,17 Meter groß. Als Schlachterlehrling wurde er von einem Schausteller entdeckt und zog mit ihm durch die Lande. Er wurde später Gardesoldat. Da maß er schon 2,39 Meter. Van der Ville hatte Fahrgeschäfte. Gemeinsam gründeten sie 1912 ihre Firma. 1923 kauften sie in Altona eine Fabrik mit einer Halle mit 2500 Plätzen. Nach und nach avancierten Schippers und van der Ville zu den größten Schaustellern und den bekanntensten Hersteller von Fahrgeschäften weltweit.

Nach der Zerstörung Hamburgs 1943 zog Familie Schippers nach Bönningstedt und lebte zunächst in sehr luxuriösen Wohnwagen. Schippers Sohn Josef, dessen Kinder in Bönningstedt zur Schule gingen, organisierte in den 1950er Jahren an der hiesigen Schule mehrtägige Volksfeste mit Feuerwerk.

Bei der Weltausstellung 1958 in Brüssel war die Firma mit einer Riesenachterbahn vertreten. An den Aufbau konnte sich Besucher Werner Dreyer, der seit 85 Jahren in Bönningstedt lebt, noch gut erinnern. Er arbeitete 34 Jahre lang bei der Zimmerei Ostermann, die oft Aufträge der Schausteller übernahm.

Zeitzeuge Dreyer lobte den Vortrag. „Vieles war mir bekannt, aber ich habe auch einiges Neues gehört.“ Auch die Referenten lernten von den Besuchern dazu: so zum Beispiel, dass Josef Schippers junior die Winzeldorfer Jagd pachten wollte und sein Sohn Horst bei den Schaustellern auf dem Heiliggeistfeld in Ungnade gefallen war.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen