Das Sonntagsgespräch : Hassan Waseem: „Der Flüchtlingsboom tut unserem Sport gut“

Mehrere Aufgaben: Hassan Waseem ist nicht nur Leiter der Kummerfelder Cricket-Abteilung, sondern auch Integrationslotse des Landessportverbands.

Mehrere Aufgaben: Hassan Waseem ist nicht nur Leiter der Kummerfelder Cricket-Abteilung, sondern auch Integrationslotse des Landessportverbands.

Hassan Waseem, Leiter der Cricket-Sparte im Kummerfelder SV, über Erfolge und Integration.

shz.de von
17. Juni 2018, 12:00 Uhr

Wedel | Hassan Waseem hat 2016 die Cricket-Abteilung im Kummerfelder SV ins Leben gerufen, die in Rekordzeit zum Aushängeschild des Vereins wurde und derzeit als Aufsteiger in der Bundesliga ganz oben mitmischt. Im Sonntagsgespräch erklärt Waseem, warum die Cricketspieler nicht nur sportliche Höchstleistungen abliefern, sondern auch ein Beispiel für gelungene Integration sind.

Wie kam es, dass Kummerfeld zur Cricket-Hochburg in Schleswig-Holstein wurde?
Mein Sohn fing vor drei Jahren an, in Kummerfeld Fußball zu spielen. Da ich häufiger beim Training zuschaute, fragte mich der Trainer, ob ich ihn unterstützen wollte. Als Jugendtrainer lernte ich den Vorstand des Kummerfelder SV kennen und sprach diesen an, ob eine Cricket-Abteilung in Kummerfeld vorstellbar sei. Die Idee kam gut an und im September 2016 ging es los. Bevor wir starteten, spielte ich beim HSV Cricket.

Hassan Waseem (32) ist Spieler und Abteilungsleiter in der Cricket-Abteilung des Kummerfelder SV. Er ist Kfz-Sachverständiger und Taxiunternehmer, wohnt in Pinneberg, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Was fasziniert Sie an der Sportart?
Die meisten wissen gar nicht, dass Cricket die zweitbeliebteste Sportart der Welt ist. Weltmeisterschaftsspiele locken teilweise mehr als 80000 Zuschauer in die Stadien. Das Eröffnungsspiel der letzten WM zwischen Pakistan und Indien haben etwa 2,5 Milliarden Menschen verfolgt. In England und in den Staaten des Commonwealth ist Cricket Nationalsport. Meine Begeisterung ist durch meine Frau entstanden. Sie stammt aus Pakistan und hat mir den Sport nahegebracht. Vorher war ich Fußballer.

Warum wächst die Cricket-Abteilung in Kummerfeld so rasant?
Der Flüchtlingsboom tut unserem Sport gut. Viele Flüchtlinge kommen aus Ländern, in denen Cricket sehr beliebt ist. Sie freuen sich, dass sie ihren Sport auch in ihrer neuen Heimat ausüben können. Dadurch ist die Zahl der Cricket-Vereine in Deutschland von etwa 70 auf 350 angestiegen.

Hilft der Sport bei der Integration?
Auf jeden Fall. Integration gelingt nur, wenn man gemeinsam etwas macht. Deswegen ist es optimal, wenn jemand den Sport ausübt, den er bereits kennt. Mehr als 70 Prozent unserer Spieler  sind Flüchtlinge. Deswegen habe ich vom Landessportverband auch das Angebot bekommen, Integrationslotse zu werden. Dadurch bin ich nicht mehr nur für Kummerfeld zuständig, sondern habe beispielsweise bei der Gründung einer Cricket-Sparte in Lübeck geholfen. Auch im Kreis Pinneberg will ein weiterer Verein Cricket in sein Angebot aufnehmen.

Was braucht man, um Cricket zu spielen?
Die Ausrüstung ist leider sehr teuer. Schläger, Schienbeinschützer, Helm, Handschuhe – insgesamt liegen die Kosten bei etwa 1000 Euro. So viel Geld haben die meisten Flüchtlinge nicht. Deswegen sind wir dem Landessportverband dankbar, dass er uns unterstützt. Auch viele Sponsoren haben uns schon geholfen. Weitere Helfer könnten wir aber dringend gebrauchen.

Wie viele Nationalitäten sind in der Kummerfelder Mannschaft vertreten?
Es sind auf alle mehr als zehn Nationalitäten. Unter Sportlern ist die Verständigung kein Problem. Unsere Trainingseinheiten sind alle auf Deutsch. Dadurch wollen wir die Flüchtlinge motivieren, die deutsche Sprache zu lernen. Das ist für die Integration zwingend erforderlich. Und im Notfall ist immer ein Dolmetscher da.

Wie viele Mitglieder hat die Cricket-Abteilung?
Wir haben mit 20 Spielern angefangen. Inzwischen sind es etwa 100 und wir haben sogar eine eigene Kinder- und Jugendabteilung. Ich glaube, dass sich die Popularität unserer Sportart dank der vielen Flüchtlinge in den kommenden Jahren stark vergrößern wird. Mittlerweile gibt es etwa 7000 Aktive in Deutschland, fast täglich entsteht irgendwo eine Cricket-Abteilung. Damit Cricket noch populärer wird, brauchen wir aber auch eine erfolgreiche Nationalmannschaft. Die ist in jeder Sportart das Zugpferd.

Was sind die wichtigsten Regeln beim Cricket?
Beim Cricket stehen der Werfer (Bowler) und der Schlagmann (Batsman) im Mittelpunkt. Der Bowler versucht, den Batsman zu einem Fehler zu bewegen, damit dieser ausscheidet, der Batsman seinerseits versucht, den Ball wegzuschlagen, um Punkte (Runs) zu erzielen. Das ist also ähnlich wie beim Baseball. Jedes Team hat elf Spieler.

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