Gewerbegebietserweiterung Rellingen : Hass+Hatje: Appell an die Ehre

Anlieger-Protest prallt an Mehrheit im Bauausschuss ab. Verwaltung bereitet Planaufstellungsbeschluss vor.

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18. Juni 2015, 14:00 Uhr

Rellingen | Wolfhart Pauksch ist enttäuscht. Der Sprecher der Anlieger-Interessengemeinschaft (AIG) gegen den weiteren Ausbau des Rellinger Hass+Hatje-Komplexes hatte in einem sachlichen Appell während der Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend an die Ehre der Politiker appelliert, zu ihrem 14 Jahre alten Versprechen zu stehen. Das lautet: Es soll zu keiner weiteren Gewerbegebietserweiterung kommen. Ohne Erfolg: Mit acht Ja-Stimmen gegen zwei Nein-Stimmen (Rolf-Rüdiger Schmidt, CDU und Eva Dieckmann, Grüne) und einer Enthaltung (Dr. Konrad Wolf, Grüne) wurde die Verwaltung beauftragt, ein „Planungserfordernis zu prüfen und zu formulieren. Zudem soll ein Planungsaufstellungsbeschluss vorbereitet“ werden.

Zum Verständnis: Das Bauzentrum Hass+Hatje will zu dem vorhandenen hagebau-Markt und dem Baustoffhandel an der Eichenstraße mit 217 Mitarbeitern auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule Stoldt eine zweite Halle – mit 3344 Quadratmetern so groß wie die vorhandene – sowie 103 neue Stellplätze für die Mitarbeiter errichten. Ziel sei die „Erweiterung der Lagerkapazität und Optimierung von innerbetrieblichen Prozessen sowie eine bessere Stellplatzsituation für die Beschäftigten“. Der bestehende Baumarkt soll nicht erweitert, die Zahl der Mitarbeiter vorerst nicht erhöht werden.

Im Fokus steht eine „vorhabenbezogene Änderung des Bebauungsplans 47“. Der Beschluss im Ratssitzungssaal sei nach Meinung von Pauksch ein Vorgeplänkel, Verwaltung und Politik sprechen von einer „Vorstufe für das umfangreiche Prozedere bis hin zu einer möglichen Änderung des B-Plans“.

Fakt ist: Die von Hass+Hatje in Auftrag gegebenen Gutachten sind seit dem Beschluss öffentlich. Pauksch, der noch kurz vor der Sitzung 138 Protestunterschriften im Rathaus abgegeben hatte, wolle mit seinen Nachbarn das Ergebnis auf Herz und Nieren prüfen. Mit einem Rechtsbeistand an der Seite. Es geht laut Pauksch, der mit 40 Mitstreitern im Rathaus erschienen war, um die Versiegelung von 18  000 Quadratmeter Fläche, um mögliches Absinken von Grundwasser (das Areal liegt im Pinnau-Ursprungstal), um Lärm- und Emissionsschutz, um mögliche Risse an Häusern. Es gehe um eine positive Bauvoranfrage für etwa 30 Wohneinheiten auf dem ehemaligen Gelände der Baumschule Stoldt, die vorliege. Pauksch sagte am Ende der Sitzung: „Ich finde es schade, wenn wir als Bewohner die Kommune verklagen müssen.“

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