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Sondersitzung des Bau- und Sozialausschusses : Hasloh will mehr Wohnraum schaffen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Gremien sprechen sich einstimmig für eine Lösung mit nachhaltigen und variablen Gebäuden aus.

Hasloh | Es war ein Vortrag im November, der das Hasloher Gemeinderatsmitglied Kay Löhr (FDP) aufhorchen ließ: Die Machbarkeitsstudie zur Schaffung von Flüchtlingswohnungen im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung. Während der Sondersitzung des Bau- und des Sozialausschusses stellte Löhr den Gremien das sogenannte Kieler Modell vor.

„Es geht darum, wie möglichst kurzfristig kostengünstige und eben auch nachhaltige Unterkünfte geschaffen werden können“, erläuterte Löhr. Durch die flexible Gestaltung und Kombination einzelner Module könne nicht nur der Situation von Flüchtlingen Rechnung getragen werden, sondern der Wohnraum auch später problemlos und preiswert den Bedürfnissen von Familien, Senioren oder Studenten angepasst werden.

„In der Rohbauweise gibt es sieben Varianten – die Kosten reichen vom massiven Kalksandstein mit Wärmedämmverbundsystem für 157 Euro pro Quadratmeter Außenwand bis zu vorgefertigtem Leichtbeton mit Verblender für 297 Euro pro Quadratmeter Außenwand“, beschrieb Löhr die Bandbreite der Möglichkeiten. Zeitsparend und kostengünstig sei das Modell dadurch, dass bestimmte Planungsphasen bereits vorgegeben seien und nicht durch den Architekten erarbeitet werden müssten.

Der Grundriss der nach dem „Kieler Modell“ geplanten Gebäude ist gekennzeichnet durch zwei Seitenflügel mit Gemeinschaftsräumen in der Mitte. Die unterschiedliche Anordnung der Räume in den Flügeln ermöglicht sowohl Familien als auch einzelnen Personen oder Paaren die Wahrung von Rückzugsmöglichkeiten – und damit der Privatsphäre. Das Modell empfiehlt pro Person  sechs Quadratmeter individuell plus zwei Quadratmeter gemeinschaftlich genutzten Raums.
Im zentralen Mittelbereich können Gemeinschaftsküchen, Spiel-, Lern-, Gebets- oder auch Beratungsräume untergebracht werden. Bei einer späteren Umgestaltung ist hier der Einbau von Aufzügen vorgesehen.
Für die Folgenutzung können die Wohnbereiche mit einfachen Mitteln zu Wohnungen umgebaut werden: Die Leichtbauwände zwischen Einzelzimmern werden entfernt, so dass ein Wohn- und Essbereich mit angrenzender Küche eingebaut werden kann. Auch das Anbringen eines Balkons ist nachträglich möglich. Räume im Mitteltrakt können mittels Wohnungstrennwänden in Ein-Zimmer-Appartments verwandelt oder als Abstellräume weiterverwendet werden.
Der Modulgrundriss ermöglicht zudem, auf unterschiedliche städtebauliche und quantitative Anforderungen zu reagieren. Dies betrifft die Anzahl der Etagen, die Dachform, das Verschieben der Flügel sowie die Anordnung der Häuser in Reihen oder Gruppen.

Je nach Gestaltung könnten bis zu 24 Personen in einer Etage untergebracht werden, erläuterte Löhr. Dies warf die Frage auf, inwieweit bei einer mehrgeschossigen Bauweise die Idee der dezentralen Unterbringung noch gewährleistet sei. „Ich halte die dezentrale Unterbringung nach wie vor für wichtig – 20 bis 24 Personen pro Stadtort geht, mehr sollten es aber nicht sein“, sagte Beate Haines (SPD).

Eileen Rohrbach (SPD) gab zu bedenken, dass es günstiger sei, ein zweigeschossiges Gebäude, als an zwei Standorten jeweils eingeschossig zu bauen. „Wäre eine Mischung aus einem Stockwerk Flüchtlingsunterkunft und einem Stockwerk Sozialwohnungen möglich?“, stellte sie eine Überlegung in den Raum. „Langfristig müssen wir ohnehin den Schwerpunkt auf Sozialwohnungen setzen – für die, die hier bleiben werden“, sagte Eckhard Stapelfeldt (FDP).

Einigkeit über ide Höhe der Gebäude konnte zwar nicht erzielt werden, wohl aber über die Aufteilung der Räume. „Die flexibelste Lösung ist eine Mischform mit einer Sanitäreinheit für jeweils drei Zimmer und zwei Gemeinschaftsküchen für jeweils zwölf Personen“, schlug Löhr vor. Einig waren sie die Gremien auch darin, dass nach Möglichkeit keine Container aufgestellt, sondern die feste Bauweise favorisiert werde.

Beide Gremien votierten einstimmig für den gemeinsam formulierten Beschlussvorschlag: Die Verwaltung wird beauftragt, innerhalb von drei Wochen nach einem Architekten zu suchen oder einen zu benennen, der das Bauprojekt in Anlehnung an das „Kieler Modell“ planen und auch umsetzen kann.

INFO Das ist das „Kieler Modell“

Das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein beauftragte Ende 2014 den Verein „Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen“ (ARGE) mit der Entwicklung eines Modells, mit dem möglichst kurzfristig Wohnraum für dezentrale Gemeinschaftsunterkünfte überall im Land geschaffen werden können. Maßgebliches Ziel war auch, dass sowohl die Schleswig-Holsteinischen Förderrichtlinien  für Asylbewerber als auch die für geförderten Wohnungsbau erfüllt werden. 

Im zweiten Schritt arbeiteten zwei Stadtplanungs- und Architekturbüros die konkreten Pläne aus und benannten die dafür anfallenden Kosten.  Um den Bauherren eine größere Bandbreite an Varianten zu präsentieren, wurden bei der Ausführung sieben verschiedene Baumaterialien berücksichtigt. Durch diese Vorplanungen entfallen für diejenigen, die das Modell anwenden wollen – also Baugenossenschaften, Städte, Gemeinden und Investoren – Kosten in der Planungsphase.

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erstellt am 17.Feb.2016 | 12:30 Uhr

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