Hasloh sagt ja zu Asylbewerbern

Allein in fremder Umgebung: Außer Wohnraum soll für Flüchtlinge auch die soziale Betreuung gewährleistet werden.
Allein in fremder Umgebung: Außer Wohnraum soll für Flüchtlinge auch die soziale Betreuung gewährleistet werden.

Sozialausschuss empfiehlt nach intensiver Diskussion der Gemeindevertretung die Aufnahme von Flüchtlingen im Dorf

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05. Juli 2014, 14:30 Uhr

Am Ende waren sich die Mitglieder des Hasloher Sozialausschusses einig: Statt Asylbewerber wie bisher in Pensionen oder ähnlichen Einrichtungen im Kreisgebiet unterzubringen, will die Gemeinde versuchen, selbst Wohnraum für Flüchtlinge anzubieten.

Was sich zunächst nach einer Veränderung anhört, die mit einem Federstrich umgesetzt werden kann, ist jedoch eine weitreichende Entscheidung, deren Gründe in erster Linie finanzieller Natur sind.


Gemeinde sucht nach Wohnraum


„Die Finanzierung des Kreises für alle Kosten der Unterbringung fällt in Zukunft weg“, erläuterte die Ausschussvorsitzende Anne Worthmann (CDU). Dies bedeute, dass die bisherige Bezahlung der Unterbringung von 24 Euro pro Tag pro Person vom Kreis nur noch zwei Monate lang übernommen werde, erklärte Volker Dentzin, Fachbereichsleiter der Quickborner Verwaltungsgemeinschaft.

Danach bezahle der Kreis lediglich die Summe, die laut Sozialgesetzbuch eine angemessene Wohnung kosten würde. Den Rest müsse die Gemeinde, der der Flüchtling zugewiesen wurde, drauflegen. „Nehmen wir als Beispiel eine fünfköpfige Familie: Bislang wurden 3600 Euro pro Monat für eine Pension bezahlt – für eine Wohnung wären es zirka 800 Euro im Monat. Aufs Jahr gerechnet müsste Hasloh dann 33 600 Euro draufzahlen“, verdeutlichte Dentzin. Zwar sei dies für die Verwaltung die einfachere Lösung, auf die Gemeinde kämen jedoch immer mehr Kosten zu, da mit einem Anstieg von Flüchtlingen – und damit einer höheren Aufnahmequote für jeden Ort – noch in diesem Jahr zu rechnen sei.

„In Quickborn hat die Stadt Wohnungen angemietet, was jedoch auch bedeutet, dass mit dem Vermieter Gespräche geführt werden müssen und bei Häusern Kosten für die Pflege der Außenanlagen anfallen können“, so Dentzin weiter. Dennoch sei dieser Weg deutlich günstiger als die Variante der Unterbringung in Pensionen. „Der erste Schritt wäre jetzt, einen Aufruf mit der Suche nach Wohnraum zu starten“, sagte Dentzin.

„Was ist mit gemeindeeigenen Gebäuden, die sanierungsbedürftig sind – gibt es Zuschüsse?“, wollte Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) wissen. Eine Refinanzierung der Investition könne durch die Mieteinnahmen erreicht werden, erklärte Dentzin. „Investitionskostenzuschüsse gibt es derzeit nicht, es laufen jedoch Gespräche darüber – das Problem ist erkannt“, so Dentzin.

„Wie gestaltet sich der Alltag von Asylbewerbern?“, war ein weiterer Aspekt der Debatte. Vor der Anerkennung als Flüchtling sei praktisch kein geordneter Alltag möglich, beschrieb Dentzin die Situation. Um so wichtiger sei es, in dieser Zeit soziale Betreuung zu gewährleisten. „In Quickborn arbeitet das diakonische Werk eng mit dem Ehrenamt zusammen – den Kontakt kann ich gern herstellen“, bot der Fachmann an. Daraufhin entschieden sich die Politiker, eine Unterbringung in Hasloh zu befürworten.

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