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Pinneberger Tageblatt

20. September 2017 | 18:41 Uhr

Gericht in Pinneberg : Handwerker ohne Schutz?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Beschäftigte des Amtsgerichts bemängeln in einem Schreiben an die Justizministerin auch fehlende Sicherheitsausrüstung der Arbeiter.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2015 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Lärm und Staub machen den Mitarbeitern des Pinneberger Amtsgerichts zu schaffen, seit ihr Dienstgebäude saniert wird. Deswegen haben sie sich bei Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) über die Arbeitsbedingungen beschwert. In dem Schreiben bemängeln die Absender auch, dass sich Handwerker nicht an Schutzregeln hielten. Bauarbeiter hätten ohne Schutzkleidung teils unverpackte Mineraldämmwolle durch das Gebäude getragen. Arbeiten mit Presslufthämmern seien ohne Gehör- und Gesichtsschutz erledigt worden.

Die staatliche Arbeitsschutzbehörde bei der Unfallkasse Nord hat nach eigenen Angaben allerdings bisher keine Erkenntnisse über Verstöße. „Uns liegen bisher keine Anzeigen vor. Die Baustelle ist auch noch nicht inspiziert worden“, sagte Klaudia Gottheit, Pressesprecherin der Unfallkasse Nord. Der Besuch von Baustellen erfolge gewöhnlich nach konkreten Hinweisen, auf Anzeige oder als Stichprobe. Die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) hat bisher nicht auf eine am vergangenen Freitag gestellte Anfrage dieser Zeitung geantwortet. Die GMSH ist als Bauherrin für die Sanierung verantwortlich. Die Mitarbeiter des Gerichts hatten dem Staatsunternehmen Mängel in der Planung vorgeworfen.

Das Justizministerium hatte am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung zugesagt, sich für eine schnelle Lösung des Problems einzusetzen. Spoorendonk hatte den Mitarbeitern, deren Brief am vergangenen Mittwoch eingegangen sei, noch am selben Tag geantwortet. Am Mittwoch habe es ein Gespräch zwischen der GMSH, des für die GMSH zuständigen Finanzministeriums und einer Vertreterin des Justizministeriums gegeben. Ergebnis: Es soll geprüft werden, ob sich lärmfreie Zonen einrichten lassen. Justizstaatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer (SPD) habe zudem am Freitag mit dem Geschäftsführer der GMSH, Hans-Adolf Bilzhause, telefoniert und eine rasche Lösung angemahnt, teilte das Justizministerium mit.

Sollten die Überprüfungen die geschilderten Belastungen bestätigen und keine andere Lösung gefunden werden, werde das Ministerium einen Baustopp fordern, bis eine Ausweichmöglichkeit für das Amtsgericht gefunden ist. Erst dann sollten die Sanierungsmaßnahmen fortgesetzt werden.

So wollen die Behörden nun weitermachen: Experten aus Reihen der Gerichtsverwaltung, des Personalrats, der Berufsgenossenschaft, des Bauunternehmens, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und ein Betriebsarzt sollen die Baustelle unter die Lupe nehmen. Sie sollen dann beraten, wie der Lärm reduziert werden kann. In einem ersten Schritt wurde beschlossen, die lautesten Abrissarbeiten nur zwischen 10 und 20 Uhr zu erledigen. Amtsgerichtsdirektorin Bettina Morik hatte zuvor eine garantierte „Lärmpause“ zwischen 9 und 12 Uhr angeregt. Außerdem sollen etwa Dienstpläne so gestaltet werden, dass die Mitarbeiter nur während einer möglichst kurzen Zeit dem Lärm ausgesetzt sind. Bis auf weiteres tragen manche Mitarbeiter Gehörschutz. Fachleute werden zudem den Lärm messen und in Staubproben nach Schadstoffen suchen.

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