Handwerk strotzt vor Optimismus

Gehen zuversichtlich in das Jahr 2013: Claudia Mohr und Helmut Rowedder.vm
Gehen zuversichtlich in das Jahr 2013: Claudia Mohr und Helmut Rowedder.vm

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07. Januar 2013, 01:14 Uhr

Kreis Pinneberg | Dem Handwerk geht es gut. Diese Bilanz zum Jahreswechsel ziehen Kreishandwerksmeister Helmut Rowedder und die Geschäftsführerin der für die Kreise Pinneberg und Steinburg zuständigen Handwerkerschaft Westholstein, Claudia Mohr. "Natürlich gilt das nicht für alle", räumt der Itzehoer Malermeister ein. Aber für das Gros der knapp 1000 in den 17 Innungen organisierten Betriebe treffe dies zu. Und auch ins neue Jahr starten die Handwerker voller Zuversicht. Glaubt man Helmut Rowedder strotzen sie gar vor Optimismus.

Der Glaube an eine gute Zukunft liegt nach Einschätzung des Kreishandwerksmeisters in einer Besonderheit der Branche begründet. "Natürlich wird bei uns auch immer mal gemeckert. Wir ziehen uns aber auch immer selbst wieder heraus." Von Krisengedanken vergangener Jahre scheint die selbst ernannte Wirtschaftsmacht von nebenan tatsächlich weit entfernt. Beispiel Banken. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Klagen, dass die Geldinstitute Investitionen auch bei den Handwerksbetrieben durch restriktive Kreditpolitik hemmen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. "Ich kenne keinen einzigen Betrieb, der Probleme mit den Banken und Sparkassen hat", sagt Rowedder. Diese hätten längst erkannt, dass auch ihr Geschäft von einem florierenden Handwerk abhänge.

Einzig die ganz großen Krisen gingen auch am Handwerk nicht ganz spurlos vorbei. "Die Leute halten ihr Geld jetzt zusammen", hat Rowedder erkannt. Sein Rezept dagegen: "Man muss sich als Betrieb den Anforderungen und Herausforderungen anpassen und darf nicht immer auf dem gleichen Level stehen bleiben." Claudia Mohr wirft als Beispiel für viele neue Chancen das Thema Energiewende ein.

In der Geschäftsstelle in der Itzehoer Poststraße kommen zum Jahreswechsel tatsächlich wohl vorwiegend positive Signale an. "Bei den Tischlern gibt es volle Auftragsbücher, bei den Metallbetrieben auch", freut sich Rowedder. Keine Sorgen macht sich unterm Strich Claudia Mohr auch um die Zukunft der unter massivem Wettbewerbsdruck stehenden Bäckereibetriebe. "Am Ende wollen die Kunden doch Qualität", hofft die Elmshornerin. Und auch bei den wegen Niedriglöhnen immer wieder in die Diskussion geratenen Friseuren gewinnt am Ende die Zuversicht. Claudia Mohr betont aber auch: "Die Kunden müssen im Zweifel auch einmal bereit sein, mehr zu zahlen."

Kein Thema ist beim Handwerk derzeit auch der demografische Wandel und der damit einhergehende Wegfall potenziellen Nachwuchses. Rowedder: "Wir haben jetzt 1033 Lehrlinge - nur drei weniger als 2011." Auch von einem Fachkräftemangel könne aktuell noch keine Rede sein. Allerdings ändern sich auch für das Handwerk die Zeiten. "Es kommen immer weniger Bewerbungen rein", verweist Claudia Mohr auf Rückmeldungen aus den Betrieben. Rowedder ermuntert seine Kollegen denn auch, sich verstärkt in der Öffentlichkeit zu präsentieren, zum Beispiel bei Berufsmessen. Unterm Strich sorge die Situation auf dem Ausbildungsmarkt aber noch für keine Sorgenmienen.

Für bedenklich hält die Handwerkschaft allerdings die politische Entwicklung auf Landesebene. "Die Autobahn 20 und die Elbquerung gehen auch das Handwerk an", macht Rowedder deutlich und schließt sich damit Forderungen des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste nach spürbaren Verbesserungen der Infrastruktur an. Besorgt äußert er sich auch bei einem Blick auf die steigenden Energiepreise. Im Unterschied zu anderen Branchen werde man vom Handwerk allerdings keinerlei großen Protestaktionen erwarten dürfen. "Wir haben keine Zeit zum Demonstrieren, wir müssen arbeiten", schmunzelt Rowedder.

Die insgesamt optimistische Sichtweise der Handwerkschaft schlägt sich nach Einschätzung von Rowedder auch auf die Arbeitnehmer nieder. Er geht davon aus, dass die Jahre der Lohnzurückhaltung erst einmal vorbei sind. Ohnehin stehe für ihn fest: "Kein Auskommen mit dem Einkommen ? Das gibt es bei uns nicht." Jedenfalls nicht, so fügt er auf Nachfrage hinzu, bei den in den Innungen organisierten Betrieben.

Apropos Geld: Die Zahl der Insolvenzen bei Handwerksbetrieben ist noch einmal deutlich zurückgegangen. Und auch über die Zahlungsmoral der Kundschaft wird nicht mehr groß Klage geführt.

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