Ilo-Gelände in Pinneberg : Händler bangen um ihre Existenz

„Schade, dass wir in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden.“ Die Händler haben von den aktuellen Entwicklungen aus der der Zeitung erfahren.
„Schade, dass wir in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden.“ Die Händler haben von den aktuellen Entwicklungen aus der der Zeitung erfahren.

Gewerbetreibende sind von den Plänen des Hamburger Unternehmens Matrix Immobilien überrascht.

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28. Juli 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Von wegen brachliegende Fläche, von wegen Industrieruine, von wegen Stillstand: Auf dem Pinneberger Ilo-Gelände tobt das Leben. Zahlreiche Firmen haben sich dort angesiedelt und nutzen die Hallen und Kontore für ihren Handel.

Zwei Tischlereien, diverse Internethändler, ein Spielwarenhandel namens Toys & More, eine Kampfsportschule, die Weltmeister hervorgebracht hat, ein China-Import-Händler, der täglich zwei Container mit Waren umsetzt, ein Gewerbe für Home Accessoires, ein Zweirad-Handel, Designer, ein Fotostudio, eine Musikschule und weitere Gewerbe- beziehungsweise Lagerbetreiber – das Ilo-Gelände ist ein Gewerbegebiet mit prosperierendem Handel mitten in der Stadt. Kein Wunder also, dass die Nachricht, der Hamburger Investor Matrix Immobilien GmbH plane, die Hallengebäude abzureißen, um dort Wohnungen zu errichten, bei den Gewerbetreibenden für Erstaunen oder gar Erschrecken sorgt.

Ortstermin auf dem Gelände, das sich westlich der Bahnschienen vom Bahnhof bis zur Hans-Hermann-Kath-Brücke erstreckt und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, weil es etwas versteckt liegt. Burkhard Klee vom Service my-flame öffnet die Tür zu seinem Laden. „Uns wurde nichts gesagt von den Plänen. Wir wissen es aus der Zeitung“, sagt er und spricht für alle. Viele der Kaufleute seien verärgert: Sollten die Pläne, über die die Politik im September abstimmen wird, Wirklichkeit werden, müssten sie das Feld räumen. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Erst im April 2012 haben Alena Schnell und Juli Lewin ein Fotogeschäft auf dem Gelände eröffnet. „Gerade kennt man uns in Pinneberg. Außerdem haben wir viel Geld in die Renovierung investiert“, sagt Alena Schnell und ist enttäuscht, dass man ihr nichts davon gesagt hat. Zur Zeit ihres Einzugs müssten die Pläne schon bekannt gewesen sein.

Von Tischlereien, Internethändlern bis hin zu einem Spielwarenimporteur: Ein bunter Mix aus Gewerbe ist auf dem Ilo-Gelände angesiedelt. (Foto: Erdbrügger)
Von Tischlereien, Internethändlern bis hin zu einem Spielwarenimporteur: Ein bunter Mix aus Gewerbe ist auf dem Ilo-Gelände angesiedelt. (Foto: Erdbrügger)
 

„Ich müsste mit meinen Maschinen umziehen. Die Furnierpresse allein wiegt 3,5 Tonnen. Der Umzug würde 70.000 bis 80.000 Euro kosten“, sagt Tischler Stefan Stapelfeldt. Holger Fischer hat seit 2003 ein Metalllager auf dem Gelände, das von der Größe her ideal für die riesengroßen Sattelzüge ist, die die Waren bringen. „Ich hätte keine Chance, in Pinneberg eine andere Fläche zu finden. Sonst zahlt man hier das Doppelte“, sagt er.

Der Preis pro Quadratmeter auf dem Ilo-Gelände liegt zwischen 3,50 Euro bis 5,50 Euro. „Das ist günstig für Pinneberg“, sagt Stapelfeldt. Deshalb seien sich die meisten einig: Sie würden Pinneberg verlassen und dorthin ziehen, wo der Quadratmeterpreis niedriger ist. Oder der Worst Case würde eintreffen: „Mein Chef würde das Geschäft aufgeben und ich wäre arbeitslos“, sagt Heiko Wieland vom Zweirad-Ersatzteilhandel.

Es könnte auch andere treffen. Unter den mehr als 60 Mitarbeitern, die in den Hallen und Kontoren tätig sind, geht die Angst um. „Wissen die Politiker überhaupt, wie viele Gewerbesteuereinnahmen durch das Ilo-Gelände in die Stadtkasse fließen“, fragt Burkhard Klee und spielt darauf an, dass die neuen Pläne vorsehen, auf diesem Teil des Geländes Wohnungen zu bauen. „Schade, dass wir in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Wir können nur eine Flagge hissen, um zu zeigen, dass wir auch noch da sind. Wir wünschen uns, von der Politik wahrgenommen zu werden und eventuell Hilfestellung zu bekommen“, sagt er.

Matrix Immobilien GmbH aus Hamburg und der Architekt Helge Reimer vom Elmshorner Architekturbüro GRS Reimer haben ihr Entwicklungskonzept erstmals während der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vorgestellt. Geplant sind 330 neue Wohnungen. Das würde etwa 60 Prozent der Bebauungsfläche entsprechen. Die restlichen 40 Prozent sind für  Gewerbe vorgesehen. Die  Stadt stellt für das Bauprojekt im zweistelligen Millionenbereich die Rahmenbedingungen bereit. Unter anderem ein Lärmschutz gegenüber der Bahnstraße. Die Politik hat allerdings  das Votum für das Projekt auf den nächsten Stadtentwicklungsausschuss am 1. September vertagt.erd
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